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Welt

Kommentar: Katar bleibt wichtiger Partner deutscher Außenpolitik

Trotz Kritik an ihrem außenpolitischen Kurs setzt Bundeskanzlerin Merkel weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit der neuen katarischen Führung. Das ist pragmatisch und klug zugleich, meint Loay Mudhoon.

Der Besuch des jungen Emirs von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani, in Berlin wurde von einer heftigen Debatte in der deutschen Öffentlichkeit überlagert: Wie sollte der "richtige" Umgang mit dem Terror des selbsternannten "Islamischen Staates" aussehen? Dabei geriet der kleine, aber einflussreiche Golfstaat in den Verdacht, an der Finanzierung dieser barbarischen Terrorgruppe beteiligt zu sein, obwohl es dafür bislang keine konkreten Belege gibt.

Auch Berichte über menschenverachtende Arbeits- und Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter auf den gigantischen Baustellen in Doha ließen das Land und seine ambitionierte Führung in keinem guten Licht erscheinen. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass hierzulande Stimmen laut wurden, die die Bundesregierung aufforderten, diese Fragen beim hohen Besuch aus Katar offen anzusprechen.

Doch Bundeskanzlerin Merkel machte nach dem Treffen mit Scheich al-Thani klar, dass Deutschland weiterhin auf enge Zusammenarbeit mit der neuen katarischen Führung setzt. Sie klammerte jedoch bekannte Streitpunkte nicht aus und musste sogar einräumen, dass es in Fragen wie etwa der katarischen Unterstützung der Hamas unterschiedliche Ansichten gebe.

Dieser pragmatische Kurs ist notwendig und klug zugleich. Denn das "Mini-Emirat" am Golf ist als Partner deutscher Außenpolitik zu wichtig, ja geradezu unverzichtbar. Und dies ist keinesfalls allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass Katar einer der wichtigsten Investoren in Deutschland und finanzstarker Abnehmer der deutschen Rüstungsindustrie geworden ist.

Vielmehr spielt das Land als aktive "Gestaltungsmacht" eine zentrale Rolle in der strategisch und geopolitisch wichtigen Golfregion. Das liegt daran, dass die Führung in der Hauptstadt Doha seit langem versucht, gute Beziehungen zu allen wichtigen regionalen und internationalen Akteuren zu pflegen, um das Überleben des kleinen Landes zwischen den mächtigen Nachbaren Iran und Saudi-Arabien zu sichern. Auf diese Weise kann die katarische Außenpolitik pro-westliche und zugleich pro-islamistische Züge aufweisen. Es klingt paradox, entspricht aber der Realität: Das Land beherbergt eine riesige amerikanische Militärbasis und verfügt gleichzeitig über gute Kontakte zu fast allen islamistischen Gruppen in der Region.

Nach dem Ausbruch der Arabellion versuchte die katarische Führung, die Chance des Umbruchs in ihrem Sinne zu nutzen und das Mini-Emirat als Regionalmacht endgültig zu etablieren; dazu nutzt sie ihre geschickte Scheckbuchdiplomatie und den TV-Sender Al-Jazeera als mediales Soft-Power-Instrument. Und sie unterstützte die Muslimbrüder in Ägypten sowie islamistisch-militante Gruppen in Syrien, um das Assad-Regime zu stürzen. Weil die Situation in Syrien unübersichtlich geworden ist, lässt sich nicht ausschließen, dass finanzielle Hilfe reicher Kataris an die IS-Terroristen auf indirektem Wege geflossen ist.

Mit dem Aufstieg der IS-Terroristen als Folge des Scheiterns sowohl westlicher als auch katarischer Syrienpolitik ändert sich die Situation im Mittleren Osten grundlegend. Schließlich stellen die enthemmten Dschihadisten eine direkte, ja existenzielle Bedrohung für alle Golfstaaten dar. Auch deshalb sucht Katar den Schulterschluss mit dem Westen.

Auf der anderen Seite ist der Westen auf Unterstützung einflussreicher Golfstaaten wie Saudi-Arabien und Katar angewiesen, um eine schlagkräftige und in der islamischen Welt breit legitimierte Allianz gegen die IS-Dschihadisten zu schmieden. Bundeskanzlerin Merkel hat jedenfalls gute Gründe, den Darstellungen von Scheich al-Thani zu vertrauen, dass sein Land bereit sei, eine wichtige Rolle beim Kampf gegen den IS-Terrorismus zu spielen.

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