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Kommentar: Feuerring von Paris bis Bamako

Die Geiselnahme in einem Hotel in Bamako führt der Welt vor Augen, dass der Anti-Terrorkampf nicht nur Paris und Hannover betrifft. Es sind ungewohnte Allianzen nötig, meint Claus Stäcker.

"Die Sonne lacht, Blende acht" - hatte die Bundeswehr noch kurz vor dem Blutbad in Bamako launig über eine Fotoausbildung von malischen Presseoffizieren berichtet. Einen Tag später lachte keiner mehr. Einmal mehr haben radikale Islamisten ein Fanal gesetzt. Ein Fanal, das zeigen soll: Wir sind auf unserem gnadenlosen Feldzug einsatzbereit, umso mehr, als unsere Treffer in Paris Wirkung zeigen. Ihr schwächelt. Ihr seid verunsichert. Unsere Erfolge mehren sich.

Paris, Ankara, Beirut, Scharm el Scheich und Bamako. Etwas weiter südlich Yola und Kano. Zeichnen wir eine Linie zwischen diesen Orten der jüngsten, opferreichen Anschläge erkennen wir schon ziemlich genau, was Militärs als "Ring of Fire" bezeichnen. Das unsichere, von Extremisten und flächendeckenden Konflikten gezeichnete Band umschließt Europa schon fast. Bereits vor 24 Jahren hatte der ranghöchste Soldat der deutschen Friedensarmee, Generalinspekteur Klaus Naumann, vor einem "Krisengürtel von Afghanistan bis Marokko" gewarnt. Damals hielten das viele für die maßlose Übertreibung eines Militaristen. Naumanns damalige Äußerung, "Blutvergießen darf für deutsche Soldaten kein Tabu mehr sein", war selbst ein Tabubruch.

Claus Stäcker (Foto: DW)

Claus Stäcker, Leiter der DW-Afrikaredaktion

Europas "Firewall" selbst beseitigt

Heute ist der Feuerring nur noch wenige hundert Kilometer von Europa entfernt und die Pufferzone zwischen Mali und dem nicht mehr existenten Libyen ist schmaler als es die sandige Leere der Sahara glauben macht. Wir - der Westen - haben einige Diktatoren beseitigt, aber mit ihnen auch die "Firewall", die Europa schützte.

Der Übergriff auf das Radisson Blu, das angeblich bestgeschützte Hotel der malischen Hauptstadt, richtet sich zwar gegen Frankreich, das mit seinem entschiedenen Kampfeinsatz 2013 im letzten Moment den Fall des Landes verhinderte und zuletzt erfolgreich einige Terroristenführer beseitigte. Aber er richtet sich auch gegen jeden Verbündeten, gegen die Lebensart des Westens. Wie bei der Anschlagsserie in Paris, geht es immer ums Prinzip. Es ist die effiziente Logik von verblendeten Massenmördern. Und deutsche Soldaten sitzen, als Ausbilder zwar, mittendrin.

Das selbe Muster

Paris scheint den Blutwettbewerb der Gotteskrieger noch befeuert zu haben. Dabei ist nebensächlich, ob eine globale IS-Einsatzstelle in Rakka per Telefon, Telegram, oder gar Playstation, die Einsätze koordiniert - gestern Kano heute Bamako morgen vielleicht Hannover oder Berlin. Ihre Gesinnungsgenossen brauchen keine Anrufe, egal ob sie sich "Die Wächter" (Al-Murabitoun), "Verteidiger des Glaubens" (Ansar Dine), "Al Kaida im Maghreb" (AQIM) oder - wie Boko Haram - inzwischen selbst "Islamischer Staat" nennen. Sie vertreten höchst unterschiedliche, lokale Interessen - wie in Mali. Aber sie funktionieren nach demselben primitiven, perversen, entschlossenen Muster.

Manche wähnen sich nun bereits in einem Dritten Welt- oder gar globalen Religionskrieg. Diese bellizistische Rhetorik führt in eine Sackgasse. Denn die Reihen müssen vor allem zivilisatorisch geschlossen werden, sicher auch mit ungewohnten Verbündeten wie China oder Russland. Die Krieger dieser asymmetrischen Armee sind schwer zu bezwingen, aber in der Minderheit. Ihre Verbündeten sind identifizierbar und können in gemeinsamer Anstrengung isoliert werden. Aber doch ist eine militärische Komponente unausweichlich. Und zwar von Bamako bis Berlin. Wenn Deutschland Waffenbruder Frankreich in Mali entlasten will, wird es nicht nur Spaten, Pontons und Fotoapparate brauchen. Sondern Kampftruppen. Ein robustes UN-Mandat. Es wird Blut fließen, früher oder später, wie einst General Naumann warnte. Es wird, wie in Afghanistan, deutsche Opfer geben. Aber das Risiko muss eingegangen werden, damit die gemäßigten Kräfte, die Normalbürger, den Glauben - welchen auch immer - nicht verlieren.

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