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Wissen & Umwelt

Neubauer: "Wir wollen Kohlekraft stoppen"

Weltweit wird zunehmend Kohle verbrannt. Fast die Hälfte der CO2-Emissionen kommt inzwischen aus den Kohleschloten. Greenpeace-Experte Gerald Neubauer sagt der Kohlekraft den Kampf an.

Gerald Neubauer von Greenpeace (Copyright: Isadora Tast/Greenpeace)

Greenpeaceexperte Gerald Neubauer will weniger Klimagase und fordert höhere Preise für CO2-Zertifikate

Deutsche Welle: Herr Neubauer, 43 Prozent der CO2-Emissionen in der Welt stammen aus der Kohleverbrennung. Um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, müsste dieser Ausstoß radikal gesenkt werden. Aber die Kohleverbrennung steigt weltweit, neue Kohlekraftwerke werden gebaut. Was läuft hier schief?

Gerald Neubauer: Es ist eine absolut dramatische Entwicklung. Kein anderer Energieträger stößt so viel CO2 aus wie die Kohle. Trotzdem wird in der Welt weiterhin massiv auf Kohleverstromung gesetzt. Vor allem in Asien hatten wir in den letzten zehn Jahren einen sehr großen Zuwachs, wie in China oder Indien. Aber auch in Europa und in Deutschland nimmt die Kohleverstromung derzeit leider wieder zu.

Was muss sich ändern?

Wir müssen erneuerbare Energien strikter ausbauen. In Deutschland funktioniert das. Eine ähnliche Dynamik brauchen wir in anderen Ländern. Gleichzeitig brauchen wir scharfe Maßnahmen, um die Kohleverstromung zu begrenzen. Wir brauchen einen Baustopp bei Kohlekraftwerken. Weltweit sind über 1000 neue Kohlekraftwerke in Planung, das ist eine absolute Fehlentwicklung. Wir brauchen stattdessen volle Kraft für die erneuerbaren Energien und als Brückentechnologie Gaskraftwerke.

Angenommen, es gäbe einen weltweiten Baustopp von Kohlekraftwerken in den nächsten vier Jahren, aber die existierenden Kraftwerke blieben in Betrieb. Könnte dann überhaupt noch die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden?

Das wird sehr schwer. Es ist eine Frage, ob die Menschheit das will. Wir haben beispielsweise in den USA zurzeit eine recht positive Entwicklung. Die USA haben scharfe Grenzwerte für Luftschadstoffe erlassen, haben erneuerbare Energien ausgebaut und Präsident Obama will demnächst CO2-Grenzwerte für Kohlekraftwerke einführen. In den USA sehen wir einen starken Rückgang im Kohleverbrauch, allein im letzten Jahr um 12 Prozent. Andere Länder können es ähnlich machen.

In den letzten Jahren sind erneuerbare Energien sehr günstig geworden. Trotzdem werden noch Kohlekraftwerke gebaut. Ist Kohlestrom noch günstiger?

Errichtung und Betrieb sind noch immer günstig. Die externen Folgekosten der Kohleverstromung werden dabei aber nicht eingerechnet. Das sind zum einen die verheerenden Kosten, die der Klimawandel verursachen wird. Und auch die Kosten für die menschliche Gesundheit sind durch den Ausstoß von Luftschadstoffen erheblich. Der Smog in China zum Beispiel.

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Was müsste die Politik tun?

CO2 muss einen Preis bekommen - durch CO2-Steuern oder mithilfe des Emissionshandels. In Europa hat der Emissionshandel derzeit jedoch keine Lenkungsfunktion. Die EU-Kommission wollte einen CO2-Preis von 30 Euro pro Tonne, derzeit liegt er bei vier Euro. Dieser niedrige Preis macht Kohlestrom zu billig. Wichtig ist auch, schädliche Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Feinstaub und Quecksilber, durch schärfere Grenzwerte zu begrenzen. Das würde die Kohleverstromung teurer machen, die Folgekosten wären aber niedriger. Vor allem brauchen wir aber den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Politik muss hier ein schnelles Tempo unterstützen.

Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft der Kohlekraft?

Wir von Greenpeace setzen alles daran, dass die Kohleindustrie weltweit einen dramatischen Niedergang erleben wird. Alles andere ist auch nicht denkbar, wenn wir das Klimaproblem angehen wollen. Jetzt stehen die erneuerbaren Energien vor dem Durchbruch, sie können Strom zu gleichen Kosten wie fossile Energieträger produzieren. Wir hoffen, dass die Dynamik der Preissenkung sich in den nächsten Jahren noch verstärkt und die Erneuerbaren den globalen Durchbruch erleben. Und dann wird es auch mit der Kohleverstromung massiv bergab gehen.

Gerald Neubauer ist Experte für Kohleenergie und Klimaschutz bei Greenpeace in Deutschland. Der Politologe ist seit 20 Jahren Aktivist in der Umweltbewegung.

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