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Afrika

Kriegsverbrecherprozess gegen Taylor beendet

Der Prozess gegen gegen den ehemaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor vor dem UN-Sondertribunal für Sierra Leone ist zu Ende. Das Urteil wird in einigen Monaten erwartet. Über 100 Zeugen sind angehört worden.

Charles Taylor vor dem UN-Sondertribunal für Sierra Leone (Foto: dpa)

Charles Taylor hat sich in allen Anklagepunkten für unschuldig erklärt

Im Prozess gegen Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor beraten die Richter nun über das Urteil. Nach mehr als drei Jahren ist in den Niederlanden am Freitag (11.03.2011) der Prozess zu Ende gegangen. Taylor ist in dem Verfahren vor dem UN-Sondertribunal zu Sierra Leone in Den Haag in elf Punkten angeklagt, unter anderem wegen Mordes, Vergewaltigung, Rekrutierung von Kindersoldaten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dabei bekräftigte die Anklage am Freitag ihre Überzeugung, dass Taylor hinter den mordenden Rebellen im Nachbarland Sierra Leone stand. Die Verteidigung wies dies zurück. Taylor hat sich in allen elf Anklagepunkten für nicht schuldig erklärt.

"Ich erkläre den Prozess für beendet", sagte die Vorsitzende Richterin Teresa Doherty. "Das Gericht wird nun mit den Beratungen beginnen." Diese sollen nach derzeitigen Planungen im Sommer zu einem Urteil führen. Dies ist das erste Verfahren gegen einen ehemaligen afrikanischen Staatschef vor einem internationalen Gericht. Taylor wird vorgeworfen, während des Bürgerkriegs in Sierra Leone Rebellen mit Waffen versorgt zu haben, die ihn mit Diamanten bezahlten.

Anklage: Taylor hat Rebellen gesponsert

Kindersoldat in Sierra Leone (Foto: dpa)

Im Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden zahlreiche Kindersoldaten rekrutiert

Staatsanwalt Nicholas Koumjian bekräftigte in seinem Schlussplädoyer am letzten Verhandlungstag die Vorwürfe der Anklage gegen Taylor. Der 62-Jährige habe die Rebellen der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) im Bürgerkrieg in Sierra Leone "kontrolliert". Er sei damit verantwortlich für die Verbrechen der Rebellen, die unter anderem Kindersoldaten in den Kampf geschickt hatten und mit deren Hilfe Taylor reiche Diamantenschätze angehäuft haben soll. "Charles Taylor war der Sponsor der Revolutionären Front", sagte Koumjian. "Er hat die Bewegung sowohl militärisch als auch politisch geführt." Taylors Eigendarstellung als Friedensstifter und Vermittler zwischen den Konfliktparteien wiesen die Ankläger zurück. Taylor habe sich immer als jemanden dargestellt, der er nicht gewesen sei, sagte Koumjian. "Er ist ein intelligenter und charismatischer Mann", der darauf baue, die Richter zum Narren halten zu können.

Die Verteidigung wies die Anschuldigungen zurück. Taylors Chef-Verteidiger Courtenay Griffiths zeigte sich vor Journalisten im Gericht überzeugt, dass sein Mandant freigesprochen werde. Die von der Anklage vorgelegten "Beweise" seien unschlüssig. "Und die Verteidigung hat klar bewiesen, dass Taylors Rolle in Sierra Leone komplett friedlich war", so Griffiths. Er sprach in seinem Plädoyer von einem "neokolonialistischen Verfahren" gegen seinen Mandanten. Es handele sich um einen politischen Prozess, in dem die Anklage vor allem auf Hörensagen beruhe.

Über 100 Zeugen angehört

Charles Taylor (l.) und Naomi Campbell (r.) (Foto: dpa)

Naomi Campbell soll von Taylor einen Blutdiamanten geschenkt bekommen haben

Gegen Taylor hatte auch das britische Topmodel Naomi Campbell im vergangenen Sommer vor dem Sondertribunal für Sierra Leone ausgesagt. Sie soll 1997 von Taylor einen Diamanten geschenkt bekommen haben. Die Anklage wollte so beweisen, dass Taylor Blutdiamanten besaß. Campbell sagte allerdings vor dem Gericht nur aus, dass sie Diamanten erhalten habe. Sie wisse jedoch nicht von wem. US-Schauspielerin Mia Farrow sagte dagegen vor dem Tribunal, dass Campbell ihr gegenüber Taylor als Absender eines "riesigen Diamanten" genannt habe.

In dem Prozess wurden zehntausende Seiten, Dokumente und Asservate als Beweismittel vorgelegt. Über 100 Zeugen sind angehört worden. Mehr als 120 Opfer, frühere Rebellen und Taylor selbst sagten vor dem Tribunal aus. Taylor droht im Fall eines Schuldspruchs lebenslange Haft. Er war 2003 noch während seiner Amtszeit angeklagt worden. Das Taylor-Verfahren ist der einzige Prozess des Tribunals, der auf dem Gelände des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag verhandelt wird. Die übrigen Verfahren des UN-Tribunals gegen führende Rebellenvertreter wurden bereits in Sierra Leone abgeschlossen.

Bei dem Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden zwischen 1991 und 2001 rund 120.000 Menschen getötet. Die RUF beging während des Bürgerkriegs zahlreiche Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Unter anderem hackte sie Dorfbewohnern, die sie verdächtigte, mit Regierungstruppen zusammenzuarbeiten, Arme und Beine ab. Nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen wurde ein Drittel der Frauen und Mädchen in Sierra Leone während des Konflikts Opfer einer Vergewaltigung.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dpa, dapd)

Redaktion: Sabine Faber

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