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Fokus Osteuropa

Kosovo-Premier bietet serbischen Amtskollegen direkten Dialog an

Vor seinem für Ende Mai geplanten Berlin-Besuch hat der kosovo-albanische Ministerpräsident Kosumi in einem Deutsche Welle-Interview seinen serbischen Amtskollegen Kostunica zu einem Treffen aufgefordert.

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Bajram Kosumi zeigte sich gesprächsbereit

DW-RADIO/Serbisch: Die internationale Gemeinschaft besteht darauf, dass der Dialog zwischen Pristina und Belgrad aufgenommen wird. Sie haben bereits mehrfach den serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica zu einem Treffen aufgefordert. Sind Sie auch weiterhin zu einem Treffen mit Kostunica bereit. Beabsichtigen Sie eine weitere offizielle Einladung an Kostunica zu schicken?

Bajram Kosumi: Ich bin bereit, mich mit ihm zu treffen, und dies habe ich nicht das erste Mal erklärt. Denn ich habe von Anfang an gesagt, dass ich dazu bereit bin, mit der politischen Führung Serbiens zu treffen, was auch Premier Kostunica einschließt. Mit ihm möchte ich mich wirklich treffen und über den technischen Dialog zwischen Kosovo und Serbien sprechen. Wir sind einfach nicht an pro forma Gesprächen interessiert oder an einem Dialog, der zu Propagandazwecken benutzt wird und nicht zu konkreten Resultaten führt. Ein Treffen mit dem serbischen Ministerpräsidenten würde die Arbeitsgruppen sehr zu einem Dialog motivieren, der konkrete Resultate hervorbringen soll. Es ist nicht gut, dass zwischen den beiden Ländern, zwischen Serbien und Kosovo, große politische Probleme bestehen. Es ist auch insbesondere nicht gut, dass es kleine technische Probleme gibt. So sind die kosovarischen Kraftfahrtzeug-Kennzeichen nicht anerkannt. Sie sollten aber anerkannt werden, damit die Bürger des Kosovo problemlos mit ihren Fahrzeugen in Serbien einreisen können. Ferner fehlt die Anerkennung der persönlichen Dokumente der Bürger des Kosovo oder der Dokumente vom Katasteramt, die sich noch immer bei den serbischen Behörden befinden und nicht an die kosovarischen zurückgegeben wurden. Das sind Absurditäten, die, wie mir scheint, im negativen Sinne typisch sind für den Balkan. Wir dürfen dergleichen nicht zulassen, und ich bin bereit dazu, mich mit Premier Kostunica hinzusetzen, mit ihm zu sprechen und alle Probleme zu lösen.

Die Kosovo-Serben haben angekündigt, dass sie in die Übergangsinstitutionen Kosovos zurückkehren wollten. Und nun haben sie erklärt, dass sie zuvor das Ergebnis der kommenden Sitzung des UN-Sicherheitsrates über das Kosovo abwarten würden. Was sagen Sie dazu?

Mittlerweile habe ich wirklich Mitleid mit einem Teil der serbischen Politiker, weil ich weiß, welchen Standpunkt sie eigentlich vertreten. Sie meinen nämlich, dass es in ihrem Interesse ist, in die Kosovo-Institutionen zurückzukehren. Allerdings sind sie Geiseln der Belgrader Politik geworden. Sie sind in einer wirklich unangenehmen Lage. Ich nutze diese Gelegenheit, um es erneut zu sagen: Die serbischen Politiker im Kosovo sind durch die Stimmen der Kosovo-Serben als Abgeordnete gewählt worden. Das heißt, die serbischen Wähler im Kosovo haben für Slavisa Petkovic oder Radoslav Nojkic gestimmt und nicht für Boris Tadic oder Vojislav Kostunica aus Belgrad. Daher müssen diese Politiker ihrer menschlichen, bürgerlichen und politischen Verantwortung nachkommen und im Sinne ihrer Wähler handeln beziehungsweise sich dort einzufinden, wo ihr Platz ist – in den Kosovo-Institutionen.

Das Interview führte Fadil Gashi, Pristina
DW-RADIO/Serbisch und Albanisch, 13.5.2005, Fokus Ost-Südost

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