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Gewalt in Afrika

Kongolesen in der Gewaltspirale

Die Gewalt im Süden der Demokratischen Republik Kongo hat nach UN-Informationen grauenhafte Ausmaße angenommen. Morde, Überfälle und Vertreibungen kennzeichnen die Situation im Land. Hilfsorganisationen sind machtlos.

Wie hier an der Grenze zu Ruanda flüchten immer wieder Menschen aus dem Kongo (Reuters)

Wie hier an der Grenze zu Ruanda flüchten immer wieder Menschen aus dem Kongo

So überfalle eine von Kongos Regierung ausgerüstete Miliz gezielt Angehörige bestimmter Volksgruppen in der Kasai-Region, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, in Genf. Flüchtlinge hätten von brutalen Massakern berichtet, bei denen Zweijährigen die Gliedmaßen abgehackt und Schwangeren Föten aus dem Leib geschnitten worden seien. Andere Opfer seien lebendig angezündet worden. Beim Überfall auf ein Krankenhaus seien alle 90 Patienten und Ärzte ermordet worden.

An einigen Massakern der Miliz, die Bana Mura genannt wird, beteiligten sich Seid zufolge auch Polizisten und Soldaten. Der Hochkommissar forderte den Menschenrechtsrat auf, eine unabhängige Untersuchung der Verbrechen zu beschließen. Die kongolesische Regierung hatte diese zuletzt abgelehnt.

Seid betonte, auch die Milizen unter dem Dach der Rebellenbewegung Kamuina Nsapu, die gegen die Armee kämpft, seien für zahlreiche Menschenrechtsverbrechen verantwortlich. Ihre Taten müssten ebenfalls untersucht werden. So kämpften Augenzeugen zufolge bereits Kinder im Alter von sieben Jahren für die Miliz, viele von ihnen unter dem Einfluss von Drogen.

Über 3000 Tote bislang

Seit dem Ausbruch schwerer Kämpfe vergangenen August sind in den drei Kasai-Provinzen mindestens 3.300 Menschen getötet worden. Eine entsprechende Schätzung legte eine Arbeitsgruppe der katholischen Kirche im Kongo vor. Bislang war von einigen hundert Toten die Rede gewesen. Die Kirche beschreibt in einem Bericht zudem eine massive Beschädigung der Infrastruktur. So hätten Soldaten und Milizen unterschiedlicher Gruppen etwa 3.700 Häuser in der Region zerstört.

Die Krise in den drei Kasai-Provinzen begann vor knapp einem Jahr als Nachfolgestreit um einen traditionellen Anführer. Inzwischen gelten viele der Gefechte als ethnisch motiviert.

Mord an UN-Mitarbeitern

Ende März waren zwei Mitglieder einer UN-Untersuchungskommission sowie ihre kongolesischen Mitarbeiter in der Region ermordet worden. Ihr Tod steht vermutlich im Zusammenhang mit der Entdeckung von 42 Massengräbern, die der Armee zur Last gelegt werden. Angesichts der Gewalt erlebt das Land eine der größten Flüchtlingskrisen der Gegenwart. Allein im Mai seien täglich durchschnittlich 8.000 Menschen vertrieben worden, so die norwegische Hilfsorganisation NRC. Insgesamt sind mehr als 1,3 Millionen Menschen nach UN-Angaben auf der Flucht.

Schwerer Stand für die UN Friedenstruppen im Kongo (picture-alliance/AP Photo/J. Bompeng)

Schwerer Stand für die UN Friedenstruppen im Kongo

Geldmangel der Hilfsorganisationen

Die zuständige NRC-Direktorin, Ulrika Blom, beklagte vor diesem Hintergrund völlig unzureichende Hilfsmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft. So engagierten sich zu wenig Gruppen in den betroffenen Gebieten. Vor allem fehle es an Geld, um den Menschen effektiv helfen zu können.

Besonders betroffen seien die Kinder. Hunderte Schulen wurden laut Hilfsorganisationen zerstört oder dienen kämpfenden Gruppen als Unterkünfte. Eine ganze Generation werde um ihre Bildungschancen betrogen und oft als Kämpfer rekrutiert.

cgn/ww (afp, epd, kna)