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Aktuell Nahost

Kobane: Kurzes Innehalten in der Schlacht

Von einer Atempause für die Menschen im syrischen Kobane ist die Rede, aber auch von einer Pufferzone, damit die Bevölkerung vor den weiteren Attacken der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bewahrt werden kann.

Nach Agenturberichten hat es einige Erfolge im Kampf gegen die IS-Miliz gegeben. Aber die vollzogenen Luftschläge sind nach Überzeugung der Militärs im Pentagon nicht ausreichend, um die IS-Kämpfer in die Flucht zu schlagen und die Stadt tatsächlich zu retten. Die Angriffe hätten in und um die an der syrisch-türkischen Grenze gelegene Stadt zwar durchaus gewirkt, sagte Pentagonsprecher John Kirby. "IS besitzt Kobane derzeit nicht." Möglicherweise habe sich ein Teil der Kämpfer zurückgezogen - auch wegen des militärischen Drucks, den die USA und ihre Verbündeten aus der Luft ausgeübt hätten. Dennoch warnte Kirby, dass Luftangriffe allein nicht ausreichten, um die Belagerung Kobanes zu stoppen. Gefallen ist die Stadt jedoch noch nicht, zeigten sich die US-Generäle überzeugt.

Erdogans Idee der Pufferzone

Angesichts der schweren Kämpfe in der Stadt war erneut die Einrichtung einer Pufferzone im Gespräch. Die mehr als eine Million Flüchtlinge, die bereits die Grenzen überquert hätten, seien ein Problem für die Türkei, den Libanon und Jordanien, sagte US-Außenminister John Kerry. Auch sein britischer Amtskollege Philip Hammond sagte bei einem Treffen mit Kerry, die Idee einer Pufferzone sei noch nicht vom Tisch. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte sich in einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan für ein solches Projekt stark gemacht - so wie Erdogan selbst auch.

Für die kurdischen Verteidiger der nordsyrischen Stadt jedenfalls sah es zuletzt nach einer Atempause aus. Augenzeugen berichteten, die IS-Angreifer seien zurückgedrängt und aus einigen Stadtvierteln sogar vertrieben worden. Südlich von Kobane, das auf Arabisch "Ain al-Arab" heißt, seien mehrere Fahrzeuge und ein Artillerie-Geschütz der Dschihadisten durch die US-Attacken aus der Luft vernichtet worden. Außerdem habe man ähnliche IS-Ziele im Südwesten und Süden der Stadt zerstört. Schließlich griff das Luftwaffenbündnis ein Ausbildungslager nahe der IS-Hochburg Rakka sowie einen Panzer bei Deir Essor an.

Nur kurz abgeflaut

Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf ein Netzwerk von Beobachtern in Syrien stützt, berichtete davon, dass die Dschihadisten mehrere Stadtviertel im Osten und am Südwestrand Kobanes verlassen hätten. Im Osten hätten die Dschihadisten später aber erneut angegriffen, um verlorene Straßenzüge zurückzuerobern - Die Schlacht um Kobane ist noch lange nicht beendet. Ein dpa-Korrespondent berichtete von der Grenze die Kämpfe seien nur abgeflaut, um danach mit aller Heftigkeit fortgesetzt zu werden.

Türkische Panzer an der Grenze (Foto: Reuters)

Türkische Panzer in Position - Kobane in Sichtweite

"Unser Hauptproblem ist der Mangel an Lebensmitteln für die Verteidiger", sagte ein kurdischer Kämpfer, der es verletzt bis in die Türkei geschafft hatte. "Außerdem fehlen uns Waffen und Munition", sagte er der dpa im türkischen Grenzdistrikt Suruc. Ein anderer Kämpfer der Volksschutzeinheiten, der aus Kobane über die Grenze kam, äußerte sich pessimistisch: "Die Situation ist schlechter, als die Menschen denken." Viele seien ernsthaft verletzt und noch immer in Kobane. "Es war nicht möglich, sie rauszubringen."

Der Bündnisfall

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach bei einem Treffen mit seinem jordanischen Kollegen Nasser Dschudeh in Berlin von einer Fortsetzung der "syrischen Tragödie". Und: "Wir müssen bekennen, dass wir das geeignete Mittel noch nicht gefunden haben, um den langdauernden Krieg und Bürgerkrieg in Syrien einem Ende zuzuführen." An diesem Donnerstag wird der neue NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu Beratungen über die Lage in der Türkei erwartet. Sollte die Terrormiliz IS von Kobane in Richtung Türkei vorrücken, könnte Ankara den Bündnisfall ausrufen, der NATO-Partner zur Verteidigung der Türkei verpflichten würde.

Die Situation an der Grenze bringt die Regierung in Ankara zunehmend in Bedrängnis. Im kurdisch dominierten Südosten der Türkei kamen bei Protestmärschen für den Schutz der Grenzstadt mindestens 14 Menschen ums Leben, wie örtliche Medien übereinstimmend berichteten. Bisher haben die an der Grenze stationierten türkischen Truppen nicht in die Kämpfe eingegriffen. Fraglich, ob und wie lange das so bleiben kann.

ml/qu (dpa, afp)