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Standpunkt

Kommentar: Mythos Grexit

Es wird mal wieder eng für Griechenland, aber die Rettung des Euro-Landes ist im Wahljahr 2017 nicht wirklich gefährdet. Das rituelle Krisenszenario nutzt hingegen allen Beteiligten, meint Georg Matthes.

Andrew Lloyd Webber 65. Geburtstag Cats (picture-alliance/AP Photo)

Wäre Grexit ein Musical würde er "Cats" und Co. die Schau stehlen

Vorhang auf für die griechische Tragödie: Nach Brexit, Trump, CETA und Mordio ist ein echter Dauerbrenner zurück auf der europäischen Bühne. Wäre es ein Musical - die Griechenlandrettung würde dem "König der Löwen", "Cats" oder "Starlight Express" glatt die Show stehlen. Das Erfolgsrezept der Geschichte bleibt immer die gleiche: Wieder rückt eine Zahlungsfrist in gefährliche Nähe, wieder ist Athen im Verzug und wieder stocken die Verhandlungen um bitter nötige Reformen - fertig ist der extreme Spannung verheißende Grexit-Trailer. 

Krisen-Gerede nützt Tsipras

Alexis Tsipras kommt das gelegen. Er kann Schlagzeilen um einen möglichen Grexit für die Verhandlungen immer gut gebrauchen. Doch die vergangenen sieben Jahre Achterbahnfahrt haben gelehrt: Ja, es wird eng werden. Aber nein, die Griechenlandrettung steht nicht ernsthaft auf der Kippe. Erstens brauchen die Griechen "immer ein bisschen länger", wie der deutsche Finanzminister am Montag wieder einmal in Brüssel festgestellt hat, um dann am Ende doch beizudrehen. Zweitens glaubt doch keiner ernsthaft, dass die Regierung Tsipras nach den schmerzhaften Renten- und Gehälterkürzungen jetzt auf der Zielgeraden noch Schlapp macht - kurz vor Auszahlung der nächsten Tranche.

Georg Matthes Kommentarbild App PROVISORISCH

Georg Matthes ist Korrespondent im Studio Brüssel

Gleiches gilt im Übrigen für die Europäer: Mehr als 300 Milliarden Euro haben sie, der IWF und private Geldgeber seit 2010 bereitgestellt um Griechenland vor der Pleite zu retten. Und jetzt soll alles ins Wanken geraten, nur weil Athen neuerdings Verhandlungen in die Länge zieht, etwa über eine Liberalisierung des Arbeitsmarkts? Nein, das geschieht sicher nicht - und schon gar nicht, wenn auf anderen die Bühnen Brexit-Anhänger und US-Präsident Donald Trump auftreten, für die ein weiteres Zerwürfnis in der EU ein gefundenes Fressen wäre.

In den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland wird in diesem Jahr gewählt, und schon deshalb wird jede Grexit-Debatte im Keim erstickt. Eine Diskussion über einen Schuldenerlass für Athen wäre Wasser auf die Mühlen der Euro- und EU-Gegner. Keine wirkliche Überraschung also, dass der deutsche Finanzminister am Montag optimistisch blieb. Die Brüsseler Delegation werde bald ihre Arbeit in Athen wieder aufnehmen, so Schäuble und er behielt Recht. Noch größer war seine Zuversicht aber, dass auch der IWF künftig wieder an Bord ist.

Einigung bereits am Mittwoch?

Sollte er hier auch Recht behalten, würde das bedeuten, dass der Streit zwischen den Geldgebern über eine Schuldenerleichterung für Athen beigelegt wird. Das Treffen von IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in Berlin bietet sich geradezu an. Kommt es hier zu einer Einigung, wäre der Dauerbrenner Griechenland zumindest für 2017 von der Bühne abgesetzt. Aber Vorsicht: Das Musical "Cats" hat es auf dem Broadway immerhin auf ganze 18 Jahre Laufzeit gebracht.

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