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Fokus Südosteuropa

Kosovarische Rentner im Stich gelassen?

Die Rentner im Kosovo zählen zu den Ärmsten der Gesellschaft. Die so genannte Sozialrente, die sie erhalten, reicht nicht zum Leben. Hilfe von den kosovarischen Behörden gibt es nicht.

Zwei ältere Frauen geben sich auf der Straße die Hand (Foto: DW)

Schwierige Lage für Rentner im Kosovo

Alle Kosovaren, die älter als 65 Jahre sind, bekommen sie - die Sozialrente in Höhe von 45 Euro. Das sind rund 140.000 Menschen. Unter ihnen sind auch 30.000 Rentner, die gearbeitet und in den Rentenfonds eingezahlt haben. Sie erhalten seit kurzem 35 Euro zusätzlich. Seit 1999, seit der Kosovo unter UN-Verwaltung steht, hat Belgrad die Rentenzahlungen an die kosovarischen Rentner eingestellt. Tausende Rentner, die schon vor 1999 Rentner waren, ist es nur über Beziehungen gelungen, ihre Rentenbezüge aus Serbien wieder zu erhalten.

Altersarmut

Die Hände einer älteren Person, die Euros in eine Kaffeedose steckt (Foto: picture-alliance)

Renten in Kosovo: zum Leben zu wenig

Der albanische Rentner Hysen Hamiti aus Pristina hatte nicht dieses Glück. Als 1999 die Rentenzahlungen aus Serbien eingestellt wurden, hatte er drei Jahre lang keine Einkünfte. Erst seit 2002 bekommt er die kosovarische Rente. "Zunächst bekam ich 35 Euro, dann 40 und jetzt sind es 80 Euro. Von diesem Geld kann ich aber nicht leben. Mein Sohn, mit dem ich zusammenlebe, hilft mir. Irgendwie kommen wir zurecht", erzählt Hamiti.

Die Serbin Slavka Ivkovic aus Gracanica beklagt ebenfalls, dass die Renten zu niedrig sind und für ein normales Leben nicht ausreichen. "Im Geschäft kannst du für dieses Geld nichts kaufen, sogar Medikamente können wir uns nicht leisten, und wir sind krank."

Kein Rentenversicherungsgesetz

Paragraphen auf weißem Hintergrund (Foto: BilderBox)

Gesetzesgrundlage fehlt

Der Vorsitzende des Rentner- und Arbeitsunfähigenverbandes des Kosovo, Ram Alihajdari, kritisiert, dass das Parlament des Kosovo bislang versäumt habe, das Gesetz über Renten- und Invaliden zu verabschieden. Seit 2005 gebe es den Beschluss, dieses Gesetz auszuarbeiten. "Dreimal lag der Gesetzentwurf der Regierung vor, zweimal wurde er im Parlament erörtert und jedes Mal wurde er zurückgewiesen wegen Mängeln", sagt Alihajdari.

Ein weitere Grund für die Verzögerung sind fehlende finanzielle Mittel. Doch diese Argumente überzeugen die Rentner nicht. Man brauche nicht viel Geld, um das Gesetz umzusetzen. Auf der anderen Seite gebe es sehr wohl Mittel, um die Diäten der Abgeordneten zu erhöhen, kritisiert Alihajdari. "Sie bekommen sogar ein 13. Monatsgehalt, aber für die Rentner haben sie nichts."

"Institutionen unwillig"

Die Regierung in Pristina hat schon vor einiger Zeit versprochen, zahlreiche Vergünstigungen für Rentner einzuführen, doch umgesetzt hat sie fast nichts. Die Rentner seien deswegen sehr aufgebracht und werfen den kosovarischen Institutionen vor, sich nicht mit den Problemen der Rentner zu befassen, weiß Alihajdari. Der Rentnerverband setzt nun seine Hoffnungen in die Gespräche zwischen Pristina und Belgrad. Darin sollen Fragen wie Ansprüche aus dem ehemals gesamtstaatlichen Rentenfonds geklärt werden. Ein Termin für das Treffen steht aber noch nicht fest.

Autorinnen: Zulfija Jakupi / Mirjana Dikic

Redaktion: Nicole Scherschun

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