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Europa

Tony Blairs letzter Parteitag

Der mit Spannung erwartete Labour-Parteitag hat begonnen - der letzte für Partei-Chef Blair. Sein wahrscheinlicher Nachfolger Brown muss beim Kongress erst noch Profil gewinnen und die Partei aus dem Umfragetief führen.

Tony Blair

Der Labour-Chef eröffnete den Parteitag mit einem Lächeln

Premierminister und Parteivorsitzender Tony Blair hatte nach massivem innerparteilichem Druck Anfang September angekündigt, binnen Jahresfrist von seinen Ämtern zurückzutreten. Als sozialdemokratischer Shootingstar hatte er seine Partei 1997 zum erdrutschartigen Sieg über die Konservativen geführt. Nun steckt Labour in der Krise: Seit dem Schulterschluss mit den USA im Krieg gegen den Terror sind die Umfragewerte stark abgerutscht. Die konservativen Tories liegen beständig vorn. Die Mitgliedszahlen der Labour-Partei haben sich in den vergangenen zehn Jahren auf 200.000 halbiert.

Blair verteidigt Irak-Krieg

Im Vorfeld des Parteitags hatten in Manchester zehntausende Menschen gegen Blairs Nahost-Politik demonstriert. Unter dem Motto "Time to Go" forderten sie den Abzug der britischen Truppen aus dem Irak und aus Afghanistan.

Blair hat seine Entscheidung zur Beteiligung an den von den USA geführten Kriegen im Irak und in Afghanistan am Sonntag (24.9.2006) verteidigt. Auf einer Abendveranstaltung der Zeitung "Manchester Evening News" erklärte er am Rande des Labour-Parteitags auf Vorwürfe, er sei für Kriegsverbrechen verantwortlich, der Sturz des irakischen Herrschers Saddam Hussein und der Taliban in Afghanistan sei etwas, "auf das ich stolz bin".

Nachfolger Brown?

Gordon Brown gilt als langweilig

Gordon Brown gilt als langweilig

Hauptthema in Manchester ist der Führungswechsel. Als wahrscheinlicher Nachfolger Blairs gilt der langjährige Finanzminister Gordon Brown. Und das schon seit zehn Jahren. Brown hat jedoch ein Image-Problem. "Nachdem er so lange wie ein grauer Finanzier aussah, muss er nun zeigen, dass in ihm ein schillernder Politiker steckt", sagte Professor Patrick Dunleavy von der London School of Economics and Political Sience (LSE). Wenn Brown die Nummer 10 Downing Street übernehmen will, muss er sich in seiner Rede am Montag (25.9.) als charismatischer Parteiführer zeigen.

Brown wird als geschickter Schatzkanzler geschätzt, der sich trotz sozialdemokratischer Überzeugungen auch am Vorbild der konservativen Thatcher-Ära orientiert. Damit trug er zum Aufschwung Großbritanniens bei. Doch vielen gilt Brown als Zahlen-Langweiler. Von ihm war kaum etwas zu hören in Fragen, die das Land bewegten: der Irak-Krieg, der Kampf gegen den Terrorismus und Blairs Treue zum US-Präsidenten.

Ein neues Image muss her

Das Siegerlächeln muss Brown noch lernen

Das Siegerlächeln muss Brown noch lernen

"Wenn Brown Siegerprofil gewinnen will, muss er aufhören, in diesen Fragen schweigsam wie eine Buddha-Figur zu sein", sagt der LSE-Außenpolitik-Experte Michael Cox. Einen Anfang machte der Schatzkanzler am Sonntag (24.9.), als er in einem BBC-Interview einen Ausblick auf die Rede gab und dabei eine außenpolitische Neuorientierung andeutete: "In den kommenden Jahren müssen wir neue Wege einschlagen und im Kampf gegen den Terrorismus die militärischen, sicherheitstechnischen und polizeilichen Maßnahmen eng mit einem Kampf der Ideen verbinden."

Blair überrundet Brown

In einer am Montag vom "Daily Telegraph" veröffentlichten Umfrage überrundete Tony Blair Gordon Brown. 32 Prozent der 1734 Befragten sähen lieber einen Verbleib Blairs im Amt als das Nachrücken Browns, nur 27 Prozent votierten für den Wachwechsel. Im Februar hatten sich noch 31 Prozent für Brown und 30 Prozent für Blair ausgesprochen. 44 Prozent der Befragten - und damit elf Prozentpunkte mehr als vor sieben Monaten - vertraten zudem die Ansicht, der Finanzminister wäre kein guter Regierungschef.

Konkurrenz aus konservativen Reihen

Die Profilierung gegenüber Blair allein wird nicht genügen. Sollte Brown den Labour-Vorsitz übernehmen, muss er sich am Oppositionsführer David Cameron messen lassen. Der 39-jährige neue Vorsitzende der konservativen Partei kletterte innerhalb weniger Monate auf der Popularitätsskala nicht nur deutlich höher als Blair, sondern auch als Brown. (sams)

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