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Kommentar: Mit Vorsatz geschludert

Der FC Bayern München hat die Chance verpasst, die deutsche Meisterschaft schon am drittletzten Bundesliga-Spieltag perfekt zu machen. Mit Ansage, meint DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Abgerechnet wird am Dienstag.

Das Wort "Enttäuschung" fiel relativ oft, als die Bayern-Spieler nach dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach befragt wurden. Schließlich hatten sie die Chance nicht genutzt, den vierten Meistertitel in Serie bereits am drittletzten Spieltag einzutüten. Und wahrscheinlich meinten die Akteure es auch ernst, dass es ihnen für die Fans leid tue, denen man gerne eine Freude bereitet hätte. Doch allzu tief dürfte der Stachel der Enttäuschung nicht sitzen. Denn dass die Bayern gegen Gladbach Punkte liegen ließen, geschah fast mit Ansage.

Durchrotiert

Bereits mit seiner Aufstellung machte Pep Guardiola klar, dass er die Priorität nicht auf sein 100. Bundesliga-Spiel als Bayern-Trainer legte, sondern auf das bevorstehende Halbfinal-Rückspiel der Champions League am Dienstag gegen Atletico Madrid. Der Spanier baute sein Team im Vergleich zum 0:1 am Mittwoch in Madrid auf acht (!) von elf Positionen um. Leistungsträger wie Philipp Lahm, David Alaba, Douglas Costa, Arturo Vidal oder Torjäger Robert Lewandowski saßen nur auf der Bank. Javi Martinez, Xabi Alonso und der leicht angeschlagene Franck Ribery standen nicht einmal im Kader.

Dann eben erst nächste Woche, oder übernächste

DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler, DW Sport

Dass die Bayern durch Thomas Müller früh in Führung gingen, traf sich natürlich gut. Und wahrscheinlich hoffte Guardiola insgeheim sogar, dass seine B-Elf den Sieg gegen die zuletzt so auswärtsschwachen Gladbacher nach Hause schaukeln würde. Die Borussia tat den Bayern diesen Gefallen nicht und holte sich durch den Treffer von André Hahn verdient einen Punkt. Das ändert natürlich nichts an der Dominanz der Bayern in der Bundesliga. Dass der Rekordmeister seinen 26. Titel auf der Zielgeraden noch verspielt, ist etwa so wahrscheinlich wie ein Streik der Bundeskanzlerin. Die Bayern werden die Meisterschaft wohl nächste Woche in Ingolstadt perfekt machen. Sollte dies wider Erwarten nicht gelingen, dann aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im letzten Spiel zu Hause gegen Absteiger Hannover.

Abgerechnet wird am Dienstag

Guardiola weiß genau, dass der dritte Meistertitel der Bayern im dritten Jahr unter seiner Leitung vorausgesetzt wird. Die eigentliche Latte, an der er gemessen wird, ist das Abschneiden in der Champions League. Reißt er diese Latte auch in diesem Jahr, wird seine Zeit bei den Bayern als "unvollendet" in die Annalen des Klubs eingehen. Deshalb hatte Guardiola das Recht, seine Priorität so zu setzen, wie er es tat, und fast schon bewusst fahrlässig die Punkte gegen Mönchengladbach davonfahren zu lassen. Dreht seine A-Mannschaft am Dienstag das Duell gegen Atletico und zieht ins Finale ein, redet garantiert niemand mehr über die verpasste Chance vom Samstag. Scheitern die Bayern jedoch, könnte die Frage auftauchen: Wäre es nicht schlauer gewesen, sich gegen Gladbach warmzuschießen für die große Aufgabe und mit dem Etappenziel "Deutsche Meisterschaft" für noch mehr Selbstvertrauen des Teams zu sorgen? Aber hinterher sind sowieso alle schlauer.

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