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Fokus Südosteuropa

Gleichberechtigung nur auf dem Papier?

Die Lage der Frauen im Kosovo hat sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert, aber sie sind immer noch selten in Schlüsselpositionen vertreten. Trotz eindeutiger Gleichstellungsgesetze sieht die Praxis anders aus.

Junge Frauen vor Fernseh-Werbeplakat in Prishtina (Foto: dpa)

Ist Emanzipation für Kosovarinnen selbstverständlich?

Die Stellung der Frauen im Kosovo ist zwar besser als früher, sie könnte aber noch deutlich besser sein. Das sagt die Direktorin des Stadtplanungsamtes in Gracanica, die Serbin Nada Brkljac, im Interview der Deutschen Welle. Frauen könnten besser behandelt werden und auch mehr für die Gesellschaft leisten als es ihnen derzeit möglich sei.

Die wichtigsten Verbesserungen erleben Frauen im Hinblick auf ihre rechtliche Absicherung, so Brkljac. Sie bewertet es als positiv, dass "sich alle bemühen, das Gleichstellungsgesetz umzusetzen und zu erfüllen."

Quote erfüllt - aber kaum Frauen in Spitzenpositionen

Dass die Frauen in der kosovarischen Gesellschaft keine untergeordnete Rolle mehr spielen, meint auch die Albanerin Mimoza Kusari Lila, stellvertretende Vorsitzende der Oppositionspartei Allianz Neues Kosovo. Ungeachtet dessen hätten sich die Frauen noch nicht auf die oberste Führungsebene vorgearbeitet: "Auch wenn es Quoten gibt, die die politische Beteiligung von Frauen im Parlament und in den Stadt- sowie Gemeinderäten regeln, sind Frauen untervertreten."

Sie kritisiert ferner, dass es auf politischer, wirtschaftlicher, sozialer sowie kultureller Ebene zu wenige Frauen in Entscheidungspositionen gebe. Zudem bestehe eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: "Auch wenn im Kosovo die Gleichstellung der Geschlechter gesetzlich gewährleistet und Diskriminierung ausgeschlossen wird, ist dies in der Praxis noch lange nicht immer der Fall."

Nein zu einer Bürgermeisterin

Parlamentsgebäude in Prishtina, auf dessen Fassade sich ein Minarett spiegelt (Foto: DW)

Im Parlament in Prishtina erreichen die weiblichen Abgeordneten eine Quote

Gemäß der Verfassung des Kosovo ist zwar die festgelegte Quote von 30 Prozent Frauen im Parlament erfüllt, aber es bekleiden zu wenige Frauen ein zusätzliches Amt. In der Regierung des Kosovo leiten nur zwei Frauen ein Ministerium. Bei den kürzlich abgehaltenen Kommunalwahlen ist die Lage noch drastischer: keine der Kandidatinnen ist zur Bürgermeisterin gewählt worden.

So stellte sich auch Nada Brkljac in Gracanica zur Wahl, wurde aber nicht zur Bürgermeisterin gewählt. Ebenso erging es Mimoza Kusari Lila, die in Djakovica kandidierte. Kusari Lila kämpft allerdings noch vor Gericht für ihren Wahlsieg.

Familiäre Unterstützung gefordert

Nada Brkljac sagt, die Frauen müssten sich ihrer Qualitäten bewusst werden. Es hänge auch vom Auftreten der Frau selbst ab, ob sie in der Gesellschaft besser behandelt werde. Sie sei zuversichtlich, dass mit der Zeit auch "die männliche Bevölkerung im Kosovo begreifen wird, dass wir etwas wert sind und nicht nur gut sind, um Mütter und Hausfrauen zu werden."

Sie hebt die Qualitäten von Frauen in Entscheidungspositionen hervor: "Alles was wir tun, machen wir sehr gut und gut durchdacht, so dass auch die Männer das einsehen werden und uns mehr Chancen und Raum in der kosovarischen Gesellschaft einräumen müssen."

Mimoza Kusari Lila betont, dass die Unterstützung der Familie für die Frauen im Kosovo ebenfalls sehr wichtig sei: "Ich kann durchaus behaupten, dass meine Familie zu meinem Erfolg beigetragen hat, weil mein Bruder und ich gleichberechtigt behandelt wurden. Aber viele Frauen und Mädchen im Kosovo hatten nicht dieses Glück." Bereits die Mädchen müssten unterstützt werden, allen voran von ihren Müttern aber auch von den übrigen Familienmitgliedern. Nur so könnten sie erfahren, dass es keine beruflichen Hindernisse für sie gebe und "Frau zu sein kein Geburtsfehler ist", meint Mimoza Kusari Lila.

Autorinnen: Zulfija Jakupi / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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