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Europa

Kommentar: Labours ungewisse Zukunft

Abschied nehmen ist schwer - und ein neuer Anfang auch. Tony Blair, der erfolgreichste Parteichef in der Geschichte von Labour, wird im nächsten Sommer sein Amt aufgeben. Und dann?

Die Abschiedsrede von Tony Blair auf dem Labour-Parteitag in Manchester zeigt, dass der begabteste Redner seiner Generation nicht einfach zu ersetzen ist. Zu Recht bezeichneten die führenden Zeitungen des Landes seine Rede vom Dienstag (26.9.) als historisch, als eine politische Meisterleistung, die seine Erfolge zelebrierte und seine Fehler, wie sein Eintreten für den Irakkrieg, vergessen ließ. Die Delegierten quittierten die Rede mit stehenden Ovationen, die sieben Minuten dauerten.

Nach dem Auftritt des Premiers werden sich nicht nur Labour-Delegierte sondern auch die Öffentlichkeit fragen, warum die Partei den Erfolgsgaranten Blair vor wenigen Wochen zum Amtsverzicht gezwungen hat.

Sicher lastet der Irakkrieg schwer auf der Popularität der Partei. Die Nähe zu Washington ist für die Öffentlichkeit inzwischen ein großes Problem - viele Abgeordnete fürchteten um ihre Mandate bei den nächsten Unterhauswahlen 2009 - doch die Nachfolge-Diskussion hat sich inzwischen als sehr schädlich erwiesen.

Chance verpasst

Mit Blairs langjährigem politischem Weggefährten Gordon Brown schien der Nachfolger seit Jahren festzustehen. Nur: Brown hat die Chance, sich als unumstrittener Nachfolger darzustellen, verpasst. Seit Jahren präsentiert sich Brown als Gegengewicht zu Blair in der Partei: Als Politiker, der die alten Werte der Partei schätzt, und der mit Bedenken den Reform-Eifer von "New Labour" und Blairs Unterstützern betrachtet, der aber bisher immer recht vage geblieben ist.

Viele erhofften sich mehr Klarheit von Browns Rede auf dem Parteitag - und wurden enttäuscht. Hier und da gab es Hinweise: Großbritannien könnte eine schriftliche Verfassung gebrauchen, vielleicht sollte London mehr Macht an die Regionen übertragen, mehr Maßnahmen gegen die Erwärmung des Klimas ergreifen. Zu Europa kein Wort. Damit erhärtet sich der Verdacht bei den Partei-Linken, dass Brown - wenn er gewählt wird - auf Kontinuität setzt: Im Klartext hieße dies die Fortsetzung der Reformpolitik Blairs, die für viele Kritiker wenig mit den Ansprüchen der Partei auf soziale Gerechtigkeit zu tun haben. Da könne man ja gleich konservativ wählen, sagen sie.

Rivalen gehen in Stellung

Vor diesem Hintergrund spielten einige Kabinettsmitglieder offen mit dem Gedanken an ein Kandidatur gegen Brown. Die Rivalen schmieden Pläne für die Ära nach Blair, denken sich neue Bündnisse aus. Nur: Blair ist noch lang nicht weg. In dieser Gemengelage gingen einigen Labour-Politikern die Nerven durch. Langjährige Parteifreunde Blairs stellten in Manchester Browns Bewerbung in Frage. Ein Journalist will gehört haben, wie Blairs Ehefrau Cherie Gordon Brown als Lügner beschimpfte. Die streitbare Lady zweifelt seit langem an der Loyalität ihres Nachbarn in Downing Street 11.

Noch kann Brown das Treiben gelassen beobachten. Sein großer Auftritt kommt auf dem nächsten Parteitag. Bis dahin hat er Zeit, seine Vision zu entwickeln, seine Ideen für die Partei transparent zu machen und seine Anhänger um sich zu scharen. In einem Jahr wird abgerechnet.

David Cameron, der junge Chef der Konservativen, wird sich auf den Auftritt von Labour gefreut haben. Gegen den 55-jährigen Brown, der das Charisma eines Blairs vermissen lässt, kann er sich Chancen ausrechnen, vor allem wenn Labour weiter um die Nachfolge streitet.

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