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Kommentare

Kommentar: Kein Grund zur Entwarnung

Mit Ted Cruz hat ein erzkonservativer evangelikaler Hardliner die erste Vorwahl der Republikaner in Iowa gewonnen. Das sollte über der Freude am Fehlstart von Donald Trump nicht vergessen werden, meint Ines Pohl.

Das sind keine gute Nachrichten, jedenfalls was das Ergebnis bei den Republikanern betrifft. Aus mindestens zwei Gründen. Zum einen hat ein Mann, der ohne Scham Frauen beleidigt, Muslime unter Generalverdacht stellt und am liebsten eine hohe Mauer an der Grenze zu Mexiko hochziehen würde, gut 24 Prozent der republikanischen Stimmen bekommen. Viele mögen erleichtert sein, dass er diese wichtigen Vorwahlen in Iowa nicht gewonnen hat.

Aber Vorsicht. Donald Trump ist es mit seiner rassistischen und mithin menschenverachtenden Rhetorik gelungen, den zweiten Platz im Rennen um die Nominierung zum Präsidentschaftsanwärter der Republikaner zu gewinnen. Darüber darf man schon besorgt sein.

Es ist viel geschrieben worden, dass es in Iowa vor allem um Erwartungen gehe. Und dass entsprechend die Favoriten Hillary Clinton und eben Donald Trump am meisten zu verlieren hätten. Stimmt. In all den Analysen und Titelgeschichten zum Thema Erwartungsmanagement ist allerdings oft zu kurz gekommen, mit welchem Programm die anderen Kandidaten angetreten sind, um den kleinen, evangelikalen Staat zu gewinnen.

Und das ist die zweite schlechte Nachricht. Ted Cruz ist ein echter evangelikaler Hardliner, der sich klar gegen die Gleichberechtigung von Minderheiten wie Homosexuelle oder Muslime ausspricht, gegen das Recht auf Abtreibung, der den Iran- Deal rückgängig machen und Obamacare abschaffen will. Noch am Tag des Caucus verkündete er in einer kleinen Turnhalle unter donnerndem Applaus, dass er als Präsident umgehend Jerusalem zu rechtmäßigen Hauptstadt Israels erklären würde. Ein bemerkenswertes Verständnis von Nahostpolitik.

Er bekam fast 28 Prozent der republikanischen Stimmen. Ted Cruz, das darf man sagen, ist erzkonservativ bis reaktionär. Bei Donald Trump, dem ungehobelten Flegel, besteht immerhin die Hoffnung, dass sein bloßer Geschäftssinn ihn vom gröbstem Unfug abhalten würde, wenn er erst einmal in die Verantwortung gewählt wird. Es ist bezeichnend für das Feld der republikanischen Kandidaten, sogar bei Donald Trump noch nach etwas Positivem zu suchen.

Pohl Ines

DW-Korrespondentin Ines Pohl

Sanders Erfolg wird Debattenkultur prägen

Und bei den Demokraten? Bernie Sanders hat es tatsächlich geschafft, Hillary Clinton und ihre generalstabsmäßig geplante "Operation Iowa" in arge Bedrängnis zu bringen. Auch wenn die Favoritin am Ende hauchdünn gewann: Bernie Sanders und seine Anhängerschaft feierten die fast 50 Prozent der Stimmen in der Halle eines Flughafenhotels wie einen klaren Sieg. Als der Held der jungen Wilden und ergrauten Ex-Revolutionäre den Saal betrat, tobte die Bude.

Dennoch - und das ist die gute Nachricht aus Iowa: Niemand bis auf Sanders berauschte Anhänger glaubt wirklich daran, dass der selbsternannte demokratische Sozialist schließlich eine Mehrheit im ganzen Land und damit die Nominierung der Demokraten gewinnen könnte. Dazu sind seine Ideen zu realitätsfern, seine politischen Konzepte zu wenig ausgefeilt und ist seine Agenda zu schmal. Außenpolitisch hat er Hillary Clinton gar nichts entgegenzusetzen. Das wurde bei den Debatten immer wieder klar.

Aber Sanders mit seinen Graswurzelunterstützern ist die Gegenstimme, die Hillary Clinton jetzt braucht, um sich von ihren republikanischen Herausforderern Ted Cruz oder Donald Trump nicht zu sehr treiben zu lassen. Und sie muss bei ihrem liberalen Gesellschaftsbild bleiben, um Sanders nicht zu stark zu machen.

Mit dem 1. Februar hat der Wahlkampf richtig begonnen. Und er wird schmutzig, auch das war in den vergangenen Tagen hier in Iowa zu erleben. Da kann es nur gut sein, wenn ein aufrichtiger Träumer noch möglichst lange die Debatte mitgestaltet.

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