Kommentar: Europa kann kommen | Kommentare | DW | 29.01.2017
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Meinung

Kommentar: Europa kann kommen

Der 1. FC Köln feiert in Darmstadt eindrucksvoll den höchsten Auswärtssieg seit 65 Jahren und unter Trainer Peter Stöger. Hoch verdient. Und da ist noch Luft nach oben, meint DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger.

Seit 25 Jahren hat der 1. FC Köln nicht mehr im Europapokal gespielt, nächste Saison könnte es wieder soweit sein. Ganz realistisch betrachtet. Kein Hirngespinst, kein Wunschdenken der Fans - wer die Spiele und vor allem den gesamten Verein beobachtet, wird feststellen: Hier ist etwas Stabiles gewachsen, das langfristig Erfolg haben kann. 

Das 6:1 in Darmstadt offenbarte vieles, das die Mannschaft im Augenblick ausmacht: Stabilität, Effektivität, Teamspirit. Torgarant Anthony Modeste traf einmal mehr. Rückkehrer Leonardo Bittencourt spielte so entfesselt, als hätte es seine wochenlange Auszeit nicht gegeben. Stürmer Yuya Osako beendete seine Torflaute nach 13 Spielen mit gleich zwei Treffern und einem überragenden Auftritt. Die Joker Artjoms Rudnevs und Milos Jojic steuerten noch je ein Tor hinzu und der überraschend zunächst auf der Bank sitzende Verteidiger Dominic Maroh strahlte nach seiner Einwechslung gelassene Souveränität aus.

Jeder ist ersetzbar

Egal, wen Trainer Peter Stöger auf den Platz schickte, der Plan ging auf, das Konzept funktionierte. Das zeigt einmal mehr: Die Mannschaft passt zusammen. Der Teamgeist ist intakt. Auch auf der Ersatzbank. Andersherum könnte man auch formulieren: Egal, wer ausfällt - er kann ersetzt werden. In der Hinrunde fielen u.a. mit Torwart Timo Horn, Abwehrchef Dominc Maroh, Marcel Risse und Leonardo Bittencourt wichtige Spieler teilweise wochenlang aus. Das machte sich aber auf dem Platz kaum bemerkbar.

Gerstenberger Olivia Kommentarbild App

DW-Redakteurin Olivia Gerstenberger

Denn: In der Saison 2016/17 spielen in der Mannschaft viele gute bis sehr gute Bundesligaspieler - mit Jonas Hector sogar ein deutscher Nationalspieler - aber es gibt nicht mehr nur eine Ansammlung von Stars. Stattdessen: Gesunder Konkurrenzkampf zwischen erfahrenen und jungen Spielern, Kämpfern und Technikern, außerdem gleich neun "Kölschen Jungs": Horn, Risse, Clemens, Kessler, Höger und vier Talente, davon einer aus der Nachbarschaft aus Euskirchen. Das schafft Identifikation.

Verantwortlich für dieses stabile Gerüst sind jedoch nicht nur Kölner. Trainer Peter Stöger stammt aus Österreich. Der Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke, aus Düsseldorf und Alexander Wehrle, Geschäftsführer Finanzen, aus der Nähe von Stuttgart. Alle drei sind seit 2013 im Verein. Seither geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell wieder raus aus dem tiefen Tal, in dem der Verein nach dem fünften Abstieg versunken war.

Nicht mehr immer nur 1:1

Nun, vier Jahre später, steht der FC glänzend da, hat seit dem Aufstieg 2014 keine Abstiegssorgen mehr und richtet den Blick allmählich wieder nach oben. Schritt für Schritt. Erst stabilisierte Stöger die Defensive, und die Fans mussten viele torarme Unentschieden ertragen. Nun endlich stimmt auch die Offensive. Mit gnadenloser Effektivität überrollte der FC die überforderten Darmstädter und hörte nicht auf, weiter nach vorn zu drängen.

Diese Einstellung überzeugt - auch außerhalb Kölns. Und so sicherte sich der FC in der Winterpause nun doch die Dienste des zweimaligen deutschen Meisters Neven Subotic von Borussia Dortmund. Der hatte schon im Sommer mit dem FC verhandelt und sich angehört, welche Richtung der Verein einschlagen wollte. Um nun festzustellen: Alles genauso eingetreten. Glaubwürdigkeit, Kontinuität und das Vertrauen in die Spieler gepaart mit einem gut aufgestellten Kader und einem ruhigen, besonnenen Fußballtrainer sind in Köln der Schlüssel zum Erfolg.

So hat sich die Mannschaft von Saison zu Saison entwickelt. Sie ist gereift - aber noch lang nicht am Limit. Die Konkurrenz ist groß, das Entwicklungspotenzial der Mannschaft auch. Selbst wenn nun zwei, drei Niederlagen folgen würden und es am Ende doch nicht klappt mit Europa - egal! Man ist nicht zwingend auf das Geld aus der Europa League angewiesen, sagte Finanzchef Wehrle kürzlich im Interview ziemlich gelassen mit der Zeitung "Express": "Die Europa League wäre kein Quantensprung." Auch so ist der Verein finanziell und sportlich solide aufgestellt: Die Verträge mit dem Kern der Mannschaft sind bereits verlängert worden. Europa kann kommen. Muss aber nicht. 

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