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Amerika

Korn-Krise bei Ted Cruz

Ted Cruz hat sich verkalkuliert: Er will die Subventionen für Ethanol abschaffen. Damit hat sich der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner mit der mächtigen Agrarlobby angelegt. Es könnte ihn den Sieg in Iowa kosten.

Präsidentschaftskandidat Ted Cruz vor dem Kapitol (Foto:imago/UPI Photo)

Präsidentschaftskandidat Ted Cruz vor dem Kapitol in Washington

Auf der Anzeigentafel der Tankstelle in der Kleinstadt Wayverly, Iowa, werden zwei Preise für Benzin angezeigt: 1,66 Dollar pro Gallone (= 3,78 Liter) und 1,96 Dollar pro Gallone. Beim günstigeren Preis wird Ethanol, hergestellt aus einheimischem Mais oder Sojabohnen, beigemischt. Dieses Benzin ist preiswerter, weil es staatlich subventioniert wird. Die Subventionen sichern Zehntausenden von Farmern im Mittleren Westen halbwegs stabile Preise. Etwas, was sie nicht missen möchten, angesichts der Überproduktion von Mais und Sojabohnen auf dem amerikanischen Markt. Der republikanische Senator und republikanische Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz will, nach einer Übergangszeit von fünf Jahren, die staatliche Förderung einstellen. Damit macht er sich viele in Iowa zu Feinden.

Ethanol-Silos in Iowa (Foto: DW)

Ethanol-Silos - kein seltener Anblick in Iowa

Etwa Mark Recker. Er betreibt eine mittelgroße Farm gut zwei Autostunden von Iowas Hauptstadt Des Moines entfernt. Seine Eltern und andere Familienmitglieder sind ebenfalls Landwirte, gleich in der Nachbarschaft. Jetzt bedeckt eine dünne Schneeschicht die abgeernteten, kahlen Felder. Doch im vergangenen Jahr hat ein Tornado Teile der silbernen Aluminium-Silos zerstört. Die Instandsetzungsarbeiten kosteten viel Geld. Recker musste zudem 270.000 Dollar in einen High-Tech-Traktor investieren. Um erfolgreich arbeiten zu können, braucht er Planungssicherheit. Für die sorgen vor allem stabile Agrarpreise. Ein Ende der staatlichen Subventionen - das wäre nicht nur für ihn ein Schlag ins Kontor. Mark Recker lässt durchblicken, dass er politisch den Republikanern näher steht als den Demokraten. Ted Cruz könne er aber bei den Vorwahlen nicht unterstützen; vor allem weil der Senator aus Texas die Subventionen bei Ethanol streichen wolle.

Republikaner ja, Ted Cruz nein

So wie er denkt auch das Ehepaar Karmen und Stanley Mehem, deren Farm zu den größeren in Iowa gehört. Sie haben 14 Angestellte, sind finanziell beteiligt an einer örtlichen Ethanol-Fabrik.

Farmer-Ehepaar Karmen und Stanley Mehem (Foto: DW)

Farmer-Ehepaar Karmen und Stanley Mehem

Das Ehepaar Mehem ist auf die Familiengeschichte stolz. Sie haben drei Kinder, acht Enkelkinder, sind Farmer in der sechsten Generation. Politisch stehen sie den Republikanern nahe. Den Mehems gefallen auch die konservativen Ansichten von Ted Cruz. Doch wenn es ums Geld geht hört die Freundschaft bekanntlich auf. Ja, als politisch Konservative lehnen sie eigentlich staatlicher Fördergelder ab. Doch ohne diese hätte die Ethanol-Industrie nicht errichtet werden können.

Gentechnik hat den Markt verändert

Experten schätzen, dass über ein Drittel der Maisernte in den USA in den Benzintank wandert. Noch vor zehn Jahren wurde der größte Teil der Maisernte exportiert. Doch gentechnisch manipulierte Maissorten und moderne Agrartechnik haben die Produktivität der amerikanischen Farmer enorm gesteigert. Inzwischen produzieren Farmer hier mehr als der Markt absorbieren kann. Die Furcht, dass die Agrarpreise plötzlich in den Keller gehen, sitzt vielen Landwirte im mittleren Westen im Nacken.

Feld in Iowa (Foto: DW)

Landwirtschaft ist in Iowa politisches Top-Thema

Die Vorbehalte der Farmer hat Ted Cruz unterschätzt. Lange lag der Republikaner bei den Umfragen vorne. In den letzten Tagen hat sich aber der Milliardär und Präsidentschaftskandidat Donald Trump im Feld der Republikaner nach vorne geschoben.

Karmen und Stanley Mehem finden nicht alles, was Trump von sich gibt gut und richtig. Ihnen imponiert aber dessen wirtschaftlicher Erfolg. Trump ist ihr Kandidat.

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