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Kultur

Politisches Pokalendspiel

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) sind bekennende Fußballfans. Verständlich, dass der Streit um mögliche Bürgschaften für sie beinah den Wert eines Pokalendspiels hat.

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Immer am Ball:
Gerhard Schröder und Edmund Stoiber

Den Anstoß zur Partie erteilte Liga-Präsident Werner Hackmann mit seinem Versuch, den Staat für Bürgschaften zu gewinnen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) erklärte die Begegnung daraufhin flugs als Kampf ums nackte Überleben. Sein sozialdemokratischer Vereinskamerad, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, sagte, es gehe ausdrücklich nicht darum, Spieler-Gagen mit Steuergeldern zu sichern. Fußball bedeute "nicht nur, dass 22 hoch bezahlte Herren über eine Wiese rennen". Er bedeute auch die Förderung der Basis, des Amateursports und der Jugendarbeit.

Flankengeber und Leihgaben

Edmund Stoiber vom christdemokratischen Konkurrenz-Klub gab eine klare Angriffstaktik aus. Es sei "instinktlos" gegenüber normalen Bürgern, Fußballmillionäre mit staatlichen Bürgschaften zu unterstützen. Goalgetter Norbert Lammert vom Schwesterverein CDU merkte an, die Einkommen der Profi-Fußballer lägen "astronomisch" über normalen Tarifgehältern. Als Flankengeber entpuppte sich der sportpolitische Außenstürmer der FDP-Fraktion, Klaus Kinkel. Er sprach von "purem Populismus". Und als Leihgabe bis Saisonende stieß Frank Werneke hinzu, der ansonsten für den nicht unbedingt als Unions-nah geltenden Verein namens ver.di die Stiefel schnürt. Der Gewerkschafter sieht die Rettung der Arbeitsplätze bei Kirch als dringlicher an.

Verstecktes Foulspiel?

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Dieter Lau, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler kündigte für den Fall einer Bürgschaft bereits an, dies rechtlich prüfen zu lassen. Das Schiedsgericht müsste dann klären, ob ein verstecktes Foulspiel vorliegt, wobei es - welch Ironie - meist die von Kirch verkauften Fernsehbilder zu Hilfe nimmt. Als Flügelzangen profilierten sich die FDP-Politiker Rainer Brüderle und Hans-Joachim Otto, der Bürgschaften für Fußballmillionäre als "Stollentritte in die Gesichter der über vier Millionen Arbeitslosen" geißelte.

Kontrollierte Offensive

Gegen diese Angriffstaktik will Schröder mit seinem Team aus einer gesicherten Deckung zum Erfolg kommen. Erster Garant dafür ist SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, der bekannte, er sei als Fußballfreund "zu fast allem bereit". Hinter diesem eisenharten Verteidiger soll Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) als Libero kühlen Kopf behalten. Emotionslos bekannte er, Fußballklubs seien "Betriebe wie andere auch".

Spielmacher Tacke

Den kreativen Part im Mittelfeld übertrug der Kanzler dem Wirtschafts-Staatssekretär Alfred Tacke. Er soll sondieren, ob Besorgnisse für den Profifußball vorhanden seien und welche Hilfen gegeben werden könnten. Tacke lotet somit die Lücken in der gegnerischen Abwehr aus, um dann den tödlichen Pass zu spielen. Wer den verwandeln soll ist klar: Das dürfte sich der frühere Mittelstürmer Schröder selbst vorbehalten. (wga)