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Politik

Bachelet siegt in Chile

Die Sozialistin Michelle Bachelet hat die Stichwahl gewonnen und wird damit erste Präsidentin eines südamerikanischen Staates. Die 54-Jährige kündigte eine Fortsetzung der marktorientierten Politik der Regierung an.

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Unterstützer feiern die neue Präsidentin

Zugleich versprach sie, in ihrer Amtszeit bis 2010 das soziale Sicherheitssystem im südamerikanischen Wirtschafts-Musterland zu festigen. Bei der zweiten Runde der Präsidentenwahlen am Sonntag (15.1.2006) erhielt die 54-jährige frühere Kinderärztin nach Auszählung fast aller Stimmzettel rund 53,5 Prozent. Ihr konservativer Rivale Sebastián Piñera, einer der reichsten Unternehmer Chiles, kam nach Behördenangaben auf rund 46,5 Prozent. Die Nachfolgerin von Ricardo Lagos ist auch die erste gewählte Präsidentin Südamerikas.

"Ein Sieg Chiles"

In ihrer ersten Rede nach dem Wahlsieg sagte Bachelet, sie wolle mit "neuen Gesichtern" und mit ebenso vielen Frauen wie Männern im Kabinett regieren. Der Wahlausgang sei "ein Sieg Chiles". Sichtlich gerührt sagte sie vor Tausenden jubelnder Menschen vor einem Hotel in Santiago, Chile werde "wieder einmal die Welt beeindrucken". Es könne reicher werden, "ohne die Seele zu verlieren, ohne die Luft, die wir atmen, oder das Wasser, das wir trinken, zu verschmutzen".

Bachelets Mitte-Links-Bündnis "Übereinkunft für die Demokratie" regiert im Andenland seit Ende der Diktatur von General Augusto Pinochet. Die spätere Gesundheits- und Verteidigungs-Ministerin lebte während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) in der DDR.

Amtsantritt am 11. März

Das chilenische Fernsehen übertrug am Sonntagabend (Ortszeit) live ein Telefongespräch zwischen Bachelet und dem scheidenden Präsidenten Lagos. "Das ist ein Sieg aller Chilenen", sagte dabei die künftige Präsidentin, die den friedlichen Verlauf des Urnengangs würdigte. Lagos sprach von einem "großen Tag für Chile". "Mit Dir wird Chile eine große Regierung und eine große Frau haben", sagte Lagos. Bachelet wird ihre vierjährige Amtszeit am 11. März antreten.

Der konservative Oppositionskandidat Piñera, Medienmogul und mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde Euro einer der reichsten Männer Chiles, räumte seine Niederlage ein. "Ich beglückwünsche Frau Bachelet zum Wahlsieg", sagte der 56-jährige Piñera vor Parteifreunden und Anhängern. Er wünschte Bachelet alles Gute.

Sekt nach den ersten Teilergebnissen

Anhänger von Bachelets Mitte-Links-Bündnis waren schon nach ersten Teilergebnissen mit Sekt auf die Straßen gegangen, um den Sieg zu feiern. Nach Polizeischätzung versammelten sich allein auf der Hauptstraße Paseo Alameda in Santiago eine halbe Million Menschen.

Bachelet strebt in Chile eine gerechtere Einkommensverteilung an. In ihrer Mitte-Links-Koalition, die seit 15 Jahren regiert, gilt sie als "Linksaußen". Im ersten Wahlgang Mitte Dezember hatte sie mit 46 Prozent etwa 20 Prozentpunkte vor Piñera gelegen, die erforderliche absolute Mehrheit aber verfehlt. Der Urnengang verlief in den knapp 33.000 Wahllokalen ohne nennenswerte Zwischenfälle. Rund 8,2 Millionen Stimmberechtigte waren zu den Urnen gerufen. Die beiden Kandidaten hatten bereits am frühen Morgen ihre Stimme abgegeben. 20.000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz. (kap)

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