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Fokus Osteuropa

Kriegsverbrechen: Prozessauftakt gegen jugoslawischen Generalstabschef

Vor dem UN-Tribunal hat der Prozess gegen den Ex-Generalstabschef der Armee Jugoslawiens, Momcilo Perisic, begonnen. Ihm werden zahlreiche Kriegsverbrechen gegen Bosniaken und Kroaten vorgeworfen.

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Verfahrensbeginn in Den Haag nach drei Jahren

In den insgesamt 13 Anklagepunkten geht es um die Vertreibung und Ermordung tausender bosnischer Muslime aus Srebrenica 1995, um die mörderischen Angriffe auf Zivilisten in Sarajewo durch Scharfschützen und den Granatenbeschuss von 1993 bis 1995 sowie um die Bombardierung des Zentrums von Zagreb im Mai 1995. Im Eröffnungsplädoyer sagte der Ankläger Mark Harmon, er werde beweisen, dass General Perisic verantwortlich sei für die Ermordung, für die Angriffe sowie für Verfolgung und Vertreibung von Zivilisten in Srajewo, Srebrenica und Zagreb. Als erster Mann der Armee Jugoslawiens habe Perisic zwischen 1993 und 1995 die Streitkräfte der bosnischen Serben bei den Granatenangriffen auf Sarajewo und den in Srebrenica begangenen Verbrechen unterstützt, erklärte Ankläger Harmon.

Nachschub aus Belgrad

„Die Beweise der Anklage werden zeigen, dass die Armee Jugoslawiens in einigen Zeitabschnitten des Krieges der einzige Versorger der Armee der Republika Srpska für bestimmte Munition war. Dies bezieht sich auch auf Artilleriemunition von 155 Millimetern, und eben diese Munition wurde beim Granatenangriff auf Sarajewo benutzt“, sagte der Ankläger und fügte hinzu: „Die Beweise der Anklage werden die Munition, die der Armee der Republika Srpska übergeben wurde, mit den in der Anklageschrift angeführten Verbrechen in Verbindung bringen. Die benutzten Patronenhülsen, die die Anklage an verschiedenen Mordtatorten in Srebrenica fand, wurden in der Bundesrepublik Jugoslawien hergestellt – zu genau der Zeit, als General Perisic Generalstabschef der Armee Jugoslawiens war.“

Verantwortung für Armee der Serbenrepublik

Die Kriegsverbrechen, die Perisic zur Last gelegt werden, sind der Anklage zufolge indirekt von den Angehörigen der Armee Jugoslawiens ausgeführt worden, die über das militärische Kaderzentrum des Generalstabs der Armee Jugoslawiens in die Armee der Republika Srpska abkommandiert wurden. Offiziell unterstanden sie weiter dem Befehl Belgrads, erhielten von dort ihren Sold und wurden von dort aus befördert. Ein Offizier, den Perisic zum General beförderte, ist der flüchtige mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic, ehemaliger Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska.

„Die beängstigende Militärmaschinerie der bosnischen Serben wäre eingebrochen ohne die massive militärische Unterstützung, die die Armee Jugoslawiens bot bzw. die Bundesrepublik Jugoslawien. Wir werden beweisen, dass der Angeklagte sagte, der Umfang der Militärhilfe der Armee Jugoslawiens für die Armee der Republika Srpska sei so groß gewesen, dass die Kampfbereitschaft der Bundesrepublik Jugoslawien gefährdet war.“ Ankläger Harmon betonte, Ratko Mladic und alle übrigen Kommandeure der Armee der Republika Srpska seien General Perisic unterstellt gewesen. Daher trage er die Verantwortung, sowohl nach der Befehlskette als auch individuell für die von ihr verübten Kriegsverbrechen.

Perisic hatte sich im März 2005 freiwillig gestellt und sich für unschuldig erklärt.

Dzevad Sabljakovic

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