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Kommentar: #JeSuisBabu - Bloggermord in Bangladesch

Ein weiterer Blogger, der sich gegen religiöse Intoleranz ausgesprochen hat, ist in Bangladesch ermordet worden. Die Regierung ist offenbar unfähig, die aufkommende Krise im Land zu bewältigen, meint Grahame Lucas.

Bangladesch Protest gegen Ermordung von US-Blogger (Bildergalerie) (Foto: DW)

Proteste gegen die Ermordung eines Bloggers in Bangladesch

Der Mord an dem Blogger Washiqur Rahman Babu ist ein feiger Akt und aufs Schärfste zu verurteilen. Seitdem die Verdächtigen unumwunden und beinahe stolz gestanden haben, sind ihre Motive bekannt. Babus mutmaßliche Killer sagten gegenüber der Polizei aus, sie hätten ihn zerstückelt, weil er den Islam nicht respektiert habe. Bezeichnenderweise erklärten die zwei Verdächtigen - beide studieren an islamischen Schulen - Babus Texte nie gelesen zu haben. Ein "religiöser Lehrer" habe ihnen aufgetragen, ihn zu ermorden.

Der brutale Mord unterstreicht, was sich schon seit einiger Zeit abzeichnet: Islamistische Extremisten fühlen sich in Bangladesch frei, jeden zu attackieren, der in ihren Augen den Islam beleidigt hat. Sie glauben, sie hätten Gott auf ihrer Seite. Die gleiche Haltung hat Islamisten im Januar in das Pariser Büro von Charlie Hebdo getrieben, um dort elf Menschen zu ermorden.

Die Ereignisse zeigen deutlich, dass sich islamistische Extremisten überall berechtigt fühlen, kaltblütig jeden zu töten, der ihrer Interpretation des Islam widerspricht. Sie entscheiden, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit verlaufen und wo Blasphemie beginnt - und nicht die demokratisch gewählten Parlamente. Sie handeln totalitär. Und so missbrauchen islamistische Extremisten eine Religion, die ihren Anhängern Frieden und Toleranz predigt und instrumentalisieren sie, um ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu rechtfertigen.

Leben in Angst und Schrecken

Deutsche Welle-Redakteur Grahame Lucas (Foto: DW)

Grahame Lucas ist Leiter der Süd- und Südost-Asien Redaktion der Deutschen Welle

Für Bangladesch bedeutet das: jeder Blogger, Journalist oder Intellektuelle, der die von Islamisten pervertierte Interpretation des Islam infrage stellt, begibt sich in tödliche Gefahr. Ende Februar wurde der Blogger Avijit Roy getötet, als er gerade die jährliche Buchmesse verließ. Viele weitere Blogger wurden in den vergangenen Jahren attackiert. Ahmed Rajib Haider wurde 2013 von islamistischen Extremisten in Dhaka erschlagen. Dutzende mehr erhielten Todesdrohungen und bangen seitdem um ihr Leben. Im Vergleich zu den Anschlägen in Paris oder im Nahen Osten scheinen uns in Europa diese Ereignisse von geringerer Bedeutung. Doch die zugrundeliegenden Strukturen sind die gleichen.

Der ermordete Blogger, Washiqur Rahman Babu, wurde zum Ziel, weil er religiöse Dogmen verspottete und aus seinem Atheismus keinen Hehl machte. Er war ein mutiger Mann, der seine Meinung frei äußerte. Die Parallelen zu den Arbeiten der Cartoonisten bei Charlie Hebdo sind offensichtlich. Babu wusste das. Nach dem Mord an Avijit Roy hatte er sein Facebook-Profilfoto in "Ich bin Avijit" geändert und ist damit auf die "Je Suis Charlie-Welle" der Solidarität aufgesprungen. Ein Schritt, auf den Todesdrohungen folgten.

Die Morde an Bloggern in Bangladesch sind umso besorgniserregender, als das Land früher im Ruf stand, eine weltoffene und säkulare Gesellschaft zu sein. Das änderte sich als Premierminister Sheikh Hasina 2010 die weitreichende Entscheidung traf, ein Internationales Kriegsverbrecher-Tribunal zu gründen. Dort werden Verfahren - überwiegend gegen Islamisten - geführt, die während des bengalischen Unabhängigkeitskriegs 1971 Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben sollen.

Seit über 40 Jahren bleiben Gräueltaten ungestraft

Drei Millionen Tote, 200.000 Vergewaltigungen - über vier Jahrzehnte blieben all diese Gräueltaten ungesühnt. Einige der mutmaßlichen Täter sind ins Ausland geflohen, andere saßen als Teil der religiösen Rechten, die sich in der islamistischen Jamaat-e-Islami-Partei zusammenfand, in der Regierung. Von Anfang an wurden die Verfahren vor dem Tribunal durch Zweifel an der Glaubwürdigkeit vorgelegter Beweise beeinträchtigt. Und weil die Staatsanwaltschaft, wenn immer möglich für die Angeklagten die Todesstrafe forderte, betrachtet die religiöse Rechte die Verfahren als Angriff auf die Islamisten, die 1971 Pakistan unterstützten.

Als die Shahbag-Bewegung, angeführt von Bloggern des Landes, auf die Straßen ging und die Todesstrafe für die Angeklagten forderte, reagierten Islamisten mit gewaltsamen Gegendemonstrationen. Die Krise hat sich weiter verschärft, seitdem die oppositionelle Bangladesh Nationalist Party (BNP) das Land durch ihre Streiks lahmlegte. Die Regierung scheut jede direkte Konfrontation mit den Islamisten und benutzt stattdessen Polizei und Justiz um gegen Blogger vorzugehen, um die Lage zu entschärfen.

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