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Standpunkt

Kommentar: Läutet Angela Merkel die Zeitenwende im Bierzelt ein?

Für die deutsche Bundeskanzlerin sind die Zeiten vorbei, "in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten". Manche wähnen das transatlantische Verhältnis am Ende. Doch Dagmar Engel schaut nochmal genauer hin.

Angela Merkel, die mächtigste Regierungschefin der Welt, hat selten so eine Welle auf der anderen Seite des Atlantiks erzeugt: Ihre Worte werden heiß diskutiert, sogar von einer historischen Zeitenwende im Verhältnis zwischen Deutschland und den USA wird gesprochen. Die Heftigkeit der Reaktion dürfte die deutsche Bundeskanzlerin überrascht haben, hat sie doch schließlich nichts anderes getan, als das Offensichtliche festzustellen: Welche Eigenschaften man auch immer Donald Trump, dem amerikanischen Präsidenten, zuschreiben möchte - Verlässlichkeit gehört sicher nicht dazu.

Es ist Wahlkampf

Um genau zu sein, war es auch nicht, oder nicht nur, die Bundeskanzlerin, die da sprach: Es war vor allem die CDU-Vorsitzende, die einen Wahlkampfauftritt absolviert hat. Die Kanzlerin brachte den Frust des G7-Gipfels vom Wochenende mit, die Parteivorsitzende das Wissen darum, dass Kritik an den USA und vor allem an Trump bei Wählerinnen und Wählern in Deutschland bestens ankommt. Der Hauptgegner im Wahlkampf, die Sozialdemokraten, spielen diese Karte schon länger. Und beide haben Europa wieder entdeckt.

Kommentarbild Kommentatorenfoto Dagmar Engel

Dagmar Engel leitet das Hauptstadtstudio der DW

Die Entdeckung Europas

Trump und Brexit - die Schockwellen, die die US-amerikanischen und die britischen Entscheidungen auslösten, haben Europa, haben die Bürgerinnen und Bürger Europas aufgeweckt. Mit einer pro-europäischen Haltung lassen sich sogar Wahlen gegen Populisten gewinnen - das hat Emmanuel Macron in Frankreich gezeigt. Die Chancen, die Europäische Union zu stärken, ihre Geschichte weiterzuschreiben, waren lange nicht mehr so groß wie im Moment. Und eine einige EU ist ein Player, mit dem weltweit gerechnet werden muss.

Die Apokalypse fällt vorerst aus

Trotzdem bedeutet das keine Abkehr Angela Merkels von den USA. So unzufrieden mit der Klimapolitik des amerikanischen Präsidenten kann sie gar nicht sein, als dass sie ihre prinzipielle Verbundenheit mit den USA, die sich auch aus ihrer persönlichen Geschichte als DDR-Bürgerin ergibt, aufkündigte. Die Apokalypse ist nicht da. Sie wird auch nicht in sechs Wochen kommen, beim G20-Gipfel in Hamburg. Es sind jetzt alle darauf vorbereitet, dass "die Zeiten ein Stück vorbei sind", in denen man sich auf andere verlassen kann, sprich: dass der G20-Gipfel möglicherweise nun ebenfalls kein gigantischer Erfolg wird.

Also: Immer mit der Ruhe. Und wer noch eine Zusicherung braucht: Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin würde eine wirkliche Zeitenwende sicher nicht bei einer Wahlkampfveranstaltung der Schwesterpartei CSU im Bierzelt verkünden. Dafür hat diese Regierungschefin einfach zuviel Stil.

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