1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Kommentar: Gold für die Nachwuchsarbeit

Deutschland siegt gegen Spanien und wird U21-Europameister. Das ist ein großer Erfolg für den DFB. Aber dieser Titelgewinn hat eine lange Vorgeschichte, die man nicht vergessen sollte, meint DW-Redakteur Dirk Kaufmann.

Da hat der DFB ja ein glückliches Händchen bewiesen: Stefan Kuntz als Trainer der U21 ist das perfekte Symbol für den aktuellen Höhenflug des deutschen Fußballs. Als er seinen größten Triumph als Spieler feierte (die Europameisterschaft 1996 in England), war dies für viele Jahre der letzte Erfolg des deutschen Fußballs. An die teilweise armseligen Auftritte der Nationalmannschaft bis zur Heim-WM 2006 möchte man ja gar nicht mehr denken. Und heute ist Kuntz der Kopf einer neuen und erfolgreichen deutschen Kickergeneration.

Das Gute an der jahrelangen Durststrecke war, dass das Problem - nämlich ein mangelhaft ausgebildeter Nachwuchs - nicht nur schnell erkannt, sondern sogar konsequent angegangen wurde. Die Früchte: U21-Europameistertitel 2009 und der WM-Gewinn in Brasilien 2014. Aber vor allem hat es auch in den anderen Turnieren seit 2006 keinen Grund mehr gegeben, sich für die deutschen Auftritte zu schämen - im Gegenteil.

Reiche Ernte

Und nun wieder Stefan Kuntz: Mit den U21-Kickern des DFB hat er im Finale die hoch favorisierten Spanier geschlagen, ist mit den jungen Spielern Europameister geworden. Und das, obwohl er auf einige der Besten hatte verzichten müssen: Timo Werner und Leon Goretzka sind dabei nur die auffälligsten - sie schreiben gerade beim Confederations-Cup in Russland an einer eigenen Geschichte.

Dirk Kaufmann (DW)

DW-Redakteur Dirk Kaufmann

An diesem Wochenende erntet der DFB in Person von Stefan Kuntz und den (möglichen) Stars von morgen die Früchte jener Nachwuchsförderung, deren Notwendigkeit der deutsche Rumpelfußball vor mehr als 20 Jahren mehr als deutlich gemacht hatte.

Die anderen werden nicht schlafen

Die halbe Weltmeisterelf von 2014 war fünf Jahre zuvor U21-Europameister geworden. Da träumt jetzt so mancher, dass er in den EM-Helden von Polen 2017 die Weltmeister von 2022 gesehen hat. Doch gemach: Der Fußball ist nicht nur im wöchentlichen Ligabetrieb ein kurzlebiges Geschäft.

Wie schnell ist ein Kreuzband gerissen! Wie oft sind die auf Höchstleistung gedrillten Körper schon in jungen Jahren verschlissen! Von Jungmillionären, denen der Ruhm und das viele Geld zu Kopf steigen und die mehr Zeit beim Frisör als auf dem Trainingsplatz verbringen, haben wir auch schon zu viel gehört und gelesen.

Und die aktuellen großen Erfolge des deutschen Nachwuchses sollten den Blick nicht trüben - die Konkurrenz in Spanien und Italien, in Portugal und Frankreich schläft nicht. Zu glauben, dass die den scheinbaren Rückstand zu denen "mit dem Adler auf der Brust" nicht aufholen könnten, wäre nicht nur dumm, es wäre auch sehr überheblich.

Wer so schön spielt, darf auch mal verlieren - wenn's denn sein muss

Dennoch: Im Bewusstsein, dass die A-Mannschaft beim Confed-Cup und die U21 bei der Europameisterschaft nicht in Bestbesetzung antreten konnten und es dennoch weit gebracht haben, gibt Anlass zu Freude und Genugtuung. Eine immer mögliche Niederlage im Finale, oder ein Ausscheiden im Halbfinale, wie vor zwei Jahren, als die U21 mit 0:5 gegen Portugal einging, tut dem Großen und Ganzen dabei keinen Abbruch.

Denn da ist noch etwas, auf das man, wenn man solcher Gefühle fähig ist, sogar stolz sein kann: Die deutschen Nachwuchskicker sind derzeit nicht nur erfolgreich - das waren in der Fußballgeschichte sehr viel schlechtere DFB-Teams ebenfalls - sie spielen auch noch schönen Fußball. Da kommt zu einer guten Nachwuchsförderung auch das Glück, dass es gerade viele hochbegabte junge Leute gibt - das ist keine Selbstverständlichkeit.

Aus diesen Gründen ist der aktuelle Höhenflug der deutschen Fußballer, ob sie nun in Polen oder in Russland triumphieren, kein Blankoscheck auf eine Zukunft, in der deutsche Mannschaften den Fußball dominieren. Doch bieten die aktuellen Erfolge auf jeden Fall eine Menge Gründe, mal ein Fläschchen Bier aufzumachen und sich für die jungen Leute zu freuen, die einen so erfrischenden Fußball spielen. Ach ja: Und für den vergleichsweise steinalten Stefan Kuntz auch, den Europameister von 1996.

Sie können unterhalb dieses Artikels einen Kommentar abgeben. Wir freuen uns auf Ihre Meinungsäußerung!