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Testseite Politik

Krieger im Namen des Herrn

Seit 18 Jahren tobt in Uganda ein Krieg. Die Zivilbevölkerung wird aufgerieben im Konflikt zwischen den Rebellen und den Regierungstruppen. Im Schatten der Weltöffentlichkeit wird geplündert, entführt, gemordet.

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Ugandas Präsident Yoweri Museveni

Es ist ein Kampf ohne Fronten. Uganda, das noch im Juli 2003 als afrikanisches Musterland von US-Präsident George W. Bush eines Besuchs gewürdigt wurde, droht im Chaos zu versinken. Der international viel gelobte Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, bescherte seinem Land eine weitgehende Demokratie, steigendes Wirtschaftswachstum und eine erfolgreiche Aids-Bekämpfung. Doch seit fast zwei Jahrzehnten scheitert er militärisch im Norden des Landes an einer Rebellentruppe.

Die Christen-Krieger

Seit 15 Jahren kämpft die "Widerstandsarmee des Herrn" (Lord`s Resistance Army, LRA) für einen eigenständigen religiösen Staat in der Grenzregion zum Sudan. Auf der Basis von Zehn Geboten soll eine Verfassung geschaffen werden. Seit 1997 steht jedoch der Sturz des Regimes von Präsident Museveni und die juristische Ahndung seiner Verbrechen als Ziel im Vordergrund. Der Anführer der Rebellengruppe, Joseph Kony, rühmt sich göttlicher Kräfte. Er verfügt über eine 3000 bis 5000 Soldaten starke, fanatisch gedrillte Rebellentruppe. Die LRA rekrutiert ihre Kämpfer vor allem bei Überfällen auf Dörfer: Sie verschleppen Kinder und Jugendliche, zwingen sie zu Gewalt gegen das eigene Volk und missbrauchen Mädchen. Mehr als 20.000 Minderjährige wurden nach Schätzungen von Hilfsorganisationen in diesem Krieg bereits verschleppt. Nach einem Bericht der Hilfsorganisation Human Rights Watch von Mitte Juli 2003 machen sich die Regierungstruppen ähnlicher Vergehen wie die LRA schuldig, insbesondere der Vergewaltigung von Frauen und Mädchen im Norden des Landes. Die dortige Aids-Rate liegt um 6 Prozent höher als im übrigen Uganda, das eine der niedrigsten Aids-Raten in Afrika südlich der Sahara aufweist.

Eine Million Menschen auf der Flucht

Um die Bevölkerung vor einer Großoffensive der Armee gegen die LRA in Sicherheit zu bringen, wurden im Oktober 2002 circa 400.000 Bewohner der Region Acholi vorübergehend in Militärlager umgesiedelt. Aus Angst vor den Rebellen der Widerstandsarmee der Herrn sind eine Million Menschen im Norden und Nordosten des Landes auf der Flucht. Die Flüchtlingsproblematik stellt eine Herausforderung dar, für deren Bewältigung die Regierung kein Konzept zu haben scheint. Anfang 2002 hat die ugandische Armee eine Offensive gestartet, die Rebellentruppe zu zerschlagen. 50.000 ugandische Soldaten sollen sich bereits im Anti-Terror-Krieg befinden. Aber die Regierungstruppen stehen dem Treiben weitgehend machtlos gegenüber. Erst am 3.2.2003 gelang es dem von Museveni beauftragten Bischof Macbeth Ochola eine Waffenruhe mit der LRA zu vereinbaren. Diese wurde jedoch bereits Ende März 2003 gebrochen. In den folgenden Monaten kam es daher erneut zu Überfällen. Ein Ende des Mordens ist nicht in Sicht.

Rückzugsgebiet Sudan

Die von sudanesischem Territorium aus operierende Rebellenbewegung wurde lange von der Regierung in Khartum unterstützt. Seitdem die USA im Dezember 2001 die LRA als Terrororganisation einstuften, halten sich die Sudanesen mit ihrer Unterstützung aber zurück. Im März 2002 wurde sogar ein Abkommen geschlossen, das es ugandischen Regierungstruppen erlaubte, die LRA auf sudanesischem Territorium zu bekämpfen. Bislang waren die Feldzüge jedoch erfolglos. Stattdessen greift der Konflikt auf das Landesinnere Ugandas über. Auch die Regionen Teso und Lango sind mittlerweile betroffen.

Grausamkeit hat Tradition

Zur Ruhe gekommen ist das ostafrikanische Land schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Die ehemals britische Kolonie wurde am 9. Oktober 1962 unabhängig. Premierminister Milton Obote zerstörte mit radikalen Verstaatlichungen und zahlreichen Massakern die Machtstrukturen des alten Königreiches. In einem blutigen Putsch am 25. Januar 1971 löste Kommandeur Idi Amin den bisherigen Amtsinhaber Obote in dessen Abwesenheit ab. Doch auch Amin entwickelte sich zum diktatorischen Herrscher. Man nannte ihn den "Schlächter von Afrika". Circa 30.000 Menschen fielen seiner Diktatur zum Opfer. Bald formierte sich eine Widerstandsbewegung (National Resistance Movement, NRM). Yoweri Museveni war einer der Anführer. Er eroberte im Januar 1986 mit der NRA die Haupstadt Kampala. Kurz darauf wurde Museveni zum Präsidenten vereidigt. Seine Armee bestand, wie auch die LRA, zu einem großen Teil aus gekidnappten Kindersoldaten.

Hilferuf

In einem fürchterlichen Angriff richteten LRA.Rebellen Ende Februar 2004 im Bezirk Lira eine Blutbad in einem Flüchtlingslager an. Mehr als 200 unbewaffnete Bewohner wurden dabei hingerichtet. Auch eine eingetroffene Armee-Einheit konnte das Massaker nicht verhindern. Das Parlament von Uganda hat nun die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten, die Gewalt einzudämmen. Zugleich haben die Abgeordneten die Regierung aufgefordert, die am stärksten betroffenen Regionen zum Katastrophengebiet zu erklären. Das Parlament will damit die Aufmerksamkeit auf die Kriegswirren lenken. Ugandas Ruf im Westen, ein positives Modell für Afrika zu sein, steht mehr denn je in Frage.

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