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Fokus Osteuropa

Kriegsverbrecher-Prozess in Serbien beendet

In Belgrad hat ein Gericht Kriegsverbrecher verurteilt: Vier Serben werden 13 Jahre nach der Entführung und Ermordung von bosniakischen Zivilisten zur Verantwortung gezogen.

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Visegrad: der Ort des Verbrechens

Ein Bezirksgericht in Belgrad hat am 15. Juli vier Angehörige der paramilitärischen Gruppierung "Die Rächer" zu insgesamt 75 Jahren Haft wegen Entführung und Ermordung von 16 bosniakischen Zivilisten aus Sjeverin, im Sandzak, verurteilt. Diese Straftat ist als Kriegsverbrechen eingestuft worden. Zu je 20 Jahren Haft sind Milan Lukic als Befehlshaber, Oliver Krsmanovic und Dragutin Dragicevic verurteilt worden, Djordje Sevic erhielt dagegen 15 Jahre Haft. Alle Opfer waren Staatsbürger Serbiens beziehungsweise der ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien. Sie wurden 1992 an der serbisch-bosnischen Grenze aus einem Bus entführt und ins ostbosnische Visegrad gebracht, wo sie dann erschossen wurden. Diejenigen, die die Schüsse nicht getötet hatten, wurden erstochen. Ihre Leichen sind in den Fluss Drina geworfen und nie gefunden worden.

Höchststrafe für Täter

Dieser Fall wird im Übrigen zum zweiten Mal verhandelt, weil der Oberste Gerichtshof Serbiens das erste Urteil von 2003 aufgehoben hat. Der Anwalt der Angehörigen der Ermordeten, Sefko Alomerovic, sagte der Deutschen Welle zu diesem Urteil: "Nach den geltenden Gesetzen ist die Höchststrafe ausgesprochen worden. Daran gibt es kaum etwas auszusetzen. Wir könnten noch darüber debattieren, ob diese Strafe in Anbetracht der Schwere der Tat nicht zu gering ausgefallen ist".

Einsatz von Paramilitärs umstritten

Tragisch sei allerdings, dass bis heute noch immer die Existenz paramilitärischer Gruppen von vielen Beteiligten geleugnet werde. Allerdings hätten die Richter die Angeklagten als Angehörige der paramilitärischen Gruppierung "Die Rächer" bezeichnet. "Es ist unwahrscheinlich, dass die Richter eine solche Gruppierung ins Spiel gebracht haben und auch noch die Phantasie besaßen, sich einen Namen für sie auszudenken", so Alomerovic.

Der Kommandeur der Brigade Visegrad hat erklärt, dass es dort keine paramilitärischen Gruppierungen gegeben habe. Der verurteilte Milan Lukic sei vielmehr Kompaniechef gewesen. Auch der ehemalige serbische Polizeiminister, Zoran Sokolovic, hat im Parlament erklärt, dass es während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien keine paramilitärischen Gruppierungen im klassischen Sinne gegeben habe. Denn alle hätten unter dem Kommando oder der Kontrolle des Militärs oder der Polizei gestanden.

Ejub Stitkovac, Belgrad
DW-RADIO/Bosnisch, 15.7.2005, Fokus Ost-Südost

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