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Amerika

Kommentar: Ein kriegerisches Jahrhundert

Er war angetreten, um den Frieden zu bringen. Und jetzt zieht auch Barack Obama in den Krieg. Doch der US-Präsident hat keine andere Wahl, meint Miodrag Soric.

US-Präsident Obama wurde gewählt, weil er den Amerikanern versprach, den "dummen Krieg" im Irak zu beenden und auch die Soldaten aus Afghanistan heimzuholen. Der Wahlkämpfer Obama sprach 2008 seinen Landsleuten aus dem Herzen als er den Sinn der Kriege infrage stellte.

Sicher: Die USA verfügten damals - und sie tun es auch noch heute - mit weitem Abstand über die modernste und schlagkräftigste Armee der Welt. Doch auch die ist überfordert, wenn sie an verschiedenen Brandherden dieser Welt eingesetzt wird. Sogar den kalten Kriegern im Kongress leuchtet es ein, dass es Probleme gibt, die sich militärisch nicht lösen lassen. Nicht einmal von den USA.

Doch all diese Einsichten werden jetzt in Washington verdrängt. Die Politiker, derzeit im Wahlkampfmodus, halten überall im Land patriotische Reden: Der "Islamische Staat" müsse vernichtet werden. CNN, Fox News und all die "Nachrichtenkanäle" - eigentlich sind sie nur Geschäftsmodelle - schwadronieren von Amerika als der "größten Macht, die die Menschheitsgeschichte je gesehen hat". Flugzeugkapitäne begrüßen vor dem Start des Jets Militärs besonders herzlich. Die "Träger der Uniform", wie sie genannt werden, dürfen als erste das Flugzeug betreten, zusammen mit Behinderten und Frauen mit Kleinkindern.

Eine vom Krieg geprägte Nation

Doch die patriotische Welle will die USA nicht so richtig erfassen. Es ist eben doch richtig, dass die Amerikaner kriegsmüde sind, auch wenn derzeit die Mehrheit den Einsatz im irakisch-syrischen Grenzland befürwortet. Wenn sich der Einsatz aber hinziehen sollte, droht die Stimmung schnell zu kippen.

Porträt Miodrage Soric (Foto: DW)

Miodrag Soric, DW-Korrespondent in Washington

Inzwischen melden sich die ersten Politiker, wie Senator McCain, die den Abzug aus Afghanistan für falsch halten. In Washingtons Thinktanks wird darüber diskutiert, ob nicht Verbündete wie Deutschland oder andere NATO-Staaten bereit wären über 2014 hinaus Kampftruppen nach Afghanistan zu entsenden. Schließlich sei Al Kaida geschwächt, aber noch lange nicht besiegt. Auch nicht im benachbarten Pakistan. Und dann gibt es ja auch noch die Islamisten im Jemen, die man ebenfalls in Schach halten müsse, sagen die Politikberater. Nicht zu vergessen Somalia, das gerade jetzt die Unterstützung des Westens brauche.

Der pensionierte Luftwaffengeneral Charles Wald, der 2001 die Luftangriffe gegen die Taliban in Afghanistan steuerte, brachte es jüngst auf den Punkt: Amerika stehe vor einer Periode endloser Kriege. Andere Generäle stimmen ihm bei: Die Amerikaner, die jetzt leben, würden einen wirklichen Frieden nicht mehr erleben.

Auf Abstand halten: ja - ganz raushalten: unmöglich

War es das, was der Terrorist Bin Laden am Ende wollte? Haben die Islamisten, unter welchem Namen sie sich auch immer der Weltöffentlichkeit präsentierten, alle Schlachten verloren, aber am Ende den Krieg gegen den Westen gewonnen? Kein Land, auch nicht die Supermacht USA, kann und will permanent im Kriegszustand leben. Irgendwann ist man der Schlachten müde, ausgezehrt, überfordert.

Präsident Obama scheint dies zu ahnen. In seiner jüngsten Rede an die Nation unterstrich er, was den Einsatz gegen den "Islamischen Staat" von den Kriegen im Irak und Afghanistan unterscheidet: Es würden keine amerikanischen Bodentruppen entsandt. Doch was, wenn der IS widerstandsfähiger ist als erwartet? Was, wenn die Luftschläge der Amerikaner und die Bodentruppen der Kurden und Iraker nicht ausreichen, um den "Islamischen Staat" zu besiegen? Werden dann die USA aufgeben? Wohl kaum. Wird Washington am Ende gezwungen sein, doch US-Kampftruppen ins Kriegsgebiet zu schicken? Diese Entscheidung wird nicht mehr Präsident Obama treffen, sondern sein Nachfolger im Weißen Haus. Oder dessen Nachfolger.

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