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Europa

Kommentar: Gas-Deal, Made In Schwaben

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat gerade sein europäisches Meisterstück abgeliefert. Die typischen Eigenschaften eines Schwaben haben ihm das ermöglicht, meint der Halbschwabe Max Hofmann.

Mit kloine Schritt kommt’s Geld ens Haus - naus macht’s große*

Hinter der bekannten schwäbischen Sparsamkeit steckt knallhartes Unternehmertum. Oettinger zeigte Verständnis für das Argument der Russen, man habe keine Lust mehr, den Ukrainern Gas auf Pump zu liefern. Verträge müssen respektiert werden, auch von ukrainischer Seite. Andererseits darf Gazprom seine Monopolstellung nicht ausnutzen, vor allem nicht für politische Zwecke. Der EU-Kommissar hat mit seinem nüchternen Verhandlungsgeschick die fehlende Konkurrenz auf dem ukrainischen Energiemarkt ersetzt. Der für die kommenden Monate ausgehandelte Gaspreis von rund 385 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas entspricht ziemlich genau dem, was auch Deutschland an Russland überweist. Günther Oettinger war ein glaubwürdiger Vermittler im Gasstreit.

Max Hofmann (Foto: DW)

Max Hofmann

Wer als Kalb en d’Fremde geht, kommt als Kuah hoim **

Wenn man was nicht kann, muss man es eben lernen. Oettinger war kein europäischer Energieexperte, als er vor fünf Jahren nach Brüssel kam. Gerade als baden-württembergischer Ministerpräsident zurückgetreten, war die Begeisterung über den Schwaben als deutschen Repräsentanten in der EU-Kommission sehr verhalten. Aber Oettinger arbeitete sich kontinuierlich und systematisch in seine Thematik ein. Inzwischen schwingt bei Gesprächen im Umfeld der Kommission fast immer Respekt mit, wenn es um den Deutschen geht. Ukrainische und russische Unterhändler kennen sich schon lange und haben teilweise ein Berufsleben im Gasgeschäft verbracht. Trotzdem brachte der deutsche EU-Kommissar ausreichend Fachwissen mit, um sich nichts vormachen zu lassen. Günther Oettinger war ein kompetenter Verhandlungs-Führer im Gasstreit.

Es geht net immer wia ma möchte, sonscht könnt ma von der Kuah glei Käs melka ***

Manche würden es langweilig nennen, aber die Geduld und Beharrlichkeit der Schwaben hat auch Vorteile. Sie tüfteln, bis es passt. So wie Oettinger im Gasstreit. Seit Monaten verhandelt er und verbindet das Machbare mit dem Wünschenswerten. Diese Beharrlichkeit hat sich jetzt, in den letzten Tagen seiner Amtszeit als Energie-Kommissar ausgezahlt und sorgt dafür, dass die Ukrainer zumindest in diesem Winter nicht in ihren Wohnungen frieren werden müssen. Damit hat er auch gezeigt, dass die Kommission sehr wohl in der Lage ist, mehr zu produzieren als lähmende Bürokratie. Günther Oettinger war der unermüdliche Verhandlungs-Motor im Gasstreit.

* Geld verdienen dauert lang, ausgeben geht schnell.

** Wer als Kalb in die Fremde geht, kommt als Kuh heim.

*** Es läuft nicht immer, wie man möchte, sonst könnte man von der Kuh sofort Käse melken.

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