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Kultur

Kirche: Neue Forschung zum Missbrauch

Die katholische Kirche in Deutschland startet einen neuen Versuch, den Missbrauchsskandal in den eigenen Reihen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Kann sie so die Präventionsarbeit verbessern?

Es ist bereits der zweite Anlauf. Der erste Versuch zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals scheiterte Anfang 2013. Die Katholische Bischofskonferenz hatte wegen Meinungsverschiedenheiten eine Studie zu diesem Thema gestoppt. Projektleiter Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen warf der Kirche darauf hin im Deutsche Welle-Interview vor, an einer Aufarbeitung des Skandals nicht wirklich interessiert zu sein. Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz, erklärte nun zum Neustart, die Bischöfe wollten "Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche - um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen."

Deutschland Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz

Harald Dreßing, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, und Matthias Kopp (v.l.n.r.) stellten die neue Forschung zum Missbrauch in der katholischen Kirche vor.

Dazu hat die Deutsche Bischofskonferenz nun ein aus vier Instituten bestehendes Forschungskonsortium beauftragt. Leiter ist Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Insgesamt beteiligen sich sieben Professoren an dem Projekt, darunter der Leiter des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, Andreas Kruse, sowie Dieter Dölling, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg.

Etliche Akten wurden vernichtet

Ziel der auf dreieinhalb Jahre angelegten Studie sei es, eine Übersicht über die dokumentierten Missbrauchsfälle zu gewinnen und diese auszuwerten. Das Kirchenrecht schreibt allerdings vor, dass der größte Teil der Akten nach zehn Jahren vernichtet werden muss, was die Arbeit der Forscher erheblich erschwert. "Deswegen wollen wir auf zwei Wegen vorgehen", so Kriminnologe Dölling gegenüber der Deutschen Welle, "wir wollen nicht nur die Kirchenakten auswerten, sondern auch die Strafverfahrensakten, die es noch zu diesen Fällen gibt." Bisher kann es sich bei der neuen Forschungsstudie allerding nur um eine exemplarische Aufarbeitung handeln. Die Analyse erstreckt sich auf neun Bistümer seit 1945 und auf 18 Bistümer seit 2000.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer

Der Kriminologe Christian Pfeiffer

Nach Einschätzung des früheren Projektleiters der Forschungsstudie, Christian Pfeiffer, schlummern aber noch zahlreiche unerforschte Akten straftätiger Priester im Archiv der katholischen Kirche. Pfeiffers Nachfolger Dölling ist zuversichtlich, dass die Kirche im Verlauf der Sudie ihre Haltung zu den Aufbewahrungsfristen ändern könnte. Der Streit darüber hatte letztlich zu dem Zerwürfnis zwischen Kirche und dem renommierten Kriminologen Pfeiffer geführt.

Mehr Präventionsmöglichkeiten

In einem ersten Schritt wollen die Forscher die Missbrauchsfälle mengenmäßig erfassen. Darauf soll eine qualitative Auswertung folgen. "Durch Interviews mit Kirchenverantwortlichen, mit Opfern und auch mit Tätern wollen wir besser verstehen, wie es dazu kam", sagt Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz. "Was können wir tun, um Missbrauch künftig zu verhindern?"

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