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Welt

Kommentar: Danke, Hillary Clinton

Was als außenpolitische Rede von Hillary Clinton angekündigt war, war stattdessen eine einzige, lange Warnung vor den Gefahren einer Trump-Präsidentschaft. Und damit genau das, was jetzt nötig war, meint Michael Knigge.

Man muss kein Fan von Hillary Clinton sein, um gut zu finden, was sie mit ihrer außen- und sicherheitspolitischen Rede am Donnerstag in Kalifornien geleistet hat. Sie hat das Konstrukt, das Donald Trump als kohärente Außenpolitik verkaufen will, Punkt für Punkt als giftige Mischung aus Tiraden, Lügen und Beleidigungen entlarvt.

Und was noch viel wichtiger ist: Indem sie Trumps wiederholte Unwahrheiten, seine anmaßende Ignoranz und seine gefährliche Hybris bei nahezu allen internationalen Themen bloßgelegt hat, hat sie gleichzeitig eindrucksvoll nachgewiesen, warum Trump für das Präsidentenamt und als Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Staaten untauglich ist.

Nicht neu

Natürlich war nichts von dem neu, was Clinton über Trump und seine Sicht auf die Welt zu sagen hatte. Seine gefährlichen Positionen zu wichtigen globalen Themen wie Einwanderung, Terrorismus, Islam, NATO, Atomwaffenverbreitung und Russland sind hinlänglich dokumentiert und von vielen Beobachtern in den USA und außerhalb kritisiert worden. Deshalb ist es eigentlich nicht schwer, Trumps Eignung für das Präsidentenamt zu widerlegen. Ein längerer Blick auf Trumps Werdegang und Verhalten sollte genügen.

Michael Knigge Kommentarbild App

DW-Redakteur Michael Knigge

Leider waren jedoch seine republikanischen Rivalen um die Präsidentschaftskandidatur aus unterschiedlichen Gründen alle nicht fähig, geeignet oder willens, Trump ernsthaft die Stirn zu bieten - bis es zu spät war. Der beste Beweis, wie schlimm es um die Republikanische Partei inzwischen steht, kam noch während Clintons Rede: Die Bekanntmachung nämlich, dass nun auch der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, Trump unterstützt. Ryan hatte sich lange Zeit nicht nur kritisch gegenüber Trump geäußert, sondern galt vielen sogar als Last-Minute-Alternative für die republikanische Präsidentschaftskandidatur.

Da Trumps Übernahme der Republikanischen Partei nun vollendet ist, ist jetzt Hillary Clinton gefordert, Trumps autoritärer Vision für Amerika entgegenzutreten. Denn Trumps Zukunftsvision des Landes ist nicht nur für die Vereinigten Staaten hochriskant, sondern auch für den Rest der Welt.

Clintons Mumm

Clintons Rede in Kalifornien war denn auch ihr erster ernsthafter Versuch, Trump Paroli zu bieten. Es war keine Rede über konkrete politische Maßnahmen oder neue Strategien. Es war auch keine große Rede. Es war eine Wahlkampfrede mit dem klaren Ziel, Trump frontal anzugreifen. Das war lange überfällig. Und wie Trumps republikanische Rivalen bezeugen können, braucht es - in der Politik wie auf dem Schulhof - Mumm, sich dem mobbenden Großmaul entgegenzustellen. Hillary Clinton verdient Anerkennung, dies überzeugend getan zu haben. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

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