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Kommentare

Kommentar: Donald Trump nimmt Kurs aufs Weiße Haus

Viele hielten es für undenkbar, dass Donald Trump die Nominierung als US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner schafft. Nun hat er die nötigen Stimmen zusammen. Und alles scheint möglich, kommentiert Ines Pohl.

Jetzt ist es also passiert. Auch die letzte klitzekleine, rein theoretische Möglichkeit, das noch vor wenigen Monaten Undenkbare zu verhindern, gibt es nicht mehr: Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner 2016 heißt Donald Trump. Das steht nun fest, weil die unabhängigen Delegierten sich entschieden haben, den Spitzenkandidaten zu unterstützen. Damit hat der Geschäftsmann die Mehrheit sicher, die er braucht, um beim Parteitag im Juli nominiert zu werden.

Die Delegierten dürften den Zeitpunkt für diese Veröffentlichung nicht zufällig gewählt haben. Genau einen Tag, nachdem Hillary Clinton einen weiteren schweren Schlag einstecken musste, dominiert - wie so oft - Trump mit Siegesnachrichten die Schlagzeilen. Am Montag hatte ausgerechnet das Außenministerium die ehemalige Chefin sehr harsch dafür kritisiert, dass sie gegen die Vorschriften ihren privaten E-Mail-Server für die Übertragung sensibler Daten genutzt hatte.

Pohl Ines Kommentarbild App

Ines Pohl, USA-Korrespondentin der DW

Eine Reaktion auf Clintons Schwäche

Je geschwächter Hillary Clinton ist, desto deutlicher schließen sich die Reihen hinter Donald Trump. Das ist nichts Neues. Gewinnertypen sind immer die attraktivere Alternative. Die Phänomene Donald Trump und Hillary Clinton sind deutlich komplexer und enger miteinander verwoben, als es beiden lieb sein dürfte. Vor allem Trump wäre ohne Clinton gar nicht möglich.

Zumindest außerhalb der USA wird niemand bezweifeln, dass es noch nie einen Kandidaten vor Clinton gegeben hat, der so qualifiziert war für dieses Amt wie sie. Allein, diese Tatsache interessiert hier in den USA nur am Rande. Im Gegenteil, ihr werden all die Jahre, die sie in der Politik gearbeitet hat, überwiegend zum Nachteil. Nicht nur wegen der vielen Fehler, die man zwangsläufig in einer so langen Zeit macht. Es ist vielmehr das nahezu dynastische Selbstverständnis, aus dem sie für sich das Recht auf das Präsidentenamt ableitet. Das passt mit dem Grundverständnis einer Demokratie einfach nicht zusammen.

Ein Ermüdungsbruch stellt sich ein

Vielleicht noch schwerwiegender aber ist die Aura der "Arroganz der Macht", die beide Clintons verströmen. Nur deshalb kann der relativ harmlose "E-Mail-Skandal" solche Wellen schlagen. Weil er für viele einmal mehr belegt, dass die Clintons für sich andere Rechte in Anspruch nehmen als sie für den Rest der Welt gelten. Dazu stellt sich langsam selbst bei eingefleischten Clinton-Fans ein Ermüdungsbruch ein. Wie oft will man das ewig gleiche Gesicht, dieselben Sätze und Gesten noch sehen?

Diese Verwundbarkeit versteht Donald Trump perfekt zu nutzen. Und die Republikaner vereinen sich nun hinter ihm, weil sie ihm inzwischen zu Recht zutrauen, Hillary Clinton schlagen zu können. Und nur noch darum geht es in diesem Wahlkampf. Nicht um wirklich neue, glaubwürdige, durchdachte Konzepte. Es geht nicht um realisierbare Gesellschaftsentwürfe oder außenpolitische Strategien. Hillary Clinton ist verwundbar und Donald Trump der gnadenlose Typ, der diese Schwächen um jeden Preis und ohne Schmerzgrenze ausnutzen wird.

Unberechenbarer Egomane

Donald Trump punktet als Triumphator, der Hillary Clinton besiegen kann. Immer mehr gemäßigtere Republikaner sind mittlerweile bereit und willens, dafür in Kauf zu nehmen, dass ein unberechenbarer Egomane im Weißen Haus regiert.

Dieser Wahlkampf ist reich an historischen Momenten. Der 26. Mai ist ein weiterer. Es ist der Tag, an dem mit Donald Trump nicht nur der Kandidat der Republikaner feststeht. Sondern mit zunehmender Wahrscheinlichkeit der nächste Präsident der Vereinigten Staaten.

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