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Wissen & Umwelt

Kohleboom verhindert Klimaschutz

Fast die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen stammt aus der Kohleverbrennung. Experten sehen im Umstieg auf erneuerbare Energien die kostengünstige Option, um die Erderwärmung noch auf zwei Grad zu begrenzen.

Weltweit boomt die Kohlekraft. Innerhalb der letzten zehn Jahre stieg der Verbrauch sogar um über 50 Prozent - auf über fünf Milliarden Tonnen Kohle in 2012, so eine aktuelle Statistik des internationalen Energieunternehmens BP. Die dadurch freigesetzten Emissionen kletterten dadurch auf über 14 Milliarden Tonnen CO2 - was wiederum rund zwei Tonnen CO2-Emissionen pro Erdbewohner nur aus Kohlenutzung ergibt.

Für Gerald Neubauer, Experte für Kohleenergie und Klimaschutz bei Greenpeace, ist diese Tendenz "absolut dramatisch und eine Fehlentwicklung" und ein Ende der globalen Kohleverstromung ist längst nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Weltweit sind über 1000 neue Kraftwerke in Planung", betont Neubauer im DW-Interview.

Treibende Kräfte des globalen Kohleverbrauchs sind vor allem China und Indien. In diesen Ländern verdoppelte sich der Verbrauch innerhalb der letzten zehn Jahre. Rückgängig ist dagegen der Kohleverbrauch in den USA. Grund dafür seien nach Ansicht von Neubauer vor allem strengere US-Emissionsgesetze für Kohlekraftwerke.

Preisverfall von CO2-Zertifikaten führt zu Kohleboom

Trotz Boom der erneuerbaren Energien, auch die besonders klimaschädliche Verstromung von Braunkohle boomt in Deutschland. Der Grund liegt vor allem im Preisverfall für Verschmutzungsrechte, den CO2-Zertifikaten in Europa. Von 30 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2008 fielen die Preise für die Zertifikate inzwischen auf günstige vier Euro. Für Energiekonzerne wurde so vor allem Braunkohle rentabel - umweltfreundliche Gaskraftwerke, die im Vergleich nur ein Drittel CO2 pro Kilowattstunde Strom freisetzen, stehen inzwischen meist still. Vor allem durch diese Entwicklung stieg der Kohleverbrauch in Deutschland gegenüber 2011 um vier Prozent - und somit auch die nationalen C02-Emissionen um zwei Prozent.

Suche nach klimafreundliche und preisgünstige Energie

Experten sind sich alle einig, dass der massive CO2-Austoß aus der Kohleverbrennung das Klimaziel verhindert. Die Staatengemeinschaft hat sich verpflichtet, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Greenpeace-Experte Neubauer fordert deshalb einen weltweiten Baustopp von Kohlekraftwerken und "stattdessen volle Kraft für die erneuerbaren Energien und mehr Gaskraftwerke als Brückentechnologie".

Solarpark und Windanlagen (Foto: Juwi)

Vor allem Wind-, Wasser und Sonnenenergie sollen die klimafreundliche Energieversorgung übernehmen

Der Energiekonzern RWE sieht die Zukunft zwar auch im Ausbau der erneuerbaren Energien, hält zugleich aber an seiner klimaschädlichen Braunkohleverstromung fest. "Wir entwickeln die Braunkohlekraftwerke weiter, die Kraftwerke werden effizienter und der nächste Schritt ist ein Verfahren zur Abtrennung von CO2", erklärt Hans-Wilhelm Schiffer, Leiter für Wirtschaftspolitik und Wissenschaft bei der RWE. Mit der sogenannten Abtrennung möchte RWE das CO2 im Untergrund deponieren, sodass die schädigende Wirkung für das Klima ausbleibt. "Wir haben eine Pilotanlage und wenn das zum Erfolg führt, dann steht die Braunkohleverstromung dem Klimaschutz nicht entgegen."

Klima- und Energieforscher Professor Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, kann sich den Erfolg der C02- Abscheidetechnik in Deutschland jedoch nicht vorstellen. "Wegen der fehlenden Akzeptanz ist die Umsetzung nicht möglich". Die Technik, die frühestens ab 2025 in großen Kraftwerken einsetzbar wäre, ist zugleich aber auch teuer, "solche Anlagen erhöhen die Stromkosten um 60 bis 80 Prozent", so Fischedick im DW-Interview.

Mit Preisen von mindestens 13 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom wären neue Kohlekraftwerke mit Abscheidungstechnik in Deutschland kaum konkurrenzfähig. Windanlagen produzieren den Strom für rund sieben Cent pro kWh und große Solarparks in Deutschland schon heute für nur noch zehn Cent pro kWh.

Um die Klimaschutzziele kostengünstig zu erreichen "setzen alle Szenarien auf den Ausbau erneuerbare Energien und die Umsetzung der Energiesparpotenziale", so Fischedick. "Das sind auch für mich die beiden Schlüsselstrategien für den Erfolg für eine sichere und klimaverträgliche Energieversorgung der Zukunft."

Professor Claudia Kemfert, Klimaexpertin vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht in der CO2-Abscheidung aus Kosten- und Akzeptanzgründen ebenfalls keine Zukunft. "Die erneuerbaren Energien sind die einzige Option für eine nachhaltige und C02-arme Stromwirtschaft, sagt die Energieexpertin im DW-Interview."

Und auch für Neubauer kommt die CO2-Abscheidetechnik als "Lösung des Klimaproblems ohnehin viel zu spät." Er fordert für Deutschland einen gesetzlich geregelten Ausstieg aus der Kohleenergie. Und mit Blick auf die globale Entwicklung sagt er einen "dramatischen Niedergang" der Kohlewirtschaft voraus, "alles andere ist angesichts der Klimaprobleme nicht denkbar". Neubauer hofft auf weitere Preissenkungen bei den erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren - um dadurch schließlich "den weltweiten Durchbruch der Erneuerbaren" zu erleben.