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Wirtschaft

Kirch vor dem Aus

Der deutsche Medienkonzern Kirch ist offenbar am Ende. Nach erneut gescheiterten Rettungsversuchen steht das finanziell schwer angeschlagene Unternehmen nach Einschätzung der Banken kurz vor der Insolvenz.

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Abschied vom Lebenswerk: Leo Kirch

In der Nacht zu Freitag (5.4.) waren Krisen-Gespräche in Los Angeles und München ergebnislos abgebrochen worden. "Es ist vorbei", hieß es in Verhandlungskreisen. Weder die Verhandlungen von Bankmanagern mit dem anglo-amerikanischen Medienunternehmer Rupert Murdoch in Los Angeles noch Gespräche zwischen Gläubigern und Investoren in München brachten eine Einigung. Damit dürfte der Insolvenzantrag nur noch eine Frage der Zeit sein, hieß es. Die Verhandlungsrunden am Donnerstag (4.4.) in München und Los Angeles galten als letzter Hoffnungsschimmer für die Rettung des größten deutschen Filmrechtehändlers und TV-Konzerns.

Zerstrittene Investoren

Die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz sei nach den gescheiterten Gespräche über Nacht auf 90 bis 95 Prozent gestiegen, hieß es bei einer Gläubigerbank. Vorher hatten die Banken die Chancen zwischen Rettung und Pleite auf 50:50 geschätzt. Wenn nicht noch ein Wunder geschehe, werde der Insolvenzantrag bis spätestens Dienstag gestellt, hieß es nun. Aus Bankenkreisen verlautete, eine "Überraschung" zur Rettung Kirchs könne nur von den Investoren kommen. Diese seien jedoch untereinander zerstritten.

Die KirchGruppe ist mit mehr als 6,5 Milliarden Euro verschuldet. In den kommenden Tagen und Wochen stehen eine Reihe von Zahlungsverpflichtungen an, die Kirch nach Brancheninformationen nicht bedienen kann. Von einer Insolvenz des in München ansässigen Konzerns wären rund 65 Unternehmen der KirchGruppe mit rund 9500 Beschäftigten betroffen. Zum Konglomerat des Firmengründers Leo Kirch zählen neben umfangreichen Film- und Fernsehrechten, auch eine Beteiligung an der Formel 1.

Murdoch und Berlusconi in Wartestellung

Als mögliche Interessenten für eine Übernahme von Kirch-Aktivitäten gelten neben dem australo-amerikanischen Medienunternehmer Murdoch auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Dessen Medienkonzern Mediaset arbeitet seit Jahren eng mit Kirch zusammen. Für Berlusconi wäre eine Expansion in Deutschland interessant, da er bisher nur in Spanien stärker engagiert ist. Allerdings hatte unter anderem Bundeskanzler Gerhard Schröder Bedenken gegen mehr Einfluss Berlusconis auf dem deutschen Medienmarkt geäußert. (mik)

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