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Europa

Klare Sprache statt EU-Kauderwelsch

Außenstehenden erscheint die Europäische Union oft undurchschaubar. Dabei versucht die EU seit Jahren, die Arbeit in Brüssel anschaulich darzustellen. Erster Schritt: verständlich sprechen.

In der EU gibt es 23 Amtssprachen. Aus finanziellen und zeitlichen Gründen werden allerdings nur offizielle Dokumente in alle Sprachen übersetzt. Für die Heerscharen von EU-Beamten in Brüssel ist fast immer Englisch die eigentliche Arbeitssprache.

Eine echte Herausforderung, findet Paul Strickland. Denn immer mehr Dokumente würden von Leuten verfasst, deren Muttersprache nicht Englisch ist, so der Leiter der Redaktion des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission gegenüber der DW: "Das ist der Hauptgrund für Kommunikationsprobleme innerhalb der Kommission."

Bitte klar und einfach

Titel: EU Jargon Bildbeschreibung: Paul Strickland and Fiona Harris, DG Translation, European Commission. Aufgenommen am 07.09.2012 in Brüssel. Die Fotografin (Joanna Impey) ist Mitarbeiterin der DW, deshalb sind alle Rechte bereits geklärt.

Strickland und seine Kollegin unterstützen die Schreibkampagne

Viele Dokumente seien in einer Art "internationalem Englisch" geschrieben, erklärt Strickland - und daher oft schwer verdaulich. Ein Negativbeispiel aus einem Leitfaden der Kommission zum Thema "Klar und deutlich Schreiben":

"The intention of the Commission is the reinforcement of the monitoring of the development of these policies and thus the assurance of the continuation of the agreed strategies by the Member States." ("Die Intention der Kommission ist es, die Beobachtung der Entwicklung dieser Prozesse zu intensivieren und damit auch die Zusicherung der Weiterführung der beschlossenen Strategien durch die Mitgliedstaaten.")  

Derartigem Kauderwelsch hat Paul Strickland den Kampf angesagt. Vor zwei Jahren startete die Kommission eine internationale Kampagne, die Mitarbeitern helfen soll, verständlicher zu schreiben. Kürzere, einfachere Dokumente mit weniger Fachjargon waren das Ziel, sie sollten zugänglicher für die Leser sein.

Schreiben in einer fremden Sprache

Anita Ryczan Die Fotografin (Joanna Impey) ist Mitarbeiterin der DW, deshalb sind alle Rechte bereits geklärt.

Anita Ryczan schätzt die Schreibkurse der Europäischen Kommission

Schreibkurse sind besonders wichtig für Mitarbeiter, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Anita Ryczan kommt aus Polen. Sie arbeitet noch nicht lange bei der Kommission, schreibt allerdings oft Pressemitteilungen und Berichte auf Englisch. Da kam ihr der Schreibkurs im Sommer gerade recht, erklärt sie, denn man müsse sich immer wieder bewusst machen, dass man bei Übersetzungen leicht in Fachjargon verfällt, ohne es zu merken.

Die Kurse helfen also EU-Mitarbeitern, besser miteinander zu kommunizieren. Aber kommen die verständlicheren Formulierungen auch bei den 500 Millionen Bürgern der EU an?

Tony VenablesDie Fotografin (Joanna Impey) ist Mitarbeiterin der DW, deshalb sind alle Rechte bereits geklärt.

Tony Venables sieht noch politischen Handlungsbedarf

Nicht wirklich, meint Tony Venables. Die interne Kommunikation der EU habe sich zwar verbessert, nicht aber die Kommunikation mit dem Rest der Welt. Dafür sei mehr politische Unterstützung nötig, erklärt der Direktor des "European Citizen Action Service", einer gemeinnützigen Initiative, die Nichtregierungsorganisationen und Bürgern hilft, sich in der EU bemerkbar zu machen. "Es gibt eine Infrastruktur und auch Gelder und Mitarbeiter", so Venables - aber besonders aktiv oder gar schlüssig sei das alles nicht.

Allmählicher Fortschritt

Eine institutionelle Kultur lasse sich eben nicht über Nacht ändern, meint Paul Strickland. Der Redakteur ist allerdings überzeugt, die Kampagne zum klaren Schreiben führe langsam aber sicher zu Verbesserungen.

Die wichtigste Botschaft des Schreibkursteams ist und bleibt, "Schreibt kurz und einfach". Nehmen sich die Autoren in der EU das zu Herzen, sind solche Sätze Vergangenheit:

"There is a need for an intensification of community efforts aimed at the prevention of the pollution of the coastlines of Europe through the accidental spillage of oil."(Es gibt einen Bedarf, die Bemühungen der Gemeinschaft hinsichtlich der Vermeidung von Umweltverschmutzung durch unfallbedingte Ölverseuchung an den europäischen Küsten  zu intensivieren.")  

Stattdessen könnte es schlicht heißen:

"The EU must do more to protect coasts from oil spills."(Die EU muss mehr tun, um die Küsten vor Ölverseuchung zu schützen.")

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