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Sport

Kommentar: Ein Tag, auf den er stolz sein kann

Nico Rosberg beendet seine Karriere fünf Tage nach dem WM-Sieg auf dem Höhepunkt. Für die Fans ist dies ebenso überraschend wie bitter - für Rosberg selbst logisch und konsequent, meint DW-Sportredakteur Joscha Weber.

Formel Eins Grand Prix Qualifikation in Japan Nico Rosberg (Picture-Alliance/AP Photo/T. Takahashi)

Auf dem Weg in die Garage: Nico Rosberg verlässt den Formel-1-Zirkus und wirkt befreit.

Eins vorweg: Für viele Motorsportfans, besonders für die in Deutschland, ist dies ein trauriger Tag. Nico Rosberg beendet mit sofortiger Wirkung seine Formel-1-Karriere. Einer der besten Rennfahrer seiner Zeit tritt ab - mit gerade einmal 31 Jahren. Die ersten Reaktionen in den sozialen Netzwerken zeigen Überraschung und Entsetzen. Für Nico Rosberg hingegen ist dies ein guter Tag - und einer, auf den er stolz sein kann.

Nur sehr wenigen Sporthelden ist es gelungen, auf dem Gipfel ihrer Karriere abzutreten. Im Augenblick des größten Triumphes werden sie umgeben von Schulterklopfern, Fans und von Sponsoren, die mit neuen, lukrativen Werbeverträgen winken. Die Verlockung, jetzt erst recht weiter zu machen, ist groß. Aber die Risiken sind es auch. Denn nach dem Aufstieg an die Spitze gibt es kein weiter nach oben. Die Wiederholung des Erfolges wird von Medien, Fans und Kritikern fast schon erwartet. Nico Rosberg ist zum Siegen verdammt. Er weiß das und er zieht daraus nun die Konsequenz.

Ein Satz, mit dem er alle Kritiker entwaffnet

Weber Joscha Kommentarbild App

DW-Sportredakteur Joscha Weber: "Es gibt schließlich Wichtigeres, als im Auto im Kreis zu fahren."

Warum tritt Rosberg schon jetzt ab? Kommt dieser Schritt nicht viel zu früh? Nein, kommt er nicht. Denn Rosbergs Karriere dauert schon lange an, und sie hat ihn viele Kräfte gekostet. "Seit 25 Jahren im Rennsport war es immer mein Traum, mein einziges, großes Ziel, Formel-1-Weltmeister zu werden", erklärte Rosberg und lieferte damit ein Indiz für seine Beweggründe, über die zunächst viele rätselten. Bereits als Kind fuhr der Sohn des Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg Rennen, begann seine Motorsportkarriere mit finnischer Rennlizenz bei diversen Kart-Meisterschaften. Von dort war es ein langer, entbehrungsreicher Weg nach oben. Rosberg trainierte fleißig und hart, fuhr trotzdem zu Beginn seiner Formel-1-Karriere erstmal hinterher und zweifelte nach einigen Misserfolgen an sich - auch noch, als nur Teamkollege Lewis Hamilton schneller war als er.

Rosberg ist Perfektionist, ein Mensch, der gewinnen will. Und die "Enttäuschungen", wie er knapp verpasste Siege nannte, nagten offensichtlich an ihm. Und sie kosteten ihn Kraft. "Wie verrückt" habe er an sich gearbeitet, "alles gegeben" für den Erfolg. Der Rennsport stand für ihn ein Vierteljahrhundert lang an erster Stelle. Und all das ging an ihm und auch seiner Familie zuletzt nicht spurlos vorbei. Für seine Frau Vivian und seine Tochter Alaïa will er nun "richtig Ehemann und Papa" sein, mehr Zeit für die Familie haben, die zuletzt auf vieles verzichten musste. "Ich folge meinem Herz." Ein Satz, der mögliche Kritiker seines Entschlusses sofort entwaffnet.

Es gibt Wichtigeres als Autorennen

Sicher hätte er seinen 23 Siegen in den kommenden Jahren noch weitere hinzugefügt, auch weil er in einem überlegenen Auto fährt. Aber was wäre der Preis dafür? Die erbitterten Duelle mit Rivale und Teamkollege Lewis Hamilton haben ihn ans Limit gebracht - das zeigte auch der spektakuläre Crash der beiden beim Grand Prix von Spanien im Mai. Rosberg hat genug von diesem Kampf. Es gibt schließlich Wichtigeres, als mit dem Auto im Kreis zu fahren.

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