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Kommentar: Nur der erste Schritt

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF konnte gar nicht anders, als die Suspendierung Russlands wegen systematischen Dopings aufrechtzuerhalten, meint DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Weitere Schritte müssten nun folgen.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF erhält den

Bann gegen den russischen Verband wegen systematischen Dopings im Land

aufrecht. Alles andere wäre auch schwer vermittelbar gewesen. Die IAAF hatte Russland im vergangenen November die Tür für einen Start bei den Olympischen Sommerspielen einen Spalt breit offen gelassen. Mehr als ein halbes Jahr lang hatte das Land Zeit, seinen guten Willen im Kampf gegen Sportbetrug nachzuweisen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) übernahm die Kontrollen in Russland.

Nichts gelernt

Doch was geschah? Laut WADA wurden Kontrolleure von Geheimdienstmitarbeitern bedroht. Hunderte von Kontrollen konnten nicht durchgeführt werden, unter anderem weil sich die Sportler angeblich in militärischen Sperrgebieten aufhielten. Andere Athleten verschwiegen einfach ihre Aufenthaltsorte oder versuchten, ihre Proben zu manipulieren. Ganz so als hätten sie nichts, aber auch gar nichts aus dem größten Dopingskandal der Leichtathletik-Geschichte gelernt. Und Sportminister Witali Mutko verkündete fast im Wochen-Rhythmus dreist, wie vorbildlich Russland mit den internationalen Dopingjägern kooperiere.

Ironie: IAAF als Richter

DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler, DW Sport

Die IAAF hat nun die Reißleine gezogen. Dass ausgerechnet jener Weltverband, der selbst jahrzehntelang von korrupten Funktionären geführt wurde, nun diese überfällige Entscheidung getroffen hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich wurde das systematische Doping in Russland - und nicht nur dort - von IAAF-Mitgliedern gedeckt. Auch der neue Präsident Sebastian Coe ist nicht unumstritten. Noch am Tag, als das Council in Wien zusammentrat, um unter seiner Leitung über Russland zu entscheiden, sorgten neue Vorwürfe gegen Coe für Unruhe.

IOC muss nachziehen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird kaum umhin können, sich dem Urteil der IAAF anzuschließen. Zu erdrückend sind die Beweise für systematisches Doping in Russland. Dass man unter Umständen auch „saubere“ Top-Leichtathleten in Russland bestraft, lässt sich nicht verhindern. Ihnen bleibt der Weg zum Internationalen Sportgerichtshof CAS, um das drohende Olympia-Aus anzufechten.

Gleiches Recht für alle

Erstmals wird wahrscheinlich nun ein ganzes Sportteam einer Nation wegen Sportbetrugs von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Eine historische Entscheidung, die jedoch nur Sinn macht, wenn sie nicht die einzige bleibt. Für andere Staaten, in denen ebenfalls systematisch gedopt wird, muss schließlich gleiches Recht gelten. Fliegen nun auch Kenias Leichtathleten raus? Was ist mit Kasachstan, wo vier Olympiasieger von 2012 im Gewichtheben bei Doping-Nachkontrollen positiv getestet wurden? Was mit China, wo Dopingexperten seit Jahren systematischen Betrug wittern? Es wird spannend zu beobachten, ob IAAF und IOC wirklich den Mut haben, auch die nächsten Schritte zu gehen.

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