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Deutschland

Klima-Datenbank soll Landwirten helfen

Können Bauern in Ostdeutschland in zwanzig Jahren noch Getreide anbauen? Trinken wir zukünftig Wein aus Hamburg? Auf einer neuen Internetseite versuchen Klimaforscher, Antworten auf derartige Fragen zu geben.

Ob sich am nächsten Tag ein Ausflug mit dem Fahrrad lohnt oder ein Sturm heranzieht, kann jeder leicht herausfinden. Für die Wetterprognose gibt es seit Anfang der 1950er Jahre den Deutschen Wetterdienst - und inzwischen auch zahlreiche Fernseh- und Radiostationen sowie Internetseiten. Schwieriger ist es, herauszufinden, ob Landwirte in ihrer Ortschaft in zwanzig Jahren noch Weizen oder Gerste anbauen können, oder ob das eine Dürre verhindern wird. Mit solchen Szenarien beschäftigt sich seit dem vergangenen Jahr ein Team von Forschern der Humboldt-Universität (HU) Berlin und aus Potsdam. Ab dem 1. Dezember 2012 soll ihre neue Internetseite "Klimafolgen Online" abrufbar sein, die die Auswirkungen des Klimawandels mit Hilfe von Karten und anderen Grafiken veranschaulichen soll. Kooperationspartner ist das bekannte Internetportal "Wetter Online".

Screenshot der Seite www.klimafolgenonline.com (Quelle: WetterOnline)

So soll die Internetseite klimafolgenonline.com aussehen

"Es ist eine komplette Modellkette, die aufeinander abgestimmt ist", erklärt Prof. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom "Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung" (PIK). "Wir bieten neben den Klimaangaben auch Informationen zu Wasser, Forst- und Landwirtschaft, Tourismus und Energie." Das unterscheide die Seite von schon vorhanden Angeboten, wie etwa dem Regionalen Klimaatlas der Helmholtz-Gemeinschaft. Klimafolgen Online mache es durch einen breiteren Ansatz möglich, dass sich zum Beispiel Landwirte frühzeitig auf veränderte Bedingungen vorbereiten können. Nicht nur die Temperatur und Niederschlagsmenge, die zu einem zukünftigen Zeitpunkt erwartet wird, sollen im Internet abrufbar sein, sondern auch Informationen darüber, wie viel Grundwasser noch vorhanden ist oder ob Hochwasser droht.

Wüste im Osten?

Besonders hart werde es Ostdeutschland treffen, sagen die Forscher des PIK. Das ist den Landwirten vor Ort bereits bekannt: "Nachdem, was bisher gesagt wurde", fasst Holger Brantsch vom Landesbauernverband Brandenburg zusammen, "heißt es im Prinzip: Es kommt zu größeren Extremen. Es kann in einzelnen Jahren bedeutend nasser oder trockener werden." Sich auf Dürre und Überschwemmungen gleichzeitig vorzubereiten sei selbstverständlich schwierig. Getreidebauern der Region könnten aber zum Beispiel die Anbausorte wechseln, erklärt Brantsch im Gespräch mit der Deutschen Welle. Die bringe dann vielleicht weniger Ertrag, aber dafür seien die Pflanzen auch robuster.

Die Folgen des Klimawandels sind aber nicht die größte Sorge der meisten Landwirte, meint Bartsch. Dass sie die Internetseite ab Dezember im großen Stil nutzen werden, sei unwahrscheinlich: "Die Einflüsse auf die Erträge eines Betriebes durch die aktuelle Politik, Markteinbrüche oder Skandale sind bedeutend größer, als der Einfluss des Klimas." Das hieße aber nicht, dass das Thema keine Rolle spielt. Auch der Landesbauernverband arbeitet mit Forschern der Humboldt-Universität Berlin zusammen. Da die Region unter anderem bekannt für ihren Spargel ist, die sandigen Böden vor Ort und die erwartete Trockenheit den Anbau aber erschweren, versuchen Wissenschaftler und Bauern neue Bewässerungssysteme zu entwickeln.

Die Beelitzer Spargelkoenigin in Beelitz (Foto: Theo Heimann/dapd)

Spargelhöfe in Brandenburg feiern traditionell den ersten gestochenen Spargel der Saison

Pessimismus soll wirken

Die neue Internetseite ist für jedermann zugänglich, soll aber in erster Linie Politiker und Verbände inspirieren. "Ich hoffe, dass wir in Dialog kommen mit den Nutzern und den Entscheidungsträgern", sagt Projektleiter Gerstengarbe. "Denn die brauchen solche Informationen, die wir gerne bereit stellen." Um das Zukunftsmodell, auf dem "Klimafolgen Online" basiert, zu erstellen, haben die Forscher verschiedene Datensätze genutzt.

Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe (Foto: PIK)

Professor Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe erforscht die Folgen des Klimawandels

Einerseits haben sie die Temperaturmessungen, die es seit 1901 in Deutschland gibt, weiter hochgerechnet: Bis zum Jahr 2100 würden danach die Temperaturen durchschnittlich zwischen 3,6 und 4,1 Grad steigen. Andererseits ist eines der Szenarien des Weltklimarats (IPCC) mit eingeflossen und zwar das pessimistischste. Von dem behaupten allerdings einige Forscher, es sei schon wieder überholt. Da das Projekt aber zunächst in eine Pilotphase startet und Ideen von Außenstehenden durchaus erwünscht sind, glaubt Gerstengarbe, dass weitere Zukunftsmodelle hinzukommen werden.

Deutschland ist im Vergleich zu anderen Regionen, wie der Arktis, weniger in seiner Existenz vom Klimawandel bedroht. Es wird, so vermutet das Potsdamer Institut, vielmehr eine Kostenfrage werden. Denn um die Folgen einer Umweltkatastrophe, wie etwa die Überflutung der Elbe im Jahr 2002, zu beseitigen, braucht es das nötige Geld. Um große Verluste in Zukunft zu vermeiden, empfiehlt das Institut daher zeitnahe Investitionen. Einige Regionen können sich hingegen auf neue Ertragsmöglichkeiten einstellen. Wenn die Temperaturen steigen, wird der Weinanbau vielleicht zukünftig in Gegenden möglich sein, wo es bisher nicht möglich war.

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