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Asien

Kirche als Friedensstifter

In dieser Woche besucht Papst Franziskus Sri Lanka. Fünf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs spielt die katholische Kirche dort eine wichtige Rolle im Versöhnungsprozess zwischen Singhalesen und Tamilen.

Im Präsidentschaftswahlkampf wurden Sri Lankas Christen von beiden Seiten umgarnt. Je knapper das Rennen um das höchste Amt im Staate wurde, desto stärker rangen der vor einer Woche abgewählte Amtsinhaber Mahinda Rajapaksa und sein Herausforderer Maithripala Sirisena um die Minderheit. Beide besuchten Anfang Dezember die gerade tagende Bischofskonferenz des Landes, um für Unterstützung durch die Christen des Landes zu werben. Doch die Versammlung der Geistlichen hatte kein Interesse daran, sich von einer Partei vor den Karren spannen zu lassen. Ende November waren überall im Land große Plakate aufgetaucht, die Rajapaksa zusammen mit Papst Franziskus zeigten. Bei vielen Kirchenvertretern stießen diese jedoch auf Unverständnis. Sie warnten vor einer Instrumentalisierung des Papstbesuchs (13.-15.01.2015).

Bereits ein Jahr zuvor hatte die Bischofskonferenz dem damaligen Präsidenten Rajapaksa ein vernichtendes Zeugnis für seine Politik seit Ende des Bürgerkrieges ausgestellt. Im Dezember 2013 forderte sie die "Versöhnung und den Wiederaufbau der Nation", "grundlegende Reformen" und eine Rückkehr zur "Herrschaft des Rechts".

Auf beiden Seiten verankert

Christliche Pilger in der Tamilenregion bei Jaffna (Foto: AFP/Getty Images)

Christliche Pilger in der Tamilenregion bei Jaffna

Die überwiegend katholischen Christen machen im 21-Millionen-Einwohner-Staat Sri Lanka gerade einmal acht Prozent aus. Sie gehören je etwa zur Hälfte der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit und der tamilischen Minderheit an. Bei der Aufarbeitung des jahrzehntelangen Bürgerkrieges zwischen der Zentralregierung und der tamilischen Rebellengruppe LTTE kommt der katholischen Kirche eine Schlüsselrolle zu. Von 1983 bis 2009 kämpften die tamilischen Separatisten für einen eigenen, unabhängigen Staat im Norden und Osten des Landes. Nach über 25 Jahren endete der Bürgerkrieg mit der vollständigen militärischen Niederlage der Rebellen. Insgesamt sollen in diesem Konflikt zwischen 80.000 und 100.000 Menschen ums Leben gekommen sein.

Heute ist die katholische Kirche die einzige einflussreiche Institution, die in beiden Bevölkerungsgruppen verankert ist. "Die srilankische Kirche hat deutlich gemacht, dass Franziskus im Auftrag der Versöhnung kommt", erklärt der Heidelberger Politologe und Sri Lanka-Experte Radu Carciumaru. "Das heißt, er kommt zu allen Srilankern, und das sehen die Menschen auch so. Für Singhalesen und Tamilen, egal ob Buddhisten, Hindus oder Muslime, ist der Besuch ein großes, ein spirituelles Ereignis."

Große Widerstände

Srilankische Nationalflaggen nach dem Sieg über die LTTE 2009 (Foto: AP)

Die Mehrheit jubelte 2009 über die Niederlage der tamilischen Separatisten, die nationale Aussöhnung lässt noch auf sich warten

Doch die politische Lage im Land ist auch fünf Jahre nach Ende des Bürgerkrieges weiterhin angespannt. "Das Misstrauen nach diesem langen brutalen Krieg ist auf beiden Seiten sehr groß", sagt Carciumaru. "Die früheren Rebellengebiete, vor allem im Norden, werden weiter vom Militär kontrolliert, was eine Normalisierung des Lebens unmöglich macht." Und die Regierung bemühe sich kaum darum, daran etwas zu ändern. "Man könnte fast sagen: Sie verhindert bisher die Aufklärung der Kriegsverbrechen, die von der Armee während des Konflikts verübt wurden. Und Hunderte ehemalige Tamilen-Kämpfer sitzen weiter im Gefängnis", so Carciumaru.

Die katholische Kirche hat wiederholt zur Versöhnung und zur Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit im Land aufgerufen. Als ständiger Mahner errang etwa Rayappu Joseph, der Bischof von Mannar im Norden des Landes, auch internationale Bekanntheit. Der Tamile prangert immer wieder die eklatanten Menschenrechtsverletzungen vor allem in der Schlussphase des Bürgerkriegs an; er verlangt eine Untersuchung durch die UN. Auch durch zahlreiche Morddrohungen oder Beschimpfungen via Internet hat er sich bislang nicht davon abbringen lassen.

Lokale Versöhnungsarbeit

Gläubige Buddhistin mit Blume (Foto: Getty Images /AFP)

70 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten

Auch Papst Franziskus plant während seiner Reise mehrere Friedensappelle. Denn der ethnische Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen ist nicht die einzige gesellschaftliche Bruchlinie im Land. "Radikale Buddhisten hetzen gegen andere Religionen, vor allem gegen Muslime und evangelikale Christen, denen sie Missionierung vorwerfen", so der Heidelberger Sri Lanka-Experte Carciumaru. "Außerdem haben der Rajapaksa-Clan und seine Günstlinge um den Machterhalt gekämpft und Medien, Polizei und Geheimdienst gegen ihre Gegner eingesetzt". Und so sei Sri Lanka noch weit von einer gemeinsamen Identität entfernt. Die katholische Kirche spiele in dieser Situation aber eine wichtige Rolle, so Caciumaru: "Besonders auf lokaler Ebene gibt es viele Beispiele für eine wirksame kirchliche Versöhnungsarbeit. Dazu kommt, dass sich die Kirche stark im Bildungs- und Wohltätigkeitsbereich engagiert und so zur Stabilisierung der Gesellschaft beiträgt." Der jetzige Besuch von Papst Franziskus in Sri Lanka soll nicht zuletzt auch dieser Arbeit das nötige Rampenlicht verleihen.

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