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Politik

Kommentar: Nafris und "Racial Profiling" - Eine ermüdende Debatte

Darf man "Nafris" sagen, wenn Nordafrikaner gemeint sind? Die Polizei hat es getan und das Kürzel intern benutzt. Wir haben wichtigere Probleme und sollten einfach mal gelassen bleiben, meint Jens Thurau.

Zunächst einmal die Fakten: Die Polizei wollte in diesem Jahr zu Silvester in Köln verhindern, dass ihr Versagen vorgeworfen werden kann. Wie zu Recht vor einem Jahr. Als sie tatenlos zusah (und zunächst überhaupt nicht wahrnahm), wie Hunderte von Jugendlichen, zumeist aus dem Norden Afrikas stammend, Frauen sexuell massiv belästigten und zum Teil auch zu vergewaltigen versuchten. Deshalb wurde die Gegend rund um den Dom diesmal in eine Festung verwandelt, mit 1700 Beamten. Und Hunderte von jungen Männern wurden überprüft, mit Platzverweisen bedacht, rund 100 von ihnen festgenommen (16 Deutsche waren darunter). Unter anderem aus Chats hatte die Polizei erfahren, dass sich die Nordafrikaner wie vor einem Jahr offenbar gezielt in Köln verabredeten. Und die Beamten haben erneute Gewalttaten verhindert.

Ein übereifriger Tweet

Und dann hat die Polizei noch vor Mitternacht diesen Tweet abgesetzt: "Am HBF werden derzeit mehrere hundert Nafris überprüft." Nafris? Nordafrikaner soll das heißen, eine interne Bezeichnung der Kölner Polizei für mögliche oder tatsächliche Straftäter, die aus Nordafrika stammen.

DW-Mitarbeiter Jens Thurau (DW/D. Engels)

DW-Korrespondent Jens Thurau

Das klingt despektierlich, und es zeugt wohl tatsächlich vom "Eifer des Gefechts", wie ein Polizeisprecher entschuldigend sagte, dass diese Bezeichnung an die Öffentlichkeit geriet. Und vielleicht auch von der großen Anspannung der Beamten, deren klarer Auftrag lautete, auch nur den Anschein zu unterbinden, dass sich eine Situation wie vor einem Jahr wiederholen könnte.

Eine ermüdende Diskussion

Die Reaktionen auf diesen Tweet sind so vorhersehbar wie ermüdend: Die Grünen finden den Ausdruck nicht akzeptabel, fragen, ob die Polizei so etwas wie "racial profiling" vorgenommen habe, also eine Überprüfung oder Kontrolle nach äußeren Merkmalen, was tatsächlich verboten ist. Die CSU verteidigt die Polizei, der Kölner Polizeipräsident weist den Vorwurf des Rassismus zurück. Auf Twitter schlägt den grünen "Gutmenschen" der ganze Hass der meinungsstarken Immer-Online-Dauergemeinde entgegen, denen noch ganz andere Bezeichnungen für "junge Männer, augenscheinlich aus Nordafrika stammend" einfallen als das doch eher harmlose "Nafris". Und was lernen wir daraus?

Einfach mal gelassen bleiben

Nicht jeder aus Nordafrika stammende junge Mann belästigt gern Frauen. Aber vor einem Jahr in Köln hatten die meisten Täter diese Herkunft, das zu bestreiten ist absurd. Also richtete die Polizei auch jetzt ihr Augenmerk auf diese Gruppe. Was denn sonst? Für den aufgeregten Tweet hat sich die Polizei entschuldigt, das ist in Ordnung. Ansonsten hat sie gute Arbeit geleistet. Also, einfach Mal gelassen bleiben.

Journalisten wie wir - glaubt ja offenbar eine breite Mehrheit - lieben nichts mehr als Konflikte und Streit. Und keine Meldung ist klein genug, um nicht doch skandalisiert zu werden. Hier kommt der Gegenvorschlag:  Wir lassen das mit den "Nafris" jetzt mal stehen und wenden uns wirklich wichtigen Meldungen zu. Wir von den "Lügis" (offizielle interne Herkunftsbezeichnung für Pressemenschen im Jahr 2017). Ende der Durchsage. 

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