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Fokus Osteuropa

Kreml stoppt Gazprom-Bau in St. Petersburg

Die Gegner des geplanten 400 Meter hohen Wolkenkratzers in St. Petersburg können vorerst aufatmen. Das Projekt findet nicht die Zustimmung der UNESCO und von Präsident Dmitrij Medwedjew. Er lässt die Pläne nun prüfen.

Demonstranten in St. Petersburg halten ein Plakat mit der Aufschrift Gazprom, go home! hoch (Foto: DW)

Demonstration gegen Gazprom in St. Petersburg

Das Bürogebäude des russischen Gasmonopolisten in St. Petersburg soll dreimal höher als die Peter-und-Paul-Kathedrale werden und sogar das höchste Bauwerk der Stadt, den Fernsehturm, um 100 Meter überragen. Das "Ochta-Center" soll gebaut werden, wo die Ochta in die Newa mündet, schräg gegenüber des Smolny.

Blick auf die Newa in St. Petersburg (Foto: DW)

An der Newa soll der Wolkenkratzer entstehen

Da die Stadtverwaltung von St. Petersburg sich für das Projekt einsetzt, wird für den Bau längst heftig geworben. Vertreter der Fraktionen der Partei Einiges Russland und der Liberaldemokraten im Stadtrat nutzen jede Gelegenheit, sich öffentlich für den Gazprom-Wolkenkratzer einzusetzen.

Der Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses, Wladimir Barkanow, meint, der Bau werde sich positiv auf die Stadtkasse auswirken. "In Krisenzeiten, wo keine großen Investitionen in die städtische Wirtschaft fließen, halte ich die Entscheidung für den Wolkenkratzer für richtig und weitsichtig", so Barkanow. Unterstützen lassen sich die Befürworter des Bauvorhabens von einer ganzen Reihe Prominenter.

Bedrohung für Weltkulturerbe

Die beiden anderen Fraktionen im Stadtrat - die der Kommunisten und der Partei Gerechtes Russland – sind gegen den Gazprom-Bau. Die Kommunisten bezeichnen das Projekt als unzumutbare Geldverschwendung und Gerechtes Russland spricht von einer Verschandelung des historischen Stadtbildes.

Demonstranten halten ein Plakat hoch mit der Aufschrift Die Stadt muss man lieben, und nicht vergewaltigen (Foto: DW)

"Die Stadt muss man lieben, und nicht vergewaltigen", fordern die Gazprom-Gegner

Kritisch hatte sich bereits auch das Welterbe-Komitee der UNESCO geäußert. Unlängst wurde St. Petersburg damit gedroht, die Stadt könnte wegen des Hochhauses ihren Status als Weltkulturerbe verlieren. Das wollen mehrere bekannte Kulturschaffende der Stadt, darunter auch der Eremitage-Direktor Michail Piotrowskij, verhindern. "Es besteht nicht die Notwendigkeit, dass sich jeder ins historische Stadtzentrum drängt", erklärte Piotrowskij in der russischen Presse.

"Gazprom, go home!"

Auf Demonstrationen der Gegner des Wolkenkratzers ist die Losung "Gazprom, go home!" inzwischen die populärste. Die Aktivisten beschränken sich aber nicht nur auf Kundgebungen und Unterschriftensammlungen. Gefordert hatten sie vom Stadtrat eine Volksbefragung zum Gazprom-Projekt, was aber von den St. Petersburger Abgeordneten abgelehnt wurde. Gegen den Beschluss des Stadtrates klagten die Aktivisten erfolglos vor Gericht.

Präsident Medwedjew spricht in ein Mikrofon, im Hintergrund die Petersburger Peter-und-Paul-Kathedrale (Foto: AP)

Präsident Medwedjew schaltet sich in den Streit um das Gazprom-Bauvorhaben ein

Doch unerwartet erhielten die Gegner des Wolkenkratzers eine ermutigende Nachricht aus Moskau. Die Administration des Präsidenten Dmitrij Medwedew ordnete an, Alternativen bezüglich der Höhe des geplanten Baus zu prüfen. Der Kremls weist ferner auf die Bedenken des Welterbe-Komitees der UNESCO hin.

"Dazu wäre es nie gekommen, wenn viele Menschen in St. Petersburg nicht hartnäckig geblieben wären und ihren Kampf nicht fortgesetzt hätten", sagte der Leiter des St. Petersburger Ortsverbandes der Jabloko-Partei, Maksim Resnik, der Deutschen Welle. Die Behörden hätten den Eindruck vermittelt, alles sei schon entschieden, so Resnik. "Ich bin froh, dass Präsident Medwedjew sich denen angeschlossen hat, die St. Petersburg lieben", sagte der russische Oppositionspolitiker.

Autor: Vladimir Izotov / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Fabian Schmidt

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