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Fokus Osteuropa

Kirgisistan: Hauptstadt leidet unter maroder Infrastruktur

Die kirgisische Hauptstadt ist überbevölkert. Bürgermeister Danijar Usenow hat sich an westliche Geldgeber mit der Bitte gewandt, Mittel für die Sanierung der lebenswichtigen Infrastruktur Bischkeks bereitzustellen.

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Blick auf den Siegesbogen in Bischkek

Die Infrastruktur Bischkeks - die Verkehrswege, Stromnetze, die Kanalisation und die Wasserleitungen – sind in einem katastrophalen Zustand, heißt es in einem Bericht, der von der Verwaltung der kirgisischen Hauptstadt nun vorgelegt wurde. Der Leiter der Pressestelle der Stadtverwaltung Bischkeks, Ermek Kosubekow, sagte der Deutschen Welle, hinzu komme das Problem der Zuwanderung vom Lande. Inoffiziellen Angaben leben bereits zwei Millionen Menschen in Bischkek. Die sowjetischen Stadtplaner hatten die Infrastruktur der Stadt aber nur für 500.000 Einwohner ausgerichtet. Kosubekow beklagt, die Stadt komme mit der Belastung nicht zurecht. Die Infrastruktur habe ihre Grenzen längst erreicht. Nun drohe eine soziale Katastrophe.

Entwicklungsplan für die Jahre 2008-2010

Um all diese Probleme zu lösen, erarbeitete Bischkek ein Programm zur Entwicklung der kirgisischen Hauptstadt. Kosubekow berichtete: "Kurz vor Neujahr wurde in Bischkek erstmals ein dreijähriges Entwicklungsprogramm für die Stadt angenommen, in dessen Rahmen die wichtigsten Richtlinien für den Haushalt festgelegt sind. Bischkek ist zurzeit der Hauptanziehungspunkt für alle Migrationsströme im Lande. Praktisch alle Migranten sind Menschen vom Lande im arbeitsfähigen Alter."

Der Leiter der Pressestelle der Stadt Bischkek betonte, die innere Migration trage zur Verarmung der Stadtbevölkerung bei. Es gebe auch kein Programm zur Integration der Migranten. Zudem nimmt durch den Anstieg der Bevölkerung auch der Verschleiß der Infrastruktur weiter zu.

Einwohner leiden unter Trinkwassermangel

Kosubekow macht darauf aufmerksam, dass heute in Bischkek ein starker Mangel an Trinkwasser besteht. Es seien etwa 300 neue Brunnen erforderlich. Außerdem reichten die Kapazitäten des Bischkeker Heizkraftwerks nicht aus, um den in den letzten Jahren stark gewachsenen Wohnungssektor mit Wärme zu versorgen. "Es fehlt ein Programm zur Entwicklung der Infrastruktur der Stadt. 27 Kilometer der Straßen sind nicht asphaltiert. Mehr als 199 Kilometer der Heiznetze sind veraltet. Derzeit müssten 269 Kilometer des Wasserleitungsnetzes erneuert werden. Es besteht eine Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten des Heizkraftwerkes und der Heizbelastung. Bekanntlich werden in der Stadt sehr viele luxuriöse Hochhäuser gebaut, und sie alle werden an das Heizungsnetz angeschlossen. Die Situation in der städtischen Wirtschaft ist ziemlich kompliziert", erläuterte der Leiter der Pressestelle der Stadt Bischkek.

Stadt erstickt am Verkehr

Ein weiteres großes Problem in der kirgisischen Hauptstadt ist die stark wachsende Anzahl von Autos. Bischkeks Straßen sind eng, eine Metro gibt es nicht, und das Straßennetz wird nicht ausgebaut. Aber gleichzeitig steigt die Zahl der Kleinbus-Unternehmen und Privatautos immer weiter. Dies hat inzwischen zu einem dramatischen Anstieg der Verkehrsunfälle geführt. Kosubekow zufolge will die Stadtverwaltung das Problem verstopfter Straßen nun lösen, indem es die Anzahl der Fahrzeuge privater Kleinbus-Unternehmen auf den Straßen reduziert. Gleichzeitig will Bischkek den städtischen öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Dafür sollen mehr Busse gekauft werden. Die erste Lieferung traf bereits Ende des vergangenen Jahres in Bischkek ein.

Dringender Bedarf an Investitionen

Der Leiter der Pressestelle der Stadt Bischkek sagte, die Stadtverwaltung versuche jedes Jahr, mehr Mittel für die Verkehrswege bereitzustellen. Architekten und Stadtplaner würden Verkehrslösungen entwickeln, aber sie alle stünden heute lediglich auf dem Papier. Auch um die Probleme bei der Strom- und Wasserversorgung sowie bei der Entwässerung zu lösen, sind Milliardensummen notwendig. Über entsprechende Finanzressourcen verfügt die Stadt Bischkek allerdings nicht. Deswegen ruft der neue Bürgermeister Danijar Usenow westliche Geldgeber auf, Bischkek bei der Sanierung der Infrastruktur finanziell zu unterstützen.

Saida Jusupchanowa, DW-Zentralasien

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