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Kommentare

Kommentar: Gegen Populismus in der Myanmar-Krise

Die humanitäre Katastrophe in Myanmar wühlt die Emotionen auf. Aber die Forderung, Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis abzuerkennen, ist populistischer Unsinn, meint Rodion Ebbighausen.

Die fast 400.000 Unterzeichner einer entsprechenden Petition auf der Kampagnenplattform Change.org geben einem emotionalen Impuls nach, ohne die Konsequenzen ihres Handelns zu bedenken. Denn erstens ist es nicht möglich, den Preis rückwirkend zu entziehen. Er wird für das verliehen, was bis zum Tag der Preisverleihung geleistet wurde, und da hat Aung San Sui Kyi, das sollten wir nicht vergessen, Außergewöhnliches geleistet, indem sie sich mit friedlichen Mitteln für den politischen Neuanfang in Myanmar verdient gemacht. Das Nobelpreis-Komitee hat bereits abgewinkt, wohlwissend, dass sie sich in Anbetracht manch anderer Preisträger bei Aberkennung des Preises in Teufels Küche begeben würden.

Zweitens wäre mit dem Entzug des Nobelpreises niemandem geholfen. Weder wäre damit der Rakhine-Staat befriedet, noch die Staatenlosigkeit der Rohingya gelöst. Was steckt hinter der Forderung nach Aberkennung? Verständliche Gefühle wie Hilflosigkeit, Frustration und Enttäuschung angesichts der humanitären Katastrophe. Die Menschen wollen irgendetwas tun. Und da sie konkret nichts erreichen, wollen sie wenigstens symbolisch handeln. Eine Abstrafung der vor allem im Westen zur Menschenrechtsikone aufgebauten Aung San Suu Kyi scheint da für viele offensichtlich angemessen.

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Rodion Ebbighausen vom Asien-Desk der DW

Was dabei vollkommen aus dem Blick gerät:  Der Konflikt braucht nicht mehr, sondern weniger Emotionen. Er braucht nicht mehr spontane Gefühlsausbrüche und blinde Solidaritätserklärungen in den sozialen Medien, sondern weniger.  Die Petition birgt zwei Gefahren: Erstens, dass sich die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Problem, nämlich der verheerenden Lage im Rakhine-Staat, auf die Nobelpreisträgerin verschiebt. Zweitens verstärkt sie die in Myanmar verbreitete Überzeugung, dass die Rohingya alles dafür tun, um das Land und den Buddhismus mit Dreck zu bewerfen und Aung San Suu Kyi zu diskreditieren.

Der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt wiederholt sich vor allem deshalb in tragischer Regelmäßigkeit, weil an die Stelle jedes vernünftigen Dialogs eine maximal emotional aufgeladene Meinungsschlacht getreten ist, in der die Fakten keine Rolle mehr spielen. Die Tinte von Kofi Annans Bericht mit Vorschlägen zur Befriedung des Rakhine-Staates war noch nicht trocken, als die Gewalt erneut ausbrach. Die Reaktionen im Netz folgten auf dem Fuße. Raum für Distanz und Zeit zum Nachdenken blieb da nicht. Die Unterzeichner der Petition und manch andere Aktivisten und Politiker, die sich nun wortmächtig einmischen, tragen so vor allem dazu bei, dass die Quelle der Gewalt weiter sprudelt.

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