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Myanmar-Krise

Kommentar: Die muslimische Heuchelei zu den Rohingya

Bei ihrem Protest gegen die Tötungen von Rohingyas in Myanmar schweigen muslimische Aktivisten sträflich über die Verfolgung von Minderheiten in ihren eigenen Ländern, meint Shamil Shams.

Von der Türkei bis Pakistan haben nahezu alle Länder mit überwiegend muslimischer Bevölkerung die Tötungen von Angehörigen der Rohingya-Minderheit in Myanmar angeprangert und die Militäroperation im Bundesstaat Rakhine verurteilt. Zugleich veranstalten islamistische Gruppierungen in Indonesien und Pakistan Massendemonstrationen gegen Myanmars Buddhisten, die Regierung und  die de-facto-Regierungschefin, Friedensnobelpreisträgerin Aung San SuuKyi. Auch die Rufe nach einer Wieder-Aberkennung der Auszeichnung werden lauter.

Shams Shamil Kommentarbild App

DW-Redakteur Shamil Shams

Es ist in der Tat schändlich, was da derzeit in Südostasien geschieht. Genauso verwerflich ist allerdings auch die Reaktion der muslimischen Länder auf das Leid der Rohingya. Beim Umgang mit religiösen oder sektiererischen Minderheiten bringen es die  Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit auf eine verheerende Bilanz. In Pakistan verstetigt sich die Benachteiligung von Hindus, Christen und Ahmadis staat-licher­seits seit Jahrzehnten. Mit ihren Anti-Blasphemie-Gesetzen haben die mehrheitlich islamischen Länder religiöse Minderheiten in ein Leben permanenter Angst gezwungen. Christliche Wohngebiete wurden  abgefackelt, Hindus drohten wegen angeblicher „Beleidigung des Islam" oder des Propheten gelyncht zu werden.

Die Slogans der Dschihadisten helfen den Rohingya nicht

Der Aufstieg des politischen Islam in Indonesien und Malaysia bedroht den kulturellen Pluralismus dieser Länder. Da ist es geradezu ironisch, wenn islamische Hardliner in Indonesien, Malaysia und Pakistan gegen die Unterdrückung der Rohingya in Myanmar protestieren .

Dies ist keine Rechtfertigung der Tatsache, dass die Rohingya zu den am stärksten unterdrückten Minderheiten weltweit zählen. Seit Jahrzehnten leben die  staatenlosen Rohingya in Myanmar. Doch auch das benachbarte Bangladesch - ein muslimisches Land - möchte sie nicht akzeptieren. Es ist eine große, unfassliche menschliche Tragödie. Diese aber mit religiösen Vorzeichen zu versehen, würde den Leiden einer unterdrückten Gemeinschaft Unrecht tun.

Es geht hier nicht um einen  Kampf zwischen Buddhismus und Islam. Tatsächlich waren es westliche Regierungen, Institutionen und Aktivisten, die ihre Stimmen für die Rohingya erhoben, als die Gewalt in Rakhine 2012 aufflammte. Die internationalen Hilfsagenturen helfen den Rohingya in Myanmar und den Flüchtlingslagern in Bangladesch mehr als Slogans skandierende Dschihadisten, der türkische Präsident Erdogan oder Pakistans Premier Abbassi.

Islamisierung des Konflikts

Die muslimische Verurteilung des Massakers an den Rohingya ist einseitig und verzerrt. Und sie  instrumentalisiert menschliches Leid für religiöse Zwecke. Der Konflikt in Rakhine war zu keinem Zeitpunkt einer zwischen Islam und Buddhismus. Es ist eine ökonomische und politische Auseinandersetzung, die die Region seit Jahren im Griff hat. Das dschihadistische Element dagegen wurde nachträglich eingespeist. Und dass auch durch die Islamisierung des Rakhine-Konflikts die missliche Lage der Rohingya nun eine militärische Zuspitzung erfahren hat, dafür zahlen einmal mehr die Rohingya den Preis.

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