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Kommentare

Kommentar: Maduro ist nicht mehr zu helfen

Wenn schon Pepe Mujica, der bekannte lateinamerikanische Sozialist, Nicolás Maduro als verrückt bezeichnet, dann ist dieser ein Problem. Und gewiss nicht die Lösung der Krise Venezuelas, meint Jan D. Walter.

Politiker fallen im Allgemeinen nicht durch übermäßige Selbstzweifel auf. Doch bei Venezuelas Präsident Nicolás Maduro liegt der Fall anders: Sein Land versinkt im Chaos, doch Maduro blendet jeglichen Kausalzusammenhang zwischen der Krise und 16 Jahren Chavismus kategorisch aus.

Leidet Maduro einfach an der unter Despoten verbreiteten Machtverliebtheit? Dagegen spricht die frappierend naive Inbrunst, mit der er zum Kampf für die "Bolivarische Revolution" aufruft. Das ist kein kalkuliertes Schauspiel. Dieser Mann glaubt so fest an den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", dass es ihm wohl wie ein Verrat an sich selbst und seinen Idealen erschiene, wenn er nun plötzlich Lösungen außerhalb dieser Ideologie suchen würde.

Das ist tragisch für ihn und sein Land, macht sein Verhalten aber irgendwie erklärbar. Denn mit Staatsräson hat das wenig zu tun, vielmehr weist Maduros Unfähigkeit zur Selbstreflexion pathologische Züge auf.

Der Befund

Das erdölreichste Land der Erde muss Benzin importieren. Als einziges Land Südamerikas importiert Venezuela mehr Lebensmittel als es exportiert - in US-Dollars gemessen 100 Mal mehr. Das ging schon nicht richtig gut, als der hohe Ölpreis noch die Regierungskasse mit Petrodollars flutete. Seit zwei Jahren verarmt das Land in atemberaubendem Tempo. Inflation, Mangel und Gewalt grassieren.

Schuld an der Misere sind laut Maduro ausschließlich andere - vor allem die venezolanische "Bourgeoisie" und die "nordamerikanischen Imperialisten". Jüngst unterstellte er diesen, eine Invasion in Venezuela zu planen - als hätten die USA keine anderen Sorgen.

Dass es Individuen sind, die ihr Geschäft schließen, bevor sie pleite gehen, und ihr Geld lieber dort anlegen, wo Eigentum respektiert wird - das passt nicht in Maduros kollektivistisches Weltbild. Dabei könnte er am Nepotismus in seinem Umfeld ablesen, dass sich auch jeder Genosse selbst der nächste ist.

Die Diagnose

Realitätsverlust und Verfolgungswahn - das sind Symptome von Paranoia. Wenn er wirklich - wie er behauptet - manchmal die Stimme des verstorbenen Hugo Chávez hört, wäre das ein Anzeichen für eine handfeste Schizophrenie. In dieses Krankheitsbild würde auch Maduros offensichtliche Schwäche passen, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und auszudrücken - aber das hat wohl andere Gründe.

DW-Redakteur Jan D. Walter Kommentarbild App PROVISORISCH

DW- Autor Jan D. Walter

Maduros Unvermögen, Kritik einzuordnen, und seine Tiraden gegen jeden, der sie äußert, haben infantile Züge. Kindisch wirkt auch die Idealisierung seines politischen Ziehvaters Hugo Chávez. Sogar die Glorifizierung des historischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar sieht bei Maduro - anders als beim eiskalten Parteivize Diosdado Cabello - nicht nach politischem Kalkül aus. Wenn es tatsächlich so ist, wie Maduro vorgibt, und er die manifeste Korruption in Venezuela nicht in Zusammenhang mit sich selbst und anderen Mitgliedern seiner Partei bringt, könnte man fast zur Diagnose "Persönlichkeitsstörung" kommen.

Am Ende ist Maduro aber wohl einfach nur ein Meister der Reduktion kognitiver Dissonanz: Er ist sich sicher, dass die "Bolivarische Revolution" der einzige Ausweg aus dem Unrecht der Armut ist. Und doch geht es den Menschen mit ihr inzwischen schlechter als ohne sie. Seine Auflösung dieser widersprüchlichen Erkenntnis: Schuld sind die anderen.

Die Therapie

Angesichts der Tragweite von Maduros Verhalten ist es letztlich sekundär, ob der Präsident gesund oder wirklich krank ist. Es geht um das Schicksal von 30 Millionen Menschen. Klar ist, dass in Maduros gesamter Präsidentschaft kein noch so kleiner Funken aufgeblitzt ist, der Hoffnung auf einen Ausweg aus der Abwärtsspirale macht. Und auch jetzt fehlt jedes Anzeichen dafür. Eine Heilung des Landes unter Maduro ist also ausgeschlossen.

Das Einzige, was Venezuela derzeit Hoffnung machen kann, ist dies: Inzwischen weiß das ganze Volk, wie es um seinen Präsidenten steht.

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