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Wissen & Umwelt

Kolossaler Eisberg bricht in der Antarktis ab

Eine riesige Eismasse ist vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis abgebrochen. Forscher vermuten, dass die Eisplatte durch globale Erwärmung instabil geworden war.

Der Eiskoloss, der sich vom Larsen-C-Schelfeis gelöst hat, ist fast 6000 Quadratkilometer groß, fast siebenmal so groß wie Berlin und damit der größte Eisberg, den Menschen je dokumentiert haben. 

Bereits seit Monaten hatten Arktisforscher den fortschreitenden Riss in der Eisplatte beobachtet und vorhergesagt, dass sie sich komplett lösen würde. Jetzt bestätigen Satellitenbilder, dass es passiert ist. Irgendwann in den letzten zwei Tagen muss sich die endgültige Loslösung des Eisgiganten ereignet haben.

In den letzten Monaten war der Riss, der 2010 erstmals sichtbar geworden war, immer größer geworden. Im Mai 2017 war er in nur einer Woche um 17 Kilometer gewachsen. Nach dem Abbruch ist das Larsen-C-Schelfeis nun um ein Zehntel kleiner geworden.

Eine unmittelbare Auswirkung wird das Naturschauspiel nicht haben, denn die Eisfläche ist unbesiedelt, es gibt dort auch keine Pflanzen oder Tiere. Aber Wissenschaftler machen sich Sorgen um mögliche Langzeiteffekte.

Natürliche Kreisläufe

Der Abbruch von Eisbergen folgt in der Antarktis natürlichen Zyklen: Permanent fließt Packeis aus der Mitte des Kontinents an die Ränder und in die Ozeane. Das Schelfeis auf dem Meer wächst dadurch etwa um 700 Meter pro Jahr.

Irgendwann brechen die äußeren Kanten ab, das ist nichts Ungewöhnliches. Das Wachstum setzt sich von innen weiter fort. Auch auf den Meeresspiegel hat das keinen Einfluss.

"Der Eisberg wird den globalen Meeresspiegel nicht anheben", sagt Daniela Jansen, Geophysikerin am Alfred Wegener Institut für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven, gegenüber der DW.

"Es ist so wie mit Eiswürfeln in einem Wasserglas. Wenn sie schmelzen steigt der Pegel nicht."

Aber der Abbruch könnte dennoch Folgen haben: Das Innere des Larsen-C-Schelfeises könnte durch das Abwandern der Eismassen instabil werden. Dann könnten weitere Schelfeis-Bereiche abbrechen.

Bereits in den letzten Jahren gab es Schelfeis-Platten, die abgebrochen sind und nicht mehr nachwachsen konnten: 1995 ist Larsen-A verloren gegangen, sieben Jahre später Larsen-B. Diese Schelfeis-Bereiche lagen einmal in den beiden großen Buchten nördlich von Larsen-C.

Klimawandel als Auslöser

Forscher wie Daniela Jansen vermuten, dass das Verschwinden dieser Schelfeis-Bereiche etwas mit der globalen Erwärmung zu tun haben könnte. "Das Verschwinden von Larsen A und B können auf wärmere Ozeantemperaturen im Bereich der antarktischen Halbinsel zurückgeführt werden. Jetzt stellt sich die Frage ob dieser Trend sich weiter nach Süden fortsetzen wird und langfristig auch Larsen-C destabilisieren wird."

Daten des Antarktis-Forschungsprojektes MIDAS von der University of Swansea in Großbritannien, deuten bereits den vollständigen Kollaps von Larsen-C an.

Das könnte zwar noch Jahrzehnte dauern, würde aber auch zu einem beschleunigten Abfließen des Eismantels dahinter führen, der jetzt noch über Land liegt. Das würde dann den Ozeanen weiteres Wasser zuführen und könnte am Ende doch noch zu einem Ansteigen des Meeresspiegels führen.

Was lernen wir daraus?

Die Antarktis ist ein hochkomplexes System, das Forscher schon seit langem beobachten. So konnten sie Trends beobachten und Vorhersagen treffen. "Heute bekommen wir alle sechs Tage neue Satellitenbilder. Das ist sehr spannend, weil wir damit den gesamten Prozess verfolgen können. Das wäre früher nicht möglich gewesen", sagt Jansen.

Die Geophysikerin fügt hinzu, dass die Lehren für die Zukunft bedeutend sind: "Mit den daraus gewonnenen Daten können wir Vorhersagen für die Entwicklung noch größerer Schelfeisbereiche treffen."

Besondere Sorgen bereiten den Forschern Schelfeis-Regionen und das dahinterliegende Packeis in den Gletschern der Westantarktis. Die dort lagernden Eisvorkommen würden ausreichen, um den Meeresspiegel um sechs Meter steigen zu lassen - falls sie irgendwann einmal komplett abschmelzen würden.

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