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Afrika

Kommentar: Kopfgeld gegen Terroristen in Westafrika

Das US-Außenministerium hat hohe Kopfgelder auf mehrere Terroristen-Führer in Westafrika ausgesetzt. Eine eher kontraproduktive Aktion, meint Thomas Mösch.

Insgesamt 23 Millionen Dollar als Kopfgeld für Hinweise, die zur Festnahme terroristischer Führer in Westafrika führen. Die USA wollen der Welt damit wohl vor allem zwei Dinge mitteilen: Erstens - wir haben erkannt, dass die Terrorgruppen dort eine internationale Gefahr darstellen. Zweitens - wir sind entschlossen, die Führer dieser Terrorgruppen zu jagen, bis sie gefasst sind.

Thomas Mösch, Haussa-Redaktion, Deutsche Welle (Foto: DW/Per Henriksen)

Thomas Mösch, Haussa-Redaktion

Die große Gefahr ist allerdings, dass in Westafrika ganz andere Botschaften ankommen. Und das liegt auch an den USA selbst. Erst am 23. Mai hat Präsident Barack Obama in einer Rede den "Krieg gegen den Terror" für beendet erklärt und gesagt, die Antwort auf den Terror könne nicht allein aus militärischen Mitteln bestehen. Mit dieser Aussage hat er die Hoffnung geweckt, die Vereinigten Staaten würden nun vor allem an der ideologischen Front kämpfen. Obama kündigte erneut an, das Gefangenenlager Guantanamo zu schließen. Und er äußerte Skepsis gegenüber den Einsätzen von Drohnen zum Töten vermeintlicher Terroristen in Pakistan.

Kopfgeld als unerwünschte Einmischung

Viele Afrikaner, insbesondere Muslime in Westafrika, werden nun allerdings den Eindruck haben, dass hier erneut Worte und Taten stark auseinanderklaffen. Nehmen wir als Beispiel Nigeria. Auf den Führer der Terrorgruppe "Boko Haram", Abubakar Shekau, hat das US-Außenministerium mit sieben Millionen Dollar die höchste Summe unter den insgesamt fünf genannten Männern ausgesetzt. Die ersten Reaktionen aus dem Norden Nigerias, wo "Boko Haram" hauptsächlich aktiv ist, zeigen, dass viele dort das Signal aus Washington als eine Einmischung in die inneren Angelegenheit des Landes sehen. Die Amerikaner sind unter den Muslimen Nordnigerias ohnehin verhasst. Das Kopfgeld dürfte hier also eher kontraproduktiv wirken.

Ohrfeige für Nigerias Regierung

Gleichzeitig ist das Kopfgeld eine Ohrfeige für die Regierung in Nigerias Hauptstadt Abuja. Seit einigen Wochen versucht Präsident Goodluck Jonathan mit einer breit angelegten Militäroffensive gegen "Boko Haram" wieder Herr der Lage zu werden.

Es scheint ihm bisher sogar gelungen zu sein, die Soldaten von allzu heftigen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung abzuhalten. Es gibt zwar Berichte über zivile Opfer, aber die scheinen weit geringer zu sein als befürchtet. Trotzdem sieht die Bevölkerung die Militäraktion mit großer Skepsis, zumal sie mit Ausgangssperren und dem Kappen der Mobilfunk-Verbindungen einhergeht. Gleichzeitig versuchen einige hochrangige Nordnigerianer im Auftrag des Präsidenten zu verhandeln: Sie sollen Chancen für eine Amnestie der "Boko-Haram"-Kämpfer ausloten.

Ausgerechnet in dieser labilen Situation setzt Washington ein Signal, dass man nur als Beweis des Misstrauens gegenüber Abuja verstehen kann: "Seht her, die schaffen es nicht alleine!" - das ist die Botschaft, die bei vielen Nigerianern ankommt.

Und wenn Präsident Jonathan nun Zustimmung zum Kopfgeld aus Amerika signalisiert, so fragt man sich, warum er es dann nicht selbst auf den Tisch gelegt hat. Eine kleine Sammlung unter den zahlreichen korrupten Politikern in seinem Umfeld hätte diese Summe schnell zusammen bringen können, sogar ohne die offizielle Staatskasse zu belasten.

Den Kampf um die Köpfe führen

Wenn Obama es ernst meint, mit seiner Absage an den "Krieg" gegen den Terror, dann könnte er den Kampf gegen die Terroristen auf andere Weise viel besser fördern. Er bräuchte nur seine Hausaufgaben machen, von denen er einige sogar selbst benannt hat: das menschenrechtswidrige Sondergefängnis Guantanamo schließen, die exzessiven Drohnen-Angriffe in Pakistan mit ihren zahlreichen unschuldigen Opfern beenden und endlich im Nahen Osten eine Politik umsetzen, die auch den Interessen der Palästinenser gerecht wird. Es sind diese internationalen Themen, mit denen die Extremisten ihren Hass auf Amerika begründen.

Thomas Mösch leitet das Haussa-Programm der Deutschen Welle, das vor allem in Nigeria und Niger gehört wird.

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