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Politik

Kommentar: Michelle Bachelets schwieriger Spagat

Knapp 16 Jahre nach der Militärdiktatur wurde mit Michelle Bachelet die Tochter eines Pinochet-Opfers zur ersten Präsidentin Chiles gewählt. Sie wird es nicht leicht haben, meint Emilia Rojas in ihrem Kommentar.

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Chiles neue Präsidentin

Michelle Bachelet ist keine eiserne Lady im Stil von Margaret Thatcher. Sie ist auch keine harte politische Kämpferin in der Art von Angela Merkel, die viele Rivalen auf dem Weg ins Amt überholt hat. Sie ist aber eine patente Frau, die ohne Allüren schwere Prüfungen im privaten wie im politischen Leben erfolgreich bestanden hat - sei es als Jugendliche, die ins Exil musste oder später als Verteidigungsministerin, die sich den Respekt der Generäle verschaffte.

Die unbezahlte Schuld

Leicht wird sie es aber nicht haben in den vier Jahren ihres Mandats, das sie offiziell am 11. März antreten wird. Und das nicht, weil sie eine Frau ist. Trotz aller Klischees vom lateinamerikanischem "Machismo" haben die chilenischen Bürgerinnen schon längst so viele Bereiche des politischen und wirtschaftlichen Geschehens erobert wie in Deutschland - oder so wenige. Die Herausforderung für die frisch gewählte Präsidentin liegt in der Überwindung der tiefen sozialen Kluft, die noch immer Chiles Erfolgsgeschichte trübt.

Ausgeträumt ist für viele Chilenen der Traum einer besseren Zukunft, den sie mit Bachelets Mitte-Links-Allianz verbunden hatten. In drei Regierungen hintereinander hat die "Concertación por la Democracia" ihre Versprechungen von sozialer Gerechtigkeit nicht einhalten können. Sicherlich wurde in den vergangenen Jahren einiges getan: Zum Beispiel wurden Gesundheitsprogramme ausgebaut und eine Arbeitslosenversicherung ansatzweise eingeführt. Aber trotz beachtlicher Wirtschaftswachstumsraten - sechs Prozent im vergangenen Jahr - leben immer noch 20 Prozent der Bevölkerung in Armut. Und die Verteilung des Reichtums ist einer der unfairsten der Welt: Laut Weltbank rangierte Chile 2005 an zehnter Stelle dieses negativen Rankings.

Links ist nicht gleich Links

Bachelet hat während ihres Wahlkampfs stets behauptet, dass sie die Kontinuität und den Wechsel gleichzeitig verkörpert - ein schwieriger Spagat. Und sie läuft Gefahr, es nur beim ersten zu belassen. Ihre Regierung will das liberale Wirtschaftssystem nicht grundlegend verändern. Sozialismus bedeutet im heutigen Chile keineswegs revolutionäre Absichten oder herausfordernde Parolen, wie die von Hugo Chávez in Venezuela oder Evo Morales in Bolivien. Wie der scheidende Präsident Ricardo Lagos, will Michelle Bachelet weiterhin eine gemäßigte Position in der Außenpolitik beziehen, Handelsabkommen favorisieren und ein gutes Klima für Auslandsinvestitionen fördern.

In der Wirtschaftspolitik wird sie wohl die guten Beziehungen ihres Vorgängers mit den Unternehmern pflegen. Dafür werden auch die geerbten Beraterteams sorgen. Aber das alleine reicht nicht, um eine erfolgreiche Präsidentin zu werden. Auch nicht die moralische Genugtuung, die viele Opfer der Diktatur mit ihrer Wahl sicherlich empfinden. Die politische Landschaft ändert sich allmählich in Chile. Die "Concertación" beginnt zu bröckeln, wie die Stimmen, die der jetzt unterlegene Kandidat, Sebastián Piñera, an ihrem rechten Rand abfangen konnte, zeigen. Bachelet wird versuchen müssen die Allianz zusammenzuhalten. Wenn es ihr nicht gelingt, wird sie nicht nur die erste Präsidentin Chiles sein - sondern auch die letzte aus den Reihen der Koalition, die vor 16 Jahre Pinochets Kräfte von der Macht verdrängte.

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