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Europa

Kommentar: Es braucht mehr als Selbstdarstellung

Die Franzosen haben entschieden: Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal ziehen in die Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten ein. Die Lage nach dem ersten Wahlgang am Sonntag kommentiert Anke Hagedorn.

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Das Doppelpack Ségo-Sarko geht also in die zweite Runde - ein Ergebnis, das nicht gerade überrascht. Die Franzosen hoffen nun, dass wenigstens bis zum zweiten Wahlgang eine ernsthafte politische Debatte stattfindet. Und das wäre auch aus deutscher Sicht wünschenswert, denn dann wüssten auch wir vielleicht besser, wie beide Kandidaten im Hinblick auf ihre Europapolitik und das deutsch-französische Verhältnis einzuschätzen sind.

Der Wahlkampf war eine Kampagne mit Teflonbeschichtung: Nichts blieb hängen. Anders als bei den Präsidentschaftswahlen vor fünf Jahren, wo vor allem ein Thema dominiert hatte - nämlich die innere Sicherheit -, warteten dieses Mal alle Kandidaten mit einer ganzen Palette von Themen und ebenso vielen Inszenierungen auf; in der Hoffnung, die Wähler auf die eigene Seite zu bringen.

Flirt hier, Flirt da

Als eine Mischung aus Cowboy und weißem Ritter, mit Jeans und Sonnenbrille locker auf einem Schimmel sitzend, so präsentierte sich Nicolas Sarkozy zum Abschluss seiner Wahlkampagne in der Camargue. Dieses Mal war die Botschaft: Ich bin zupackend, aber auch bodenständig und naturliebend. Die Stoßrichtung ging in Richtung Francois Bayrou von der Zentrumspartei UDF. Ein Landwirt, Vater von sechs Kindern, den keiner anfangs so recht ernst genommen hatte, und der zum Schluss dann doch ein beachtliches Ergebnis einfahren konnte.

Davor wechselte Sarkozy gerne regelmäßig von der Rolle des Retters der Nation zu der des Opferlamms. Mal flirtete er mit den Gewerkschaften, mal mit den Arbeitgebern. Ganz offen versuchte er, die rechtsextreme Wählerschaft des Front National abzuwerben - mit Vorschlägen wie der Ausweisung aller Illegalen in Frankreich und der Gründung eines Ministeriums für Einwanderung und Nationale Identität.

"Die Fresse polieren"

Konkurrenten duldet der für seine Rücksichtslosigkeit und Skrupellosigkeit berüchtigte 52-Jährige nicht, weder bei den politischen Gegnern, noch im eigenen Lager. Alle, die ihr im Weg stehen, werden gnadenlos weggeräumt: Da mussten Chefredakteure wegen negativer Berichterstattung über den UMP-Chef ihren Rücktritt einreichen. Dem für Chancengleichheit zuständige Minister Azouz Begag drohte Sarkozy damit, "ihm die Fresse zu polieren", weil dieser sich angeblich illoyal verhalten hatte. Ein böses Omen, wenn man überlegt, wozu dieser Mann fähig sein könnte, wenn er tatsächlich einmal alle Macht in den Händen hält.

Ségolène Royal wiederum inszenierte sich als neue Jeanne d'Arc, meist in einem strahlend weißen Kostüm gekleidet und ein ebenso strahlendes Lächeln auf den Lippen. Sie hat eine neue Form der Kommunikation für den Wahlkampf erfunden, die so genannte partizipative Demokratie, bei der sie inmitten ihrer Zuhörer stand und ihnen so suggerierte: Ich höre allen zu und gehe auf alle Sorgen und Probleme ein. Nur, dass es nicht so funktionierte. Meistens wirkte sie verkrampft und keineswegs zum Dialog bereit; nur wenige wurden ihre Fragen los, und auf konkrete Antworten hofften viele ebenfalls umsonst. Mit dem Erfolg, dass auf einen raketenhaften Kampagnenstart eine relativ rasche Ernüchterung folgte.

Wohin geht die Reise?

Francois Bayrou fasste das Dilemma der Wähler ziemlich treffend zusammen, als er feststellte: "Jeder ist unsicher, die einen, weil sie wissen, wohin die Reise mit Sarkozy geht, die anderen, weil sie nicht wissen, wohin die Reise mit Royal geht." Bleibt zu hoffen, dass sich beide Kandidaten bis zur Stichwahl zum 6. Mai endlich darauf besinnen, dass die Wähler mehr erwarten als einen oberflächlichen verbalen Schlagabtausch, sondern konkrete Lösungsansätze fordern. Denn es gibt viel zu tun für die Grande Nation, die ihre Größe in letzter Zeit ziemlich eingebüßt hat, zumindest was die Wirtschaftsbilanz angeht. Frankreich hat die höchste Arbeitslosenquote in der Eurozone, eine der niedrigsten Wirtschaftswachstumsraten und ein Handelsdefizit in Rekordhöhe. Da muss schon mehr her als ein weißes Pferd oder ein weißes Kostümchen.

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