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Asien

Korea-Konflikt spitzt sich zu

Das Feuergefecht zwischen Nord- und Südkorea ist international mit großer Sorge aufgenommen worden. Beobachter fürchten um den Frieden in der Region.

Rauch über Yeonpyeong (Foto: AP)

Die südkoreanische Insel Yeonpyeong unter Artillerie-Beschuss

Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Nord- und Südkorea hat sich gefährlich verschärft: Pjöngjang beschoss am Dienstag (23.11.2010) die südkoreanische Insel Yeonpyeong mit Artillerie und drohte mit weiteren Militärschlägen. Seoul erwiderte das Feuer.

Bei dem rund einstündigen Gefecht an der umstrittenen Seegrenze zwischen beiden Staaten wurden südkoreanischen Militärangaben zufolge mindestens zwei Soldaten getötet, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Dutzende Häuser gerieten in Brand, auf Fernsehbildern war zu sehen, wie dichter schwarzer Rauch von der Insel aufstieg.

Gefährliche Eskalationsstufe

Das Gefecht begann südkoreanischen Angaben zufolge, nachdem die Truppen trotz einer Warnung des Nordens ein Manöver in der Region fortsetzten. Pjöngjang habe daraufhin die Insel Yeonpyeong beschossen, Südkorea reagierte mit der Entsendung von Kampfflugzeugen. Auf nordkoreanischer Seite könne es etliche Opfer geben, hieß es in Seoul.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il (Foto: dpa)

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il provoziert die Weltgemeinschaft

Das Militär des kommunistischen Nordens drohte laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA mit weiteren Angriffen, sollte der Süden die Seegrenze "auch nur um 0,001 Millimeter" überschreiten.

Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten: Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak erklärte, "willkürliche Angriffe auf Zivilisten" würden nicht hingenommen. Sollte Pjöngjang nochmals angreifen, werde es einen "enormen Gegenschlag" geben.

Internationale Besorgnis

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich "sehr besorgt" über den Zwischenfall. Das nordkoreanische Artilleriefeuer auf Südkorea bezeichnete der Vizekanzler als eine "erneute militärische Provokation".

Auch die mit Seoul verbündete US-Regierung verurteilte den nordkoreanischen Granatenbeschuss. Pjöngjang müsse sein aggressives Handeln beenden und sich an die Vorgaben der nach dem Koreakrieg getroffenen Waffenstillstandsvereinbarung halten, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Die USA hat mehr als 28.000 Soldaten in Südkorea stationiert.

Südkoreaner beobachten einen US-Flugzeugträger (Foto: AP)

Gemeinsames Manöver von Südkorea und den USA

China, der engste Verbündete Nordkoreas in der Region, rief zur Besonnenheit auf. Beide Seiten müssten mehr zum Frieden und zur Stabilität auf der Halbinsel beitragen, forderte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zur Zurückhaltung in der Region auf. Ein Sprecher des Generalsekretärs erklärte in New York, Ban sei wegen der wachsenden Spannung auf der koreanischen Halbinsel besorgt. Der Angriff sei einer der schwersten Zwischenfälle seit dem Ende des Koreakriegs.

Angespannte Nachbarschaft

Hintergrund des Zwischenfalls ist der seit 1953 ungeklärte Verlauf der Grenze zwischen beiden koreanischen Staaten. Die Vereinten Nationen hatten die Seegrenze im Gelben Meer - an der Westküste der koreanischen Halbinsel - damals zum Ende des Koreakrieges einseitig festgelegt. Pjöngjang erkannte den Verlauf nie an. Beide Staaten befinden sich daher noch heute formal im Kriegszustand.

In den vergangenen Jahren haben sich die beiden Seiten drei blutige Gefechte geliefert, zuletzt im November vergangenen Jahres. Im März spitzten sich die Spannungen nach dem Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan" zu, bei dem 46 Seeleute ums Leben kamen. Internationalen Ermittlern zufolge wurde die "Cheonan" von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt.

Nuklearanlage im nordkoreanischen Yongbyon (Foto: AP)

Nuklearanlage im nordkoreanischen Yongbyon

Erst vor wenigen Tagen hatte Pjöngjang einem amerikanischen Atomexperten zufolge die Fertigstellung einer neuen Anlage zur Urananreicherung verkündet. Der frühere Leiter des US National Laboratory in Los Alamo, Siegfried Hecker, erklärte am Samstag, er habe das Werk im Kernforschungszentrum in Yongbyon kürzlich besichtigt.

Außerdem befindet sich Nordkorea offenbar in einem kritischen Übergangszustand, in dem die Macht von Kim Jong Il auf seinen Sohn Kim Jong Un übertragen werden soll.

Autor: Hajo Felten (rtr, ap, afp, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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