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Afrika

Kommentar: Mali braucht Soldaten und politische Hilfe

Frankreich hatte kaum eine andere Wahl als jetzt militärisch in Mali einzugreifen. Doch die Region braucht mehr als nur Soldaten, meint Thomas Mösch.

Angesichts des langen Zögerns von Westafrikanern und Europäern, den weiteren Verfall Malis zu stoppen, überrascht es nicht, dass die Dschihadisten dreist den Vorstoß Richtung Süden versuchten. Er könnte sich aber zugleich als ihre größte Dummheit erweisen. Denn nun beeilen sich plötzlich alle, Franzosen und Maliern zu helfen. Kritiker geben zu bedenken, dass eine längere Wartezeit für Verhandlungen mit den Rebellen genutzt werden könnte. Auch die deutsche Regierung hatte sich bisher hinter diese Position zurückgezogen. Im September steht die Bundestagswahl an. Es wäre doch praktisch gewesen, wenn Berlin nicht vorher noch über ein Engagement hätte entscheiden müssen, das über die Entsendung von ein paar Dutzend Militärberatern hinausgeht.

Thomas Mösch, Leiter der DW-Afrika-Redaktion Foto: Per Henriksen (DW)

Thomas Mösch, Leiter der DW-Afrika-Redaktion

Verhandeln ist gut - aber mit wem? Das war schon in den vergangenen Wochen die Frage, die niemand überzeugend beantworten konnte. Die Tuareg, die nur an einem besseren Leben und mehr Selbstbestimmung interessiert sind, wären wohl zu Verhandlungen bereit. Aber sie haben im Norden Malis nichts mehr zu melden.

Mit Islamisten kann man nicht verhandeln

Die Islamisten andererseits haben Interessen, über die die Regierung in Bamako kaum verhandeln kann: Die extrem strikte Auslegung des islamischen Rechts, wie sie die Dschihadisten praktizieren, hat auch im Norden Malis keine Anhänger. Die Menschen dort empfinden die Rebellen als Besatzer und Unterdrücker. Außerdem bemänteln diese mit ihren religiösen Argumenten nur ihre wirtschaftlichen Interessen an Schmuggel und Drogenhandel. Hier geht es um Kriminalität und Terror - darüber kann man nicht verhandeln.

Kritiker des Militäreinsatzes - wie die Organisation Islamischer Staaten - müssen sich fragen lassen, was sie denn in den vergangenen Monaten unternommen haben, um den Schaden zu begrenzen, den die Rebellen mit ihrem Radikalismus der muslimischen Gemeinschaft insgesamt zugefügt haben.

Aber muss es gerade die ehemalige Kolonialmacht Frankreich sein? Sicher, Paris wurde in den vergangenen Jahren zu Recht immer wieder dafür kritisiert, dass es weiter selbstherrlich in Afrika Politik macht. Aber die Hilfe für Malis Armee und Regierung ist seit Monaten international beschlossen. Noch am Donnerstag (10.01.2013) hat der UN-Sicherheitsrat die Mitglieder der Vereinten Nationen aufgefordert, der malischen Armee zu helfen. Und Frankreich ist derzeit die einzige Macht, die diese Hilfe schnell leisten konnte und wollte.

Mali braucht Unterstützung

Die Westafrikaner haben seit Monaten deutlich gemacht, dass sie allein die Last nicht tragen können, nicht militärisch und schon gar nicht finanziell. Europäer und Amerikaner sollten außerdem nicht vergessen, dass es die von ihnen unterstützte Revolution in Libyen war, die den malischen Staat in diese Lage gebracht hat. Ohne die Kämpfer und die Waffen aus Libyen hätten Tuareg und Islamisten den Norden des Landes wohl kaum erobern können.

Doch Mali braucht mehr als Soldaten und militärisches Gerät. Afrikaner und Europäer müssen helfen, die Demokratie so schnell wie möglich wieder herzustellen. Dazu gehört auch, die Nöte der Tuareg ernst zu nehmen und sie in das politische und wirtschaftliche System des Landes einzubinden. Deutschland kann und sollte hier eine wichtige Rolle übernehmen, denn es hat Erfahrung mit der Konfliktlösung im Norden Malis.

Auch die Nachbarländer Malis brauchen dringend eine langfristig wirkende Strategie der Armutsbekämpfung. Denn es hilft niemandem, wenn die islamistischen Kämpfer lediglich nach Mauretanien oder in den Niger abgedrängt werden.

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