1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Royal und Sarkozy werben um die Mitte

Nach seinem Sieg in der ersten Runde geht Nicolas Sarkozy als Favorit in die Stichwahl für das höchste Amt in Frankreich, zeigen neueste Meinungsumfragen. Doch viel hängt von dem Königsmacher François Bayrou ab.

Wahlkampf-Plakete, Quelle: AP

Die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten müssen sich nun neu orientieren

Ségolène Royal nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, Quelle: AP

Ségolène Royal nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses

In Frankreich hat nach dem Einzug des konservativen Ex-Innenministers Nicolas Sarkozy und der Sozialistin Ségolène Royal in die Stichwahl der Kampf um die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten begonnen. Sozialistenchef François Hollande zeigte sich am Montag (23.4.07) überzeugt, dass die 18,6 Prozent der Franzosen, die den Drittplatzierten François Bayrou gewählt haben, überwiegend zu Royal überlaufen würden. "Viele Wähler, die sich für François Bayrou ausgesprochen haben, wollten Nicolas Sarkozy schlagen." Er könne sich "schwer vorstellen, dass diese Wähler sich jetzt für Nicolas Sarkozy entscheiden", sagte Hollande.

Kein Wahlkampf gegen Sarkozy

Nicolas Sarkozy wird nach seinem Sieg gefeiert, Quelle: AP

Nicolas Sarkozy wird nach seinem Sieg gefeiert

Royal begann sofort nach der Wahl mit dem Werben um die Wähler der Mitte. "Ich gehöre nicht mehr allein den sozialistischen Wählern", erklärte Royal. Mit Blick auf knapp sieben Millionen Stimmen des Zentristen François Bayrou, rief Royal in der Nacht zum Montag zu einer "großen Sammlung" für die Stichwahl am 6. Mai auf. Parteichef Hollande, ihr Lebensgefährte, räumte ein, dass die Wählerreserven der Sozialisten wegen der sehr hohen Wahlbeteiligung am Sonntag nicht groß seien. Das gelte aber auch für Sarkozy. Hollande kündigte eine "positive Strategie" für die kommenden zwei Wochen an. "Man wird nicht aus Angst vor dem Gegner zum Präsidenten der Republik gewählt", erklärte er unter Anspielung auf die polarisierende Persönlichkeit Sarkozys.

Sarkozy war am Sonntag nach den endgültigen Zahlen des Innenministeriums mit einem deutlichen Vorsprung von 31,2 Prozent der Wählerstimmen in die Stichwahl um das höchste Staatsamt eingezogen. Royal kam demnach auf 25,9 Prozent. Beide treten nun am 6. Mai im zweiten Durchgang gegeneinander an. Dabei muss mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, wer Nachfolger des scheidenden Präsidenten Jacques Chirac werden will. Die Wahlbeteiligung lag bei 84,60 Prozent und war damit die höchste seit mehr als 40 Jahren in der ersten Runde.

Viele Unentschlossene

Mehrere neue Umfragen, die Meinungsforscher noch am Sonntag erstellten, sehen Sarkozy beim zweiten Durchgang mit 52 bis 54 Prozent der Stimmen als Sieger vor der Sozialistin Ségolene Royal mit 46 bis 48 Prozent. Allerdings zeigten sich 11 bis 20 Prozent der Befragten noch unentschlossen, welchen der beiden Kandidaten sie am 6. Mai zum Präsidenten wählen wollen.

Sarkozy wollte die heiße Phase mit einer Rede am Montag in Dijon eröffnen, Royal wurde von ihren Anhängern im südfranzösischen Valence erwartet. Als Höhepunkt der zweiten Phase ist am 2. Mai ein Fernsehduell geplant. Beide haben die Franzosen zur Sammlung aufgerufen und wollen sich um die sozial Schwachen kümmern.

"Neue Kraft"

Der "Königsmacher" Bayrou war mit seiner Zentrumspartei UDF bis zum vergangenen Sommer in einer De-facto-Koalition mit Sarkozys UMP-Partei verbunden gewesen und hatte die Regierungspolitik mitgetragen. Vor der Präsidentschaftswahl hatte er dann der UMP die Unterstützung entzogen und für eine parteiübergreifende Allianz der Mitte geworben. Damit konnte er sowohl Wähler der Rechten als auch der Linken gewinnen.

Bayrous Wahlkampfmanagerin Marielle de Sarnez lehnte es vorerst ab, sich für die UDF auf eine Haltung zur zweiten Runde festzulegen. Bayrous sei jetzt "eine neue Kraft in Frankreich", sagte sie im Rundfunksender RTL. Diese gelte es "zu vergrößern". Mit Blick auf das Duell Sarkozy-Royal sagte Sarnez, Bayrou werde "dem Rechnung tragen, was uns unsere Wähler gesagt haben". Der UDF-Chef werde sich am Mittwoch äußern. (stu)

Die Redaktion empfiehlt