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Kommentar: Was von Opel übrig bleibt

Für den Autobauer Opel brechen erneut spannende Zeiten an. Auch wenn nach der Übernahme durch PSA alle von einem neuen europäischen Champion sprechen, so dürfte der Weg dahin schmerzhaft werden, meint Henrik Böhme.

Natürlich mühten sich alle Akteure redlich, die Sache mit Optimismus zu verkaufen. Mary Barra, die Chefin von General Motors, zum Beispiel. Sie sieht Opel nun in einer "stärkeren Position". In Wirklichkeit wird sie froh sein, dass sie ihr ungeliebtes Sorgenkind endlich los ist. 15 Milliarden Dollar Verlust in den vergangenen 16 Jahren, das erzeugt keine Leidenschaft. Zudem hatte GM die Europa-Tochter zuletzt mehrfach ins Schaufenster gestellt. Sogar über Geheimverhandlungen mit Volkswagen im Jahr 2012 wurde am Wochenende berichtet. Nun also ist dieses Kapitel für die Amerikaner nach immerhin 88 Jahren abgehakt.

Neues Kapitel

Für den 155 Jahre alten Autobauer Opel hingegen beginnt (mal wieder) ein neues Kapitel. Optimismus Teil 2: Von einem "echten europäischen Auto-Champion" ist die Rede. Wortgleich hört man das aus dem Mündern von Carlos Tavares, Chef der neuen Opel-Mutter PSA und von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Letzterer hat von den wochenlangen Geheimverhandlungen zwischen Amerikanern und Franzosen praktisch aus der Zeitung erfahren, was ja auch keine feine Sache ist.

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Der Optimismus gründet sich auf einer schlichten Rechenaufgabe: PSA mit seinen Marken Peugeot, Citroën und DS verkaufte im letzten Jahr etwas mehr als drei Millionen Autos, Opel und seine britische Schwestermarke Vauxhall 1,2 Millionen. Macht 4,3 Millionen und einen europäischen Marktanteil von 17 Prozent. Das bedeutet Rang 2 hinter dem uneinholbar führenden Volkswagen-Konzern. Aber hier wird schon die Crux des großen Plans deutlich: PSA ist ein europäischer Autobauer, der seine Autos praktisch nur in Europa verkauft. Weltweit ist man dramatisch schwächer aufgestellt als die internationale Konkurrenz, wie eben VW, Toyota oder Hyundai.

Berechtigte Sorgen um die Jobs

Natürlich machen sich nun viele bei Opel und Vauxhall Sorgen um ihren Job. Die von GM gegebenen Standortzusagen werden von PSA zwar übernommen, sie laufen aber in absehbarer Zeit aus. Und dann werden die Karten mit Sicherheit neu gemischt. Fast 20 Werke hat der neue Konzern jetzt in Europa. Das rechnet sich für einen sogenannten Volumenhersteller nur, wenn diese Fabriken hoch effizient sind. Und auf Effizienz trimmen, das kann Carlos Tavares. Er, der 58-jährige Portugiese, hat den PSA-Konzern, der 2011 in eine tiefe Krise gerutscht war, knallhart saniert. Wie: Unter anderem durch die Streichung von 30.000 Jobs. Schon kursieren nun entsprechende Zahlen von 8000 Jobs, die an den Opel-Standorten wegfallen könnten. Bei 38.000 Mitarbeitern europaweit, davon 19.000 in Deutschland ist das vergleichsweise viel, vor allem, wenn man bedenkt, dass der PSA-Konzern trotz der Stellenstreichungen noch immer deutlich mehr Menschen in Lohn und Brot hat.

Europas Elektro-Champion?

1,7 Milliarden Euro will Tavares durch die Übernahme pro Jahr einsparen, das ist zumindest eine klare Ansage. Auch will er nicht "hineinregieren" bei Opel, die Sanierung dort solle "eigenverantwortlich" erfolgen. Er vertraue den Menschen "und ihrer Fähigkeit, sich zu verbessern". Was man halt so sagt, wenn man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen will.

Die Opelaner, sie reagieren derweil vergleichsweise gelassen auf die neuen Entwicklungen. Den Amerikanern werden sie kaum eine Träne nachweinen, nach all den aufregenden letzten Jahren. Schlechter kann es nicht mehr werden, so lautet wohl die Devise in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. Ob es in der Zukunft besser wird? Vielleicht wird der neue Konzern ja zum europäischen Champion in Sachen alternative Antriebe. So könnte es gelingen mit dem großen Plan.       

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